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Tageslosung 30.5.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
»HERR, du Gott unserer Vorfahren, vergib in deiner Güte allen, die sich nicht so vorbereitet haben, wie es für dieses heilige Fest nötig ist, die aber doch mit ganzem Herzen nach deinem Willen fragen.«
2. Chronik 30, 18+19

In Jerusalem am Tempel war es ganz schön kompliziert. Es gab zig Regeln, wie man sich genau zu verhalten hatte. Es gab Reinigungsvorschriften, die genau eingehalten werden mussten. Und es gab ganz bestimmte Opfertiere und Opferrituale, de die Tempeldiener natürlich beherrschten. Komisch, dass die Oberen in der Religion immer alles so kompliziert machen müssen. Warum muss ich gerade an unsere Kirchenordnung denken??? Weil es so kompliziert ist, da legt König Hiskia ein gutes Wort bei Gott für die ein, die die Regeln nicht beachtet haben. Er verweist auf ihr gerades Herz.

Als Pfarrer lernt man alle kennen: Millionäre und arme Schlucker, Hochintelligente und Einfache, Angeber und Bescheidene, Hochmütige und Demütige. Eine Frau kommt mir gerade vor Augen. Eine sehr einfache Frau. Sie arbeitete als Küchenhilfe und verdiente wahrlich nicht viel Geld. Klein, rundlich, etwas gehbehindert. Von außen betrachtet ein Huppelchen. Von innen betrachtet eine Riesin. Ich habe sie niemals unwirsch erlebt. Im Gegenteil: Ihre Freude, die pure Lebensfreude war ansteckend. Sie strahlte einen an. Sie gab gerne und viel, war immer hilfsbereit. Ihr Glaube war einfach und fest. Nichts schien sie erschüttern zu können.

Hiskia hat Recht. Es kommt nicht darauf an, viel Geld zu spenden. Es kommt nicht darauf an, einen Studienabschluss zu haben, reich zu sein oder stolz auf den eigenen Verstand. Einzig alleine entscheidend ist das Herz eines Menschen. Worauf ist es ausgerichtet? Wofür schlägt es? Spielt Gott in dem Herzen eine Rolle?

Guter Vater!

Schenke mir ein reiches Herz.  Amen.

 

Achill und der Bäcker (nach einer wahren Geschichte)

In einem kleinen Ort, ganz in der Nähe von Paris, lebte einst ein Bäckermeister, der jeden Tag frische Brötchen und leckere Croissants backte, und ein riesengroßes Herz hatte.

Louis Travel begann als 14-Jähriger in der Bäckerei seiner Familie in Paris eine Lehre, hat mit Liebe und Überzeugung viele Jahre im elterlichen Betrieb gearbeitet, aber auch, weil er seinen Vater nicht enttäuschen - und die Familientradition fortführen wollte. Inzwischen hat sich der füllige, großgewachsene Mann, mit den schlohweißen vollen Haaren und dem sanften Gemüt, zur Ruhe gesetzt.

Es war im Jahr 2012, - kurz vor Weihnachten. Die Bäckerei war schon morgens voller ungeduldiger Menschen, die ihre Bestellungen zum Fest aufgegeben wollten. Louis Frau Adele stand mit frisch gestärkter weißer Schürze hinter der Ladentheke und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Eine junge Mitarbeiterin reichte lächelnd eine Brötchentüte über den Tresen. Im Laden duftete es herrlich nach frischem Brot und gemahlenem Kaffee. In der Backstube wurden die letzten Bleche mit Savarins aus dem Ofen geholt und für den Verkauf mit Zuckerguss überzogen. Das Gebäck hatte die Form eines Donuts.

Nicht ganz gesund und etwas müde, überlegte sich Louis die Bäckerei abzugeben und sprach abends wieder einmal mit seiner Frau Adele darüber, wie schön es doch wäre, wenn jemand aus der Familie die Bäckerei übernehmen würde. Sechs Tage die Woche stand er Jahr für Jahr von Mitternacht bis mittags in der Backstube, backte Brot, Kuchen und Torten. Seine 2 Töchter zeigten keinerlei Interesse an der elterlichen Bäckerei und auch sonst interessierte sich niemand für den netten kleinen Laden in der Kantstraße. Zwei Jahre lang suchte Louis vergeblich einen Nachfolger für sein Geschäft.

Im Dezember 2015 stand er wieder in seiner Backstube und backte seine Spezialitäten mit Herzblut. Die Beine fühlten sich schwer an, er litt schon seit ein paar Jahren unter Arthritis. Eigentlich sollte er schon längst einmal zum Arzt gehen, um sich mal wieder gründlich durchchecken zu lassen. Ab Mitternacht knetete er den Teig für seine knusprigen Croissants und am Nachmittag musste er den Nachtschlaf nachholen. Es blieb einfach keine Zeit für einen Arztbesuch.

Vor zwei Wochen bezog ein junger Obdachloser vor seinem Laden Quartier, ein freundlicher junger Mann, der es im Leben nicht leicht hatte und über seine Vergangenheit nicht gern sprach. Der Mann war stets freundlich und verhielt sich unauffällig, weshalb Louis ihn vor seinem Geschäft duldete. Er hatte meist einen Tarnanzug an und dicke, klobige Springerstiefel.

Jeden Morgen ging Louis hinaus in die Kälte und brachte Achill einen Kaffee und ein Croissant. Sie plauderten kurz über das Wetter und die Leute, die vor dem Fest hektisch herumliefen und immer in Eile waren, während seine Maschinen und Öfen in der Backstube auf Hochtouren liefen.

Es war an diesem Morgen besonders kalt und neblig, als er vor die Tür trat und Achill noch eine Wolldecke brachte, die er sich auch gleich um die Schultern legte, und den Pott mit dem heißen Kaffee mit beiden Händen umschloss. Louis mochte den tätowierten Außenseiter, der mit 35 Jahren auf der Straße lebte und noch nie einen richtigen Job hatte. Der Bäcker war dankbar, dass er ein gutes Leben hatte, seine Töchter gesund waren und er mit beiden Beinen im Leben stand, wenn auch seit einigen Jahren nicht mehr auf gesunden.

Im Januar passierte etwas Schreckliches. Louis erleidet in seiner Backstube durch einen defekten Ofen eine Kohlenmonoxyd-Vergiftung. Es war Achill, der schon in aller Frühe vor der Bäckerei auf- und abging und bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Straße war noch dunkel, er sah nur wenige Lichter in den Häusern, und freute sich schon auf den warmen Kaffee vor der Bäckerei. Die Stille in der Backstube ließ ihn aufhorchen. Er schaute durch das Fenster in die beleuchtete Werkstatt und sah den Bäckermeister regungslos am Boden liegen. Sofort eilte er durch den Hintereingang hinein, griff nach dem Telefonhörer an der Wand und wählte den Notruf. Durch seine Treue und Entschlossenheit rettete er dem Bäcker das Leben. "Wäre Achill nicht gewesen, wäre ich nicht mehr am Leben", erzählte Louis seiner Familie am Krankenbett. Als er nach zehn Tagen aus dem Krankenhaus kam, bot er Achill einen Job in seiner Bäckerei an. "Ich habe mein Leben lang Brot gebacken und bin jetzt müde", erzählte er ihm ein wenig erschöpft. Das Funkeln in seinen Augen war erloschen und die Körperhaltung drückte Resignation aus. „Du sollst in meine Fußstapfen treten. Ich werde dich ausbilden und dich begleiten, bis du das Geschäft selbst führen kannst.“ Bei diesen Worten legte er zuversichtlich die Hand auf Achills Schulter, während ihn dieser aus großen Augen anblickte.

Anstatt die Bäckerei zu verkaufen, überließ Louis dem 35-Jährigen sein Geschäft für den Preis von einem Baguette, - für einen symbolischen Euro. Natürlich konnte Louis sich noch nicht gleich zur Ruhe setzen. Achill musste das Bäckerhandwerk erst von Grund auf erlernen.

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Veröffentlicht am29. Mai 2026

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Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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