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Tageslosung 31.7.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Betet darum, dass ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt.
Lukas 22,40

Jesus ist im Garten Gethsemane. Er weiß, was ihm und seinen Jüngern bald bevorsteht. Gleich wird er verhaftet werden, wobei ihn einer seiner Jünger verraten wird. Danach wird er gefoltert, verhöhnt und getötet. Er sagte Petrus voraus, dass er ihn 3 x verleumden wird. Er weiß um die schwere Zeit, die seinen Jüngern bevorsteht.

Ja, Petrus verleumdet seine Freundschaft zu Jesus. Ja, die Jünger verstecken sich voller Angst. Ja, es sind die Frauen, die viel mutiger sind als die Männer. Sie gehen hinaus und finden das leere Grab. Und doch bewähren sich die Jünger Jesu. Sie gründen in Jerusalem eine Urgemeinde. Sie missionieren, gehen hinaus und erzählen von Jesus und seiner Botschaft. Auch durch sie entsteht aus einem kleinen Haufen eine Weltreligion.

Genauso sind Menschen: Schwach und stark, feige und mutig, voller Euphorie und niedergeschlagen, fantastisch und ätzend, zärtlich und brutal, dumm und intelligent. Nicht nur unterschiedliche Menschen können unterschiedlich sein. Manchmal ist alles das auch in einem einzigen Menschen zusammen gebündelt.

Gott weiß um unsere Stärken und Schwächen. Er sieht, wo wir versagen und wo wir stark sind. Er fördert und fordert Mut und Stärke und er vergibt Versagen und Schuld. So begegnet der auferstandene Jesus dem Petrus noch einmal, dem der ihn dreimal verleugnet hat. Und er fragt ihn dreimal „Hast du mich lieb?“ Dreimal versagt, dreimal bestanden. Aus Petrus wird einer der entschlossensten Jünger. Neben Paulus wird er zur prägenden Figur des Christentums. Bis heute sieht sich der Pabst als Nachfolger des Petrus. Er wird zum Fels, auf den Gott seine Kirche baut. Gott baut auch auf Dich, Sie und mich.

Guter Vater!

Nimm meine Schuld von mir und stärke mich. Amen.

 

Versuchung

Die Weingläser stehen zwischen ihnen auf dem Tisch. Halb voll. Ein roter Kringel zeichnet sich auf dem Holz ab. Er dreht sein Glas, bis ein dünner Ton am Rand singt.

Er hat seinem Freund alles erzählt. Nicht „die Wahrheit“ im Allgemeinen, sondern die Zahl im Quartalsreport, die er um zwei Prozent nach oben gezogen hat, damit das Projekt nicht kippt. Morgen will er es im Team sagen. Vor dem Chef. Vor allen.

„Du bist sicher?“, fragt sein Freund.

Er nickt. Nimmt einen Schluck. Der Wein ist warm und schwer.

Sein Freund schweigt. Dann nickt er: „Ich verstehe.“ Aber der Ton sagt etwas anderes.

Draußen ziehen Wolken über den Mond. Das Licht wird weicher.

„Du denkst, ich sollte es nicht tun.“

„Ich denke …“ Sein Freund lehnt sich vor, die Ellbogen auf den Knien. „Ich denke, du verwechselst Gewissen mit Selbstzerstörung.“

Das Wort trifft ihn wie ein Schlag.

„Du bist auch nur ein Mensch“, fährt sein Freund fort, leise, fast flüsternd. „Was ändert deine Beichte? Der Kunde hat längst unterschrieben. Du ruinierst deinen Ruf, dein Team verliert die Prämie und …“ Er bricht ab, als hätte er sich versprochen. Dann, leiser: „Gott will doch nicht, dass du dich opferst für … ja, wofür eigentlich? Für ein Prinzip?“

„Es ist nicht nur ein Prinzip. Es ist mein Name unter der Zahl.“

„Meinst du das wirklich?“ Die Augen seines Freundes sind weich. „Dann sag mir: Was gewinnst du? Und was verlierst du? Und wen reißt du mit?“

Diese Fragen hängen zwischen ihnen. Er hat Antworten. Aber sie passen nicht in diesen warmen, dämmrigen Raum, wo alles so vernünftig klingt.

„Vielleicht“, sagt sein Freund, „vielleicht ist der mutigste Weg nicht immer der radikalste. Vielleicht ist es mutiger, gnädig zu sein. Mit dir selbst. Mit anderen.“

Er nimmt sein Glas. Der singende Ton ist weg, es ist nur noch schwer. Aus der Küche klirrt kurz eine Flasche. Dann ist es still.

„Ich weiß nicht“, flüstert er schließlich.

Sein Freund lächelt. „Das ist okay“, sagt er. „Du musst nicht perfekt sein.“ Kurz legt er ihm die Hand auf seine Schulter. Warm. Tröstlich. Fast wie Vergebung.

Im Protokoll der Sitzung steht: „Alle Zahlen bestätigt.“

www.jesusjournal.substack.com/p/drei-gedanken-wie-ein-eigener?

Info

Veröffentlicht am30. Juli 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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