© Harald Frosch
Mack-Kapelle

Besuch der Mack-Kapelle im Marianum

Schon seine Projekte in der Sahara und in der Arktis spiegelten beeindruckend Heinz Macks Vermögen, über skulpturale Objekte im weiten, kontrastarmen natürlichen Raum das Licht als strukturgebendes Element gestalterisch so zu bündeln, dass die reizarme Umgebung als lichtdurchfluteter „künstlicher Garten“ erscheint, wie über Macks Kunst häufig zu lesen ist.

Mit der Mack-Kapelle im Marianum schuf der Künstler einen ganzheitlich gestalteten sakralen Kunst-Raum. Hier wird das natürliche Licht im Glas der farbigen Fenster oder einem Glasröhrenensemble eingefangen, das an mittelalterliche Lettner erinnert. Licht als Mittler zwischen (symbolisierter) Natur und Kunst, Skulptur und Fläche, Bejahung des Lebens als Gegenpol zur Düsternis von Einsamkeit, Endlichkeit und Tod.

Neben dem Licht sind Formen des Kreuzes zentrale Elemente. Diesem fehlt bei Mack als christlichem Symbol der Qualen, die Jesus auf sich genommen hat, und der Auferstehung, jegliche Schwere. Das in der Apsis hängende Marmorkreuz wird von Licht umstrahlt: Durch eine hinter der Skulptur in die Außenwand der Kapelle eingelassene Maueröffnung einfließendes Tageslicht verändert die Raumatmosphäre im Tages- und Jahreslauf.

Im ganzen Raum findet der Besucher in vielfältigen Formen den Buchstaben „M“ als „skulpturale Alliteration“ des Namens der Gottesmutter Maria, Patronin dieser Kapelle, in deren Bauelementen und Ausstattung. In die Kirchenbänke sind christliche Symbole und mit der KZ-Nummer Kolbes ein individuelles Zeichen qualvollen Sterbens eingraviert.

Zahlreiche Mitglieder des Fördervereins der Christuskirche Neuss ließen Anfang Juli bei einem spätnachmittäglichen Besuch die als Gesamtkunstwerk inzwischen berühmte Mack-Kapelle auf sich wirken. Helmut Friedberg, Mitgründer des Freundes- und Förderkreises der Mack-Kapelle im Neusser Marianum und Kenner der Geschichte des Hauses, erläuterte eindrücklich die Umwandlung der ehemals vernachlässigten Kapelle nach Wechsel des Eigentümers in dessen Auftrag in diesen ästhetisch sehr ansprechenden sakralen Kunstraum. Die Besucherinnen und Besucher führte er sehr kenntnisreich durch die ausnahmslos von Mack geschaffenen Exponate und erklärte erhellend deren Wechselbeziehung zueinander. Der Betrachter hat nicht das Gefühl, einer hohen Ästhetik ausgesetzt zu sein, zu der er nicht in Beziehung treten kann. Im Gegenteil vermittelt Macks zitatenreiche, lebensvolle, lichterfüllte und zugleich stille Kunst eine einnehmende transzendentale Weite.

Verena Dziobaka-Spitzhorn, Vorsitzende des Fördervereins Christuskirche

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