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Tageslosung 9.7.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Aber es gibt einen Gott des Himmels, der das Verborgene enthüllt.
Daniel 2,28

Der babylonische König Nebukadnezar will seine Traumdeuter, seine Weisen und seine Magier auf die Probe stellen. Er lässt sie zu sich rufen und stellt ihnen folgende Aufgabe: Ich habe einen Traum gehabt. Ihr sollt meinen Traum deuten. Auf die Frage, wie denn der Traum gewesen sei, sagt Nebukadnezar, dass sie ihm seinen Traum und seine Deutung erzählen sollten, sonst seien sie alle Quacksalber. Dies kann natürlich niemand und so lassen viele Menschen ihr Leben. Daniel hört davon und fordert seine israelitischen Freunde auf, dass sie alle Gott bitten, ihnen den Traum des Nebukadnezars zu übermitteln. Dies geschieht dann tatsächlich und so kann Daniel dem König seinen Traum erzählen und deuten. Dieser erkennt die Größe Gottes.

Mit Gott unmögliches schaffen. Ihm gelingt es mit Gottes Hilfe. Würde es auch uns gelingen? Vor meinem inneren Auge erscheinen zwei Frauen. Beide haben Großartiges geschafft. Die eine musste ihren Mann beerdigen als das Kind gerade einmal 1 ½ Jahre alt war. Sie hat es geschafft, ihr Kind großartig zu erziehen und trotz aller Schwierigkeiten ein sehr erfülltes Leben zu leben. Die andere pflegte ihren Vater, obwohl sie voll im Beruf stand, musste sich mit einer schwierigen Familie herumschlagen, die ihr eher Steine in den Weg legten als ihr zu helfen. Beide haben etwas geschafft, was ihnen wahrscheinlich eher als unmöglich erschienen war. Beide sind über sich hinausgewachsen. Beide haben von Gott die Kraft bekommen, die sie brauchten

Wir werden heute von keinen Königen mehr auf die Probe gestellt. Aber das Leben stellt uns oft genug auf die Probe. Vieles ist zu bewältigen, von dem wir jetzt noch gar nicht wissen, dass es auf uns zukommt. Doch eines können wir jetzt schon gewiss sein: Wir werden egal bei welcher Aufgabe nicht im Stich gelassen. Gott wird uns helfen, mit den Unmöglichkeiten des Lebens klar zu kommen. So dass auch wir wie Daniel stolz und dankbar zurückblicken können.

Guter Vater!

Du machst mir Mut. Amen.

  

Bleiben oder gehen

Olena Rudenko (35):

Mein Mann Andriy sorgte dafür, dass ich mit unseren beiden Kindern gleich nach Beginn der russischen Invasion im März 2022 Kiew verließ. Unsere Tochter war damals 13, unser Sohn sechs Jahre alt. Andriy blieb in der Ukraine, um sich dem Zivilschutz der Hauptstadt anzuschließen. Er bestand darauf, dass wir ausreisen, weil er glaubte, er würde sich wohler fühlen, wenn die Familie in Sicherheit wäre.

Aber ich fühlte mich nicht wohl. Ich erinnere mich überhaupt nicht an den ersten Monat der Trennung. Die Bomben auf Kiew, die Reise nach Polen mit den beiden Kindern und dann nach Deutschland, das hat mich sehr gestresst. Mein Sohn und meine Tochter weinten ständig und wollten einfach nur nach Hause. In der Zeit ­habe ich kaum mit Andriy gesprochen. Ich dachte, wenn ich die Kinder nicht an ihren Vater erinnerte, würde es für uns alle leichter. Ich habe meine ganze Energie in den Papierkram gesteckt, habe nach einer Wohnung gesucht und mich um die Kinder gekümmert. Die gingen bald in Deutschland zur Schule. Aber vor allem meiner Tochter fiel es schwer, sich hier einzugewöhnen. Sie hatte Panikattacken, konnte sich nicht aufs Lernen konzentrieren, zog sich zurück und sprach kaum. Sie brauchte die Hilfe eines Psychologen. Der Vater schien für einige Monate aus unserem Leben

Aber der erste Schock verging, ich wurde ruhiger. Und ich wollte unbedingt Andriys Stimme hören. Allmählich wurden Telefonanrufe und Videos zum Teil unseres Alltags. Für mich waren diese Gespräche eine Offenbarung: Wir hatten früh geheiratet und waren nie so lange getrennt gewesen, aber erst jetzt, über die große Entfernung hinweg, fingen wir an, wirklich offen und aufrichtig zu kommunizieren.

Er hatte mir zum Beispiel vorher nie von seiner Kindheit erzählt. Vom alkoholabhängigen Vater, der seine Mutter und ihn schlug. Er erzählte, dass er bis zu seinem 15. Lebensjahr nachts kaum schlief, um zu hören, ob sein betrunkener Vater nach Hause gekommen war und ob er seine Mutter verprügelte. Bis dahin hatte ich nur gewusst, dass Andriy einen Vater hatte und dass er gestorben war. Wir hatten zusammen sein Grab besucht. Aber ich wusste nicht, wie unglücklich und voller Angst die Kindheit meines Geliebten gewesen war.

Irgendwann fing auch ich an, mit meinem Mann über schmerzhafte Themen zu sprechen. Meine Mutter hat immer versucht, Streit durch Schreien zu beenden. Seither kann ich keine Brüllerei mehr ertragen. Wenn also mein emotionaler Andriy etwas Lautes und Scharfes sagte, ärgerte ich mich sofort und verstummte für längere Zeit. Ich erkannte, dass dies nur ein Versuch war, mehr Aufmerksamkeit von ihm zu bekommen. Jetzt verstand ich, warum offene Gespräche zwischen uns bisher unmöglich gewesen waren. Und ich spürte eine Nähe, die es vorher nicht gegeben hatte.

Vor drei Monaten bin ich mit den Kindern in die Ukraine zurückgekehrt, obwohl Andriy damit nicht einverstanden war. In Kiew heulen immer noch die Sirenen, es gibt immer noch Strom- und Wasserausfälle. Aber ich hatte Andriy durch die Trennung noch mehr liebgewonnen und fürchtete, dass unsere Kinder sich so sehr an ihr neues Leben gewöhnen, sich an neue Freunde binden und immer weniger daran denken, zu ihrem Vater zurückzukehren.

www. chrismon.de/artikel/56057/ukraine-wie-liebe-und-beziehungen-im-krieg-auf-die-probe-gestellt-werden

 

Info

Veröffentlicht am8. Juli 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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