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Tageslosung 4.11.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Der HERR wird Zion wieder trösten.
Sacharja 1,17

Ich erinnere mich an ein Gespräch. „Meine Tochter ist nicht zur Beerdigung meines Vaters gekommen. Ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr. Seit sie diesen Idioten geheiratet hat, habe ich mit ihr nichts mehr zu tun. Sie hat nur noch eine Chance bei mir, wenn sie sich von dem Idioten trennt und sich in meinem Beisein am Grab meines Vaters bei ihm entschuldigt.“

Menschen – unnachgiebig. Menschen, die verletzt sind und dann einfach komplett um sich schlagen. Du hast mir weh getan, jetzt tue ich dir weh. Wie viele Menschen leiden unter dieser Kälte und Unbarmherzigkeit. Großeltern, die ihre Enkel nicht mehr sehen. Kinder, die nach einer Trennung gegen den Ex aufgehetzt werden. Freundschaften, Ehen, Beziehungen, Nachbarschaften zerbrechen. „Der ist für mich gestorben!“

Israel hatte sich von seinem Gott abgewandt. Dies hatte Gott fürchterlich wütend gemacht. Israel zahlte schwer für diesen Schritt. Ohne den Schutz Gottes wurde es erobert, verwüstet, zerstört, besiegt. Es wäre Gottes gutes Recht gewesen zu sagen: „Die sind für mich gestorben.“

Doch Gott geht einen anderen Weg. Er lässt seinen Propheten sprechen: „Gott wird euch wieder trösten. Er wird Jerusalem wieder aufrichten. Gott ist treu, auch wenn ihr es nicht wart.“ Wie gut, dass da nicht gilt Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wie gut, dass Gott barmherzig ist.

In Jesus Christus, seinem Sohn geht Gott sogar noch ein Stück weiter. Nicht nur dass Gott vergibt und eine neue Chance gibt, Christus bezahlt den Preis der Schuld. Er zahlt mit seinem Leben für andere. Das ist noch ein ganz gewaltiger anderer Schritt, der nur möglich ist durch eine ganz bestimmte Eigenart Gottes: Liebe. Nur Liebe besiegt den Hass und die Schuld.

Guter Vater!

Wie gut, dass du uns Versöhnung anbietest. Amen.

 

Das Blumenherz auf der Fensterbank (Elke Bräunling)

Eines Morgens stand eine Tasse auf dem Fensterbrett vom alten Anton. Eine altmodische Kaffeetasse aus dünnem Porzellan. Sie war mit kleinen roten und blauen Blümchen bemalt und hatte einen breiten, sorgfältig zugeklebten Riss. Der zog sich vom Tassenrand bis zum Tassenboden und man sah, dass er die Tasse in zwei Hälften getrennt hatte. Kaffee trinken konnte man aus ihr nicht mehr, aber dazu war sie auch nicht gedacht. Mit Erde war sie gefüllt. Mir feiner, schwarzer Blumenerde.

Der alte Anton war überrascht.

„Wer schenkt mir eine Blumentasse?“, fragte er sich und sein Herz schlug ein wenig schneller.  „Wie nett das doch ist!“

Irgendwie meinte er, diese Tasse schon einmal in einer anderen Zeit gesehen zu haben, aber das war lange her und damals war die Tasse noch heil gewesen. Er sah auf die Straße hinaus, doch er konnte niemanden entdecken. Wie auch? Die Nachbarn waren bei der Arbeit, die Kinder in der Schule, wie immer an einem ganz normalen Morgen. Dass sich die Gardine gegenüber im Fenster von Oma Katharina leicht hin- und herbewegte, sah er nicht. Er hatte nicht dort hinüber geblickt. Das tat er nie seit dem Streit damals. Der war viele Jahrzehnte her und eigentlich wusste Anton gar nicht mehr, warum sie sich zerstritten hatten.

„Es ist nicht üblich, dass man einander bunte Tassen mit Blumenerde aufs Fensterbrett stellt“, brummte er nun. Es war ein zufriedenes Brummen. Nein, üblich war es nicht. Aber aufregend. Vielleicht zauberte dieses Geschenk eines Tages eine Blüte hervor? Diese Idee gefiel ihm und er beschloss, sich um die Wundertasse zu kümmern und die Erde jeden Tag zu gießen.

Eine spannende Zeit begann. Schon bald zeigten sich klitzekleine, grüne Triebe. Gierig nach Wasser und Luft schälten sie sich aus der Erde und reckten sich der Sonne entgegen. Und Tag für Tag mehr erkannte Opa Anton das Herz, das die Kressepflänzchen formten. Jemand hatte sie in der Form eines Herzens in die Erde gesät.

„Wer schenkt mir altem Zausel ein Herz?“ Der alte Anton staunte. „Diese Zeit ist für mich doch längst vorbei! Oder?“

Weil es aber gerade die Zeit der Herzen kurz vor Sankt Valentin war, spürte er, wie sehr ihn dieses Geschenk freute. Es war eben doch noch nicht alles vorbei.

„Wie schön das Leben ist! Wie aufregend schön.“

Er blickte zu Katharinas Fenster hinüber und lächelte. Würde der Riss auch zwischen ihnen noch einmal zu kitten sein? Einer müsste den ersten Schritt gehen. Oder war der schon gemacht?

www. geschichtenseiten.de/2023/02/13/die-tasse-mit-dem-blumenherz/

Info

Veröffentlicht am2. November 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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