Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.
Habakuk 2,3
Manchmal beten wir um etwas und haben den Eindruck: Gott lässt sich Zeit. Wir warten auf eine Antwort, eine Veränderung, Heilung, Führung oder eine neue Tür. Und je länger wir warten, desto stärker wird die Versuchung zu denken: Vielleicht passiert es doch nicht. Besonders schlimm ist es, wenn es unter den Nägeln brennt, wenn wir sehnsüchtig auf eine Antwort warten.
Habakuk erinnert uns daran, dass Gottes Zeitplan nicht mit unserem Zeitgefühl übereinstimmen muss. Das bedeutet nicht, dass Gott untätig ist. Auch im Warten kann Gott wirken.
Der entscheidende Satz lautet: „Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.“ Gott bittet und fordert Geduld. Dies erwartet er von seinem Propheten. Obwohl dieser mehr weiß als andere, überblickt er doch Gottes ganzen Plan nicht. Also muss er warten. Warten bedeutet hier nicht, die Hoffnung aufzugeben. Es bedeutet, Gott weiterhin zu vertrauen, obwohl wir das Ergebnis noch nicht sehen.
Vielleicht befindest du dich gerade in einer solchen Zwischenzeit. Du hast gebetet, aber noch keine Antwort bekommen. Du siehst noch keinen Weg. Dann darfst du heute neu festhalten:
Gottes Verzögerung ist nicht Gottes Vergessen. Wie heißt es in den Psalmen: 1000 Jahre sind für dich wie ein Tag.
Was Gott versprochen hat, hängt nicht davon ab, wie schnell du die Erfüllung siehst. Seine Treue bleibt bestehen – auch dann, wenn deine Geduld an ihre Grenzen kommt.
Guter Vater!
Manchmal fällt mir das Warten schwer, schenke mir bitte Geduld. Amen.
Das Leichteste und das Schwerste: Warten
Im Hauptbahnhof einer Großstadt laufen Tausende von Menschen durcheinander. Jeder will den Zug erreichen, Fahrkarten kaufen, Plätze reservieren, Gepäck aufgeben. In der Vorhalle des Bahnhofs drängen sich die Menschen, überschlagen sich die Stimmen, machen sich Hast und Hektik breit. Eine Frau führt ihren blinden Mann in eine kleine, stille Ecke abseits, lehnt ihn an eine Säule und sagt zu ihm: „Warte hier, ich komme wieder." Sie will ihm das Gewühl ersparen, besorgt die Fahrkarten und Platzkarten, erkundigt sich nach Bahnsteig und Abfahrtszeit. Währenddessen steht der Mann da, lächelt und wartet. Er kann nichts tun. Er ist aber nicht aufgeregt. Er steht da und wartet. Sie hat gesagt, sie komme wieder. Das ist seine Hoffnung. Er ist ein Wartender, hilflos und doch ruhig und gelassen. Seine Frau kommt wieder, nimmt ihn am Arm, und sie gehen weiter. Der Zug fährt ab. Sie erreichen ihr Ziel.