Das Jahr 2015 hat für das Rheinland eine besondere Bedeutung. Vor 200 Jahren wurde  es nämlich auf dem Wiener Kongress 1815 dem Königreich Preußen zugeteilt. Nach den Kriegen gegen Napoleon sollte damit die deutsche Westgrenze gefestigt werden.

Das hatte auch für die Eifel erhebliche Auswirkungen. Preußische Beamte wurden hierher versetzt, um eine geordnete Verwaltung aufzubauen. Es kam auch zu Strafversetzungen in die Eifel, die wegen der damals noch strengen Winter vielfach als „Preußisch Sibirien“ gefürchtet war.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund führte die Exkursion des Fördervereins der Christuskirche am 12. September 2015 nach Mirbach und Gerolstein in der Vulkaneifel. In beiden Orten wurde vor rund 100 Jahren  eine Erlöserkirche errichtet. Das preußische Königshaus mit seiner protestantischen Staatsreligion wollte in der fast ausschließlich katholisch geprägten Eifel durch entsprechende Kirchenbauten seinen Machteinfluss geltend machen. Dabei spielten Anlehnungen an Erlöserkirchen vor allem in Jerusalem eine wichtige Rolle: „Durch Gottes Gerechtigkeit werde ich erlöst.“

Das erste Ziel unserer Reisegruppe von 21 Personen war die Erlöserkapelle in Mirbach, das zur Gemeinde Wiesbaum in Rheinland-Pfalz gehört. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts eine Vorgängerkapelle baufällig geworden war, wurde die neue Kapelle im Jahre 1903 eingeweiht. Bauherr war Ernst von Mirbach, Oberhofmeister  Ihrer Majestät, der deutschen Kaiserin. Die Mirbachs waren ein angesehenes Rittergeschlecht in der Eifel.

Die südwestlich des Ortes auf einer kleinen Anhöhe gelegene  Erlöserkirche wurde im neuromanischen Stil erbaut. Die Baupläne fertigte Max Spitta (Berlin) an. Nach dessen Tod setzte Baurat Schwechtem, der Baumeister der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, sein Werk fort. In einer Führung durch die Küsterin wurden uns Äußeres und Inneres der Erlöserkapelle nahegebracht. Besonders hervorzuheben ist das ganz mit Goldmosaik ausgelegte Gewölbe der Vierung, in das vier Medaillons mit Darstellungen der Evangelisten eingefügt sind. In der Mitte ist in blauem Mosaik das Christuszeichen zu sehen. Obwohl Ernst Mirbach evangelischen Glaubens war, stellte er „seine“ Kapelle der katholischen Gemeinde zur Verfügung. Aus finanzieller Sicht ist dies inzwischen eine ziemliche Bürde. Die Erlöserkapelle ist samstags immer geöffnet. An die Führung schloss sich eine kurze Andacht mit Pfarrer Dohmes an. Anschließend stärkten wir uns im „Restaurant Breuer“ im nahegelegenen Ripsdorf, einem Ortsteil des nordrhein-westfälischen Städtchens Blankenheim.

Daran schloss sich eine herrliche Fahrt durch die teils von Wacholderhängen gesäumte Eifellandschaft an. In dem kleinen Eifelort Neroth war  Zeit für eine Kaffeepause im Café-Restaurant „Mausefalle“. Einige von uns machten sogar noch einen Kurzbesuch im Mausefallenmuseum. Hier wird an die im 19. Jahrhundert betriebene Herstellung von Mausefallen erinnert, die schon damals europaweit vertrieben wurden.

Letztes Ziel der Reise war schließlich die Erlöserkirche in Gerolstein. Von hier aus kann man das Wahrzeichen von Gerolstein, die Munterley, sehen. Es sind 100 m hohe Felsen – Überbleibsel eines Korallenriffs aus dem Devon-Meer im Erdaltertum.

Auch in Gerolstein hatten wir eine sachverständige und engagierte Führerin. Die Grundsteinlegung für die Erlöserkirche erfolgte im Jahre 1911, also fünf Jahre nach der Einweihung unserer Christuskirche. Das Baumaterial kommt aus der Region. Den Sockel bildet Basalt aus der Osteifel bei Mendig, der Rotsandstein der Fassade kommt aus dem Brohltal. Als erstes fällt dem Betrachter die Bauornamentik des Hauptportals ins Auge.

Der Grundriss der Erlöserkirche erinnert stark an die byzantinische Kreuzkuppelkirche. In der Vorhalle leuchten uns die Mosaikmedaillons, u.a. von Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria, entgegen. Alle Gewölbeflächen des Innenraums sind mit figürlichem oder ornamentalem Schmuck, die Wände mit Platten aus Marmor verkleidet. Einen Höhepunkt der Gesamtgestaltung stellt das Apsismosaik dar. Seinen unteren Abschluss bildet der Schriftzug „Einen anderen Grund kann niemand legen – außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Die damals angewandten Kunsttechniken zur Anbringung der Mosaiken und zur Bearbeitung der Marmorflächen sind eine Wissenschaft für sich. Wir konnten nur zuhören und staunen. Aus Laiensicht kann man allenfalls den Eindruck wiedergeben, dass das Innere der Erlöserkirche  stark an die Hagia Sophia im früheren Konstantinopel erinnert, was vom Bauherrn durchaus so gewollt war.

Nachdem wir im angebauten Museum und zwischen freigelegten Grundmauern am Ufer der Kyll noch Fundreste aus der Römerzeit besichtigt hatten, erwartete uns unsere tapfere Busfahrerin zur Rückfahrt. Dabei zeigte sich die tagsüber sonnige Eifel auch einmal von ihrer rauen Seite. Begleitet von heftigen Regengüssen, wurden wir nach bravouröser Fahrt sicher wieder vor dem Martin-Luther-Haus abgesetzt.

Dr. Dieter Michel

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