Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben.
Matthäus 25,35
Jesus macht in seinem Gleichnis deutlich, dass das Verhalten gegenüber jeglichen Menschen auch ein Verhalten ihm und seinem Vater gegenüber ist. Wer einem Menschen etwas Gutes tut, der tut dies auch Jesus und seinem Vater. Wer einem Menschen etwas schuldig bleibt, der bleibt es auch Gott gegenüber schuldig.
Für mich bedeutet dies einen deutlichen Fingerzeig in Bezug auf mein Verhalten anderen Menschen gegenüber. Es gibt keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, der nicht Geschöpf Gottes ist. Es gibt nicht einen oder eine, die Gott nicht am Herzen liegen.
Das aber hat weitreichende Konsequenzen, wenn ich es wirklich zu Ende denke. Jedes Kind ist mit Würde und Recht zu behandeln. Jedes Kind hat das Recht, gut ausgebildet zu werden, gute Chancen im Leben zu haben. Wir tragen eine Verantwortung dafür, dass die Kinder ausreichend unterstützt werden. Unsere Schulen und Kindergärten müssen dafür sehr gut ausgestattet werden. Jeder alte Mensch hat das Recht menschenwürdig behandelt zu werden. Wir haben besonders für die Sorge zu tragen, die sich selber nicht mehr helfen können: Schwerstpflegebedürftige, verarmte RentnerInnen, Menschen mit fortschreitender Demenz.
Sie alle, die Kleinen und Schwachen liegen Gott besonders am Herzen. Das macht er immer wieder sehr deutlich. Was wir ihnen tun, das tun wir Gott. Was wir ihnen versagen, das versagen wir Gott. Und wir haben keine Chance, uns da rauszureden. Nicht nur die anderen sind dazu gefragt, sondern auch wir selber an unserem Ort.
Guter Vater!
Bitte hilf mir die zu sehen, die meine Hilfe brauchen. Amen.
Wassja und der Bettler (Leo N. Tolstoj)
Wassja hatte vier Kopeken.
Er ging zum Bäcker, kaufte eine Semmel, und der Bäcker gab ihm eine
Kopeke heraus. Da ging er nach Hause.
„Um Christi willen, gib mir was!" sagte der Bettler.
Wassja tat es um die Semmel leid — er gab dem Bettler die Kopeke.
Dann aber tat ihm der Bettler leid: er kehrte um und gab dem Bettler
auch noch die Semmel.