Das sei ferne von uns, dass wir uns auflehnen gegen den HERRN und uns heute von ihm abwenden.
Josua 22,29
Auf der Reise von Ägypten ins gelobte Land waren die Israeliten öfter mal zu anderen Göttern abgebogen, wenn ihnen der Weg ihres Gottes mit ihnen nicht gefiel. Der Höhepunkt des „Fremdgehens“ war als sie sich eine eigene Götzenfigur erschufen, das goldene Kalb. Das war u.a. der Grund, warum Mose das gelobte Land nicht selber betreten durfte.
Nun waren Teile des Volkes dabei beobachtet worden, wie sie in der Nähe von Altären anderer Götter einen Altar aufbauten. Sofort gerieten sie unter Verdacht, einen fremden Gott zu verehren. Dies aber bestritten sie vehement.
Wie oft lehnen wir uns gegen Gott auf und folgen anderen Göttern?
Vielleicht erstaunt die Frage auf den ersten Blick. Andere Götter? Ja, andere Götter, nur haben sie ihr Aussehen verändert und heißen heute nicht mehr Baal. Menschen vergöttern zum Beispiel ihre eigene Kraft. „Ich kann alles selbst und alleine! Ich brauche keinen Gott.“ Ich würde diesem Gott den Namen „Selbstüberschätzung“ geben. Ein weiterer Gott ist die „Egozentrik“, der den Namen trägt „Ich bin mir selbst genug“. Manche andere folgen dem Gott mit dem Namen „Konsum“ und versuchen, so viel wie möglich in ihren Besitz zu bringen. Und schließlich gibt es noch den Gott der „Unentbehrlichkeit“. „Ohne mich läuft gar nichts, ohne mich geht es einfach nicht. Dafür bin ich viel zu wichtig.“ Und leider gibt es auch einen Gott der Resignation „Ach es hilft doch alles nichts. Es wird immer schlimmer. Was kann ich kleiner Mensch schon bewirken!“
Und haben Sie sich, hast du dich beim Lesen ertappt, einen dieser Götter zu kennen?
Guter Vater!
Hilf mir, bei dir zu bleiben. Amen.
Von allzu großem Hochmut
Es herrschte einst der gar mächtige Kaiser Jovinianus: Als der einstmals auf seinem Bett ausgestreckt lag, da schwoll sein Herz unglaublich von Hochmut auf und er sprach bei sich: Gibt es denn einen anderen Gott als mich.
Natürlich bleibt solcher Hochmut nicht ungesühnt. Den Kaiser ereilt die Strafe gleich am nächsten Tag als er, einem spontanen Einfall folgend auf die Jagd geht. Als ihn eine Hitzewallung überkommt, kühlt er sich in einem See ab. Während er badet, stiehlt ein ihm aufs Haar gleichender Mann seine Kleider und sein Pferd. Nackt und seiner königlichen Insignien beraubt, muss er erkennen, dass all seine Größe und Würde an Äußerlichkeiten hingen. Zwei von ihm selbst ins Amt gehobene Würdenträger (ein Oberst und ein Herzog) lassen ihn wie einen Landstreicher verprügeln, als er um neue Kleider bittet und sich als Kaiser »ausgibt«. Schließlich schlägt er sich bis zu seinem Palast durch, in der festen Überzeugung, wenigstens seine Frau müsse ihn »an gewissen Kennzeichen« erkennen.
Doch zu seinem Entsetzen ist er, der Kaiser, schon da und sitzt mit seiner Frau an der Tafel. Die Kaiserin findet es zwar befremdlich, dass der vermeintliche Gauner »zur Kenntnis der von uns vorgenommenen geheimen Angelegenheiten gelangt ist«. Doch vermag auch sie nicht zu entscheiden, wer von den beiden Männern der echte Kaiser ist. Und so fällt der Mann in den kaiserlichen Kleidern über den Nackten den Urteilsspruch. Er soll an den Schweif eines Pferdes gebunden werden, ohne ihn dabei zu töten.
Nach der öffentlichen Demütigung begibt sich Nackte zu seinem Beichtvater. Unter Tränen beichtet er, wie er sich noch vor kurzem über Gott erhoben hat. Außer der Absolution erhält er ein paar Kleidungsstücke und begibt sich wieder zum Palast. Dort erkennt man ihn nun. Der falsche Kaiser offenbart sich als sein Schutzengel, der dafür sorgen musste, dass der Hochmütige zur Rettung seiner Seele Buße tut.
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