Er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
Apostelgeschichte 3,8
Dieses Heilungswunder, von dem die Apostelgeschichte berichtet, ist ein besonderes. Denn hier ist es nicht Jesus, der den Gelähmten heilt, sondern sein Jünger Petrus. Dieser geht mit Johannes in den Tempel, um zu beten. Da wird ein Gelähmter vor den Tempel getragen, der um Almosen bettelt. Petrus sagt zu ihm: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!“ Und sofort wird der seit der Geburt Gelähmte geheilt.
Auch schon zu Lebzeiten Jesu schickte dieser seine Jünger immer wieder aus ins Land. Sie sollten den Menschen selbst von Gott erzählen und sie auch heilen. Schon da traute ihnen Jesus dies zu und ermutigte sie.
Für uns heute ist dies ein Fingerzeig und ein Auftrag. In der Nachfolge Jesu zu leben, bedeutet auch, in seinem Sinne zu handeln. Und genau wie Jesus es seinen Jüngern zugetraut hat, so traut er auch uns zu, mit Vollmacht zu handeln. Wir werden dabei wahrscheinlich nicht die Fähigkeit haben, Menschen durch ein Wunder wie bei Petrus zu heilen. Und doch kann auch durch uns die Botschaft von der Liebe Gottes auf ganz unterschiedliche Art und Weise verkündet werden. Zum einen durch ein Handeln selbst. Wer seinem Nächsten etwas Gutes tut, der oder die verkündet Gottes Liebe durch sein oder ihr Tun – sozusagen Reden ohne Worte.
Und natürlich können wir auch mit Worten Gottes Liebe verkündigen, indem wir z.B. davon erzählen, wie sehr wir uns selbst durch Gott und seine Liebe getragen fühlen. Sowohl Handeln als auch erzählen sind beides sehr glaubwürdig, weil wir von uns selbst berichten, selbst handeln.
Guter Vater!
Gib mir dem Mut und die Kraft, in deiner Nachfolge zu leben. Amen.
Die drei Söhne (Leo Tolstoi)
Drei Frauen wollten am Brunnen Wasser holen. Nicht weit davon saß ein Greis auf einer Bank und hörte zu, wie die Frauen ihre Söhne lobten.
„Mein Sohn“, sagte die erste, „ist so geschickt, dass er alle hinter sich lässt …“ „Mein Sohn“, sagte die zweite, „singt so schön wie die Nachtigall. Es gibt keinen, der eine so schöne Stimme hat wie er …“ „Und warum lobst du deinen Sohn nicht?“ fragten die die dritte, als diese schwieg. „Er hat nichts, was ich loben könnte“, entgegnete sie. „Mein Sohn ist nur ein gewöhnliches Kind, er hat nichts Besonderes an sich und in sich …“
Die drei Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. Der Greis ging langsam hinter ihnen her. Die Eimer waren schwer, und die abgearbeiteten Hände schwach. Deshalb machten die Frauen eine Ruhepause, denn der Rücken tat ihnen weh.
Da kamen ihnen die drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. Die Frauen riefen: „Was für ein geschickter Junge!“ Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten andächtig und mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie heim. Da fragten die Frauen den Greis: „Was sagst du zu unseren Söhnen?“
„Wo sind eure Söhne?“ fragte der Greis verwundert, „ich sehe nur einen einzigen Sohn.“
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