Ein Ausflug zum Altenberger Dom
Mitte September veranstaltete der Förderverein der Christuskirchengemeinde bei strahlendem Sonnenschein einen Ausflug zum Altenberger Dom, der etwa 20 km östlich von Köln liegt und sich zu einem europäischen Zentrum der Kirchenmusik entwickelt hat.
Der Domorganist und Kantor Rolf Müller stellte uns zunächst die Orgel des Altenberger Domes vor, ein Werk der Firma Klais aus dem Jahr 1980. Sie ist nicht nur eine der größten Orgeln mit 88 Registern und über 6000 Pfeifen, sondern verfügt auch über einige Besonderheiten: So besitzt sie nicht nur einen Spieltisch, sondern gleich zwei – einen mechanischen unmittelbar an der Orgel und einen fahrbaren elektrischen, der an verschiedenen Stellen des Kirchenraumes angeschlossen werden kann.
Mit vier kleinen Musikstücken stellte uns der Kantor seine Orgel eindrucksvoll vor: Die spanischen Trompeten, die horizontal in den Raum ragen, erklangen mit ihrem kraftvollen, hellen und schmetternden Klang in einem Musikstück aus der Die Zauberflöte. Zum Schluss ertönte ein Teil aus Messias, bei dem die Orgel mit vollem Klang den Raum erfüllte und so einen wunderbaren Einstieg in das Erleben dieses Domes bot.
In einer anschließenden Führung erfuhren wir mehr über die Geschichte des Domes und seine Ausstattung. Bereits 1133 hatten Mönche aus Morimond ein Zisterzienserkloster gegründet, dessen Kirche 1259 anstelle eines romanischen Vorgängerbaus errichtet wurde. Die Mönche lebten nach dem benediktinischen Leitsatz „ora et labora“. Der wohl bekannteste Zisterzienser war der heilige Bernhard von Clairvaux.
1803 wurde das Kloster infolge der Säkularisation aufgelöst, und die Kirche verfiel. Als die Abteikirche des ehemaligen Klosters Altenberg durch Brand, Plünderung und Witterungseinflüsse zur Ruine geworden war, schaltete sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. ein und ermöglichte mit seinen Geldmitteln den Beginn des Wiederaufbaus. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. vollendete den Bau, sodass der Altenberger Dom 1847 wieder vollständig hergestellt war.
Da der Wiederaufbau mit Geldern des preußischen Staates erfolgt war, bestimmte der König, dass diese Kirche simultan genutzt werden solle, also auch von evangelischen Christen. Nach wechselvoller Geschichte und drohendem Niedergang befindet sich der Altenberger Dom seit 175 Jahren als Rechtsnachfolger des preußischen Staates im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen. Bereits 1857 wurden die ersten Gottesdienste gefeiert, womit die Geschichte der Evangelischen in Altenberg begann. Seit 1950 gibt es dort eine eigenständige evangelische Gemeinde.
Der Dom ist eine gotische Abteikirche in Form einer dreischiffigen Säulenbasilika mit wunderschönen Grisaillenfenstern, da die zisterziensische Observanz zunächst keine Buntglasfenster duldete. Außerdem beeindruckt er mit Blattkapitellen, dem größten mittelalterlichen leuchtenden Westfenster, mittelalterlichen Grabmälern, einem schönen Lettnergitter und vielen weiteren Kunstwerken, wie etwa einer Skulptur, die Martin Luther und Bernhard von Clairvaux knieend vor Jesus darstellt.
Von der historisch gewachsenen Ausstattung ging 1803 ein beträchtlicher Teil verloren, sodass heute sowohl mittelalterliche als auch neue Kunstwerke sowie Kopien verlorengegangener Stücke die Kirche schmücken.
Nach diesem sehr ereignisreichen Vormittag, an dem wir uns an der Schönheit der Architektur, den Kunstwerken im Kirchenraum, der Kirchenmusik und der reizvollen Lage des Domes erfreuen konnten, stärkten wir uns im wunderschön gelegenen Restaurant Küchenhof bei einem leckeren Mittagessen. Dort führten wir interessante Gespräche und traten anschließend – bereichert um viele neue Eindrücke – die Heimfahrt an.
Ganz herzlich danken möchte ich vor allem dem Vorstand des Fördervereins, der diesen Ausflug initiiert und gestaltet hat.
Gisela Scheid