Besuch in der Glockengießerei

Am 4. September 2008 besuchte eine kleine Gruppe die Glockengießerei Rincker in Sinn in Hessen, deren Vorfahren bereits ab 1590 Glocken gossen – damals noch in einem Ort bei Braunfels. Anlass dieser Fahrt war, dass das Presbyterium im Jahr 1962 beschlossen hatte, die Gebrüder Rincker mit der Herstellung und Montage neuer Glocken zu beauftragen, die dann ein Jahr später vom Turm erklangen.

Von dieser Zeit an ließ sich die Familie in verschiedenen Teilen des Landes nieder, etwa im Siegerland, in Hessen-Darmstadt, der Pfalz und in Westfalen, bis sie sich schließlich in Sinn etablierte. Dort nahm das Werk einen großen Aufschwung, sodass heute Glocken von Rincker in der ganzen Welt läuten.

Glocken sind Musikinstrumente und dazu bestimmt, zu läuten und die Stunden anzuschlagen. Sie sollen in erster Linie gehört werden, und wenn wir sie hören, wissen wir, wie spät es ist oder erfahren, dass etwas Besonderes geschieht – etwa an Feiertagen. Den Klang der Glocken empfinden wir im Allgemeinen als angenehm und fühlen uns oft tief davon berührt.

Wie nun eine Glocke mit ihrem wundervollen Klang entsteht, erklärte und zeigte uns Herr Rincker sehr anschaulich: angefangen beim „Glockenprofil“ als Schablone über die „falsche Glocke“, deren Umfang genau der später zu gießenden Glocke entspricht, bis hin zum „Mantel“, der alle bisherigen Formen umschließt. Wenn alles getrocknet ist, wird der Mantel abgehoben, die falsche Glocke herausgeschlagen, und zwischen Kern und dem wieder aufgesetzten Mantel fließt der Metallguss ein.

Danach werden die Glocken nach dem Zerschlagen der erkalteten Form gesäubert und einer Tonprüfung unterzogen, denn die Glocken sollen harmonisch klingen, wobei der Klöppel nicht nur einen einzelnen Ton, sondern einen ganzen Akkord hervorruft.

Interessant war auch der Hinweis, dass die Glocken, die in der NS-Zeit zum Einschmelzen abgegeben werden mussten, dafür oft gar nicht geeignet waren. Nach dem Krieg lagerten in Hamburg etwa 1000 Glocken auf dem sogenannten Glockenfriedhof.

Nach dieser sehr aufschlussreichen Führung stärkten wir uns im Burgrestaurant, besichtigten die Burg Greifenstein und anschließend das Glockenmuseum auf der Burg, in dem wir die einzelnen Glocken mit ihren unterschiedlichen Geläuten selbst anschlagen konnten. Außerdem besichtigten wir die Barockkirche, die als Doppelkirche gebaut ist. Dort hielt Pfarrer i. R. Jürgen Keuper eine kleine Andacht, und wir durften einem Trompetensolo lauschen. Mit vielen neuen Eindrücken und Erkenntnissen traten wir schließlich die Heimreise an.

Etwas, das mich auf dieser kleinen Exkursion besonders beeindruckt hat, war auf der Hinfahrt zur Glockengießerei die Rezitation von Schillers „Lied von der Glocke“ durch Herrn Keuper. Nicht nur, dass Herr Keuper dieses lange Gedicht – mit wenigen Ausnahmen – auswendig vortrug, wofür ich ihm meine größte Hochachtung und meinen Dank aussprechen möchte; es war zugleich eine wundervolle und überraschende Einstimmung auf das, was wir danach erlebten.

So wie die Glocke am Anfang unseres Lebens läutet, begleitet sie uns bis zu unserem Ende. In diesem Gedicht von Schiller steckt unser ganzes Leben. Viele Zitate daraus waren uns bekannt, etwa „Fest gemauert in der Erden …“, „Errötend folgt er ihren Spuren …“, „O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen …“ oder „Leer gebrannt ist diese Stätte …“ und vieles mehr.

Gisela Scheid

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