Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.
Psalm 16,1
„Bewahrung“ – der Duden beschreibt Synonyme für dieses Wort „Hort“, „Schutz“, „Verteidigung“, „Verwahrung“. Wer also darum bitte, bewahrt zu werden, der oder die möchte gerne geschützt werden.
Ich mag an dieser Tageslosung ihre absolute Selbstverständlichkeit. „Rette mich, denn ich traue auf dich, ich glaube an dich.“ So als sei es das Normalste auf der ganzen Welt, dass Gott mich schützt, wenn ich ihm vertraue.
Mir fällt auf, dass uns der Wunsch nach Schutz uns mit den Menschen vor tausenden von Jahren verbindet. Damals war das Leben mit viel größeren Unsicherheit verbunden. Man kam schwer gegen Krankheiten an, eine kleine Verletzung, die sich entzündete, konnte schon tödlich sein. Menschen hatten viel weniger Rechte als heute und konnten sie schon gar nicht durchsetzen. Dass sie nach Schutz suchten, ist für mich völlig klar.
Unsere Welt ist auch schutzbedürftiger geworden. Seit Corona wissen wir, wie gefährdet wir manchmal sein können. Der Krieg gegen die Ukraine in Europa hat uns viel Sicherheiten genommen und nimmt sie uns immer noch. Und das Verhalten des amerikanischen Präsidenten verunsichert uns zudem immer wieder stark. So ist unser Bedürfnis nach Schutz in den letzten Jahren deutlich gewachsen.
Und so stimmen wir mit dem Psalmbeter ein: Beschütze uns Gott, denn diese Welt, meine Welt ist so anders geworden. Ich fühle mich unsicher und möchte mich an deiner Stärke festhalten.
Und ich bin gewiss, dass Gott damals den Psalmbeter gehört hat und uns heute hört.
Guter Vater!
Schütze und bewahre mich. Amen.
Eine Gänsegeschichte (Sören Kierkegaard)
„Ein Haufen schnatternder Gänse wohnt auf einem wunderbaren Hof. Sie veranstalten alle 7 Tage eine herrliche Parade. Das stattliche Federvieh wandert im Gänsemarsch zum Zaun, wo der beredtste Gänserich mit ergreifenden Worten schnatternd die Herrlichkeit der Gänse dartut. Immer wieder kommt er darauf zu sprechen, wie in Vorzeiten die Gänse mit ihrem mächtigen Gespann die Meere und Kontinente beflogen haben.
Er vergaß nicht dabei das Lob an Gottes Schöpfermacht zu betonen. Schließlich hat er den Gänsen ihre kräftigen Flügel und ihren unglaublichen Richtungssinn gegeben, dank deren die Gänse die Erdkugel überflogen. Die Gänse sind tief beeindruckt. Sie senken andächtig ihre Köpfe und drücken ihre Flügel fest an den
wohlgenährten Körper, der noch nie den Boden verlassen hat.
Sie watscheln auseinander, voll Lobes für die gute Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Fliegen tun sie nicht. Eines tun sie nicht – fliegen. Sie fliegen nicht. Sie gehen zu ihrem Mittagsmahl. Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut, und der Hof ist sicher.“
www.kirche-mv.de/fileadmin/Mecklenburg/Einrichtungen/leben-im-alter/Archiv_Andacht/Andacht_01.11.2020.pdf