So will ich euch retten, dass ihr ein Segen sein sollt.
Sacharja 8,13
Sacharja bezieht dies hier auf das Volk Israel. Dieses Volk sei für seine Nachbarn ein Fluch gewesen. Doch nun, nach der Rettung durch Gott, soll es, statt ein Fluch zu sein, zum Segen für die Nachbarn werden. Wie schön wäre es, dies würde auch für die heutigen Zeiten gelten.
Sacharja aber weist uns damit auf etwas hin, was manchmal in der christlichen Verkündigung untergeht. Gott hilft uns, gibt uns Kraft, vergibt uns und schenkt uns einen Neuanfang – doch damit ist auch ein Auftrag verbunden: Sacharja sagt „Du lebst nicht alleine“.
Wenn wir also von Gott in vielfacher Form gesegnet werden, dann sollen wir diesen Segen weitergeben. Sacharja erinnert uns daran, dass wir alle ein Teil der großen Gemeinschaft von Gottes Kindern sind. Und jedes Teil dieser Gemeinschaft ist mit verantwortlich, wie es allen in der Gemeinschaft geht. Gott ist also kein Selbstbedienungsladen, wo ich mich einfach für mich versorgen kann und mir dann alle anderen egal sind.
Dabei kann das Mithandeln an der Gemeinschaft höchst unterschiedlich aussehen. Es kann ein Gebet sein für jemand anderen, ein Besuch bei jemandem, dem oder der es nicht gut geht. Es kann tatkräftige Hilfe sein.
So machen es zum Beispiel die Jünger Jesu. Sie werden von Jesus mit Kraft und Mut versorgt. Und dann schickt er sie in die Dörfer zu den Menschen. Sie sollen selbst erzählen von dem, was sie erlebt haben. Sie sollen selber mit anfassen. Sie sollen Menschen im Auftrag Gottes heilen. Sie empfangen den Segen Gottes und sie sollen diesen Segen weitergeben. Und so vervielfältigt sich der Segen Gottes, nicht nur durch die Jünger Jesu auch durch uns, dich, Sie und mich. Viel Freude dabei!
Guter Vater!
Zeige mir, wo mein Segen gebraucht wird. Amen.
Zoe und Alexios
Ich will euch von Zoe erzählen. Sie ist neun Jahre alt und hilft ihrer Mutter gerade beim Getreideauslesen. Sie hat eine Schüssel mit Körnern vor sich. Aber es sind auch noch ein paar schlechte Körner dabei, Steinchen und Erdklumpen. Die müssen herausgelesen werden. Gedankenversunken nimmt Zoe die Schüssel mit den Getreidekörnern und schaut in die Ferne. Die Mutter merkt, dass Zoe nicht richtig bei der Sache ist. Sie sagt „Zoe! Achtung! Du träumst ja. Jetzt hast du gerade ein gutes Korn in die Abfallschale geworfen!“ Zoe stutzt: „Entschuldige, Mama, das habe ich gar nicht gemerkt.“ „Das ist mir auch aufgefallen“, sagt die Mutter. „Was ist denn los?
Worüber denkst du nach?“
Zoe muss an den kleinen Alexios denken. Sie wird traurig. Zoe sagt: „Mama, wenn die anderen Kinder den kleinen Alexios ärgern, weil er ein verkrüppeltes Bein hat, dann finde ich das gar nicht schön. Manchmal möchte ich einfach rufen: ‚Lasst ihn in Ruhe!‘ Aber dann traue ich mich nicht. Ich habe Angst, dass mich die anderen deshalb auch ärgern. Das fühlt sich in mir an wie ein großer Kloß. Ich möchte schreien, aber ich bringe keinen Ton heraus. Alexios tut mir leid. Das ist doch gemein, wenn er wegen seines Beines ausgelacht wird. Ich bin darüber wütend und auch wütend auf mich. Warum schaffe ich es nicht, ihm zu helfen?“
Zoes Mutter hat aufmerksam zugehört. Sie sagt: „Weißt du, Zoe, so ähnlich geht es uns Erwachsenen auch manchmal. Der Apostel Johannes hat dazu sogar etwas in seinem Brief an unsere Gemeinde geschrieben. Du merkst in dir drin, was gut ist und was nicht gut ist. Du weißt, dass es gemein ist, Alexios wegen seines verkrüppelten Beines zu ärgern. Du merkst auch, dass es richtig wäre, ihm zu helfen. Gottes Geist hilft uns, Gutes von Bösem zu unterscheiden. Deshalb ist es dir nicht egal, wie die anderen mit Alexios umgehen. Es ist schön, dass du mit ihm fühlst. Es ist schön, dass du ihm helfen möchtest.
Es ist richtig, dass du dich darüber ärgerst, wenn es dir nicht gelingt. Dann weißt du, dass du etwas ändern willst. Und Jesus will uns dabei helfen. Lass uns doch gemeinsam überlegen, wie du das machen kannst.
www. tpi-moritzburg.de/files/Materialien/Arbeitsbereiche/Gottesdienst/gemeinsame-predigttexte-2023/2023-11-05_22SonT_Texte.pdf