Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.
2. Petrus 3,9
Direkt nach Jesu Tod waren die Anhänger davon überzeugt, dass das Reich Gottes bald Wirklichkeit werden würde. Es würde nicht lange dauern, dann würde Gott diese Erde völlig verändern, Jesus wiederkommen und die Herrschaft übernehmen. Und tatsächlich lassen sich einige Aussagen Jesu in Bezug auf diese Naherwartung interpretieren. Doch die angebliche Verheißung blieb aus. Und die Anhänger Jesu sahen sich mit der Frage konfrontiert: „Was nun?“ „Was ist mit denen, die in der Zwischenzeit sterben?“ Und so sucht der 2. Petrusbrief eine Antwort auf die Fragen.
Nun, wir haben den Glauben an eine nahe Ankunft des Reiches Gottes nicht mehr so wie die Menschen damals. Aber dennoch spricht mich in dem Satz des Petrusbriefes etwas an: „er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde“.
Gott hat Geduld. Mein erstes Gefühl ist eine große Erleichterung. Wie oft mache ich den gleichen Mist! Wie oft wiederhole ich Fehler, die ich abstellen wollte! Manchmal kommt mir das Leben wie ein immerwährendes Spiel vor. Wie oft ärgere ich mich über mich selber! Gott sei Dank hat Gott Geduld. Wenn er die nicht hätte, dann hätte ich ein großes Problem.
„Er will, dass jedermann (ergänzt auch jede Frau) zur Buße findet.“ Erkennen, bereuen oder büßen – das sind die Grundvoraussetzungen für die Vergebung von Schuld. Gott wartet auf mich bis ich den Dreh geschafft habe. Er möchte mir die Chance auf ein befreites Leben lassen. Er wartet auf mich! Alleine dieser Satz löst in mir Erstaunen und Freude aus. Danke.
Guter Vater!
Danke für deine Geduld und dein Warten. Amen.
Gott gibt uns noch Zeit
Das hat der badische Erweckungsprediger Aloys Henhöfer im vorletzten Jahrhundert mit einem schlichten Bild aus seiner Zeit deutlich gemacht:
Auf dem Markplatz steht die Postkutsche. Die Uhr hat schon geschlagen. Die Leute sitzen drin. Es ist Zeit zur Abfahrt. Aber der Kutscher geht noch um die Pferde herum und blickt immer wieder die Straße hinunter. Dann geht er noch einmal um den Wagen, sieht die Bremsen nach und blickt wieder die Straße hinunter. Warum fährt er denn noch nicht ab? Plötzlich kommt ein Mann um die Ecke gebogen und geht auf die Kutsche zu; auf ihn hat er noch gewartet. Als nun auch der seinen Platz eingenommen hat, setzt sich der Kutscher auf den Bock, löst die Bremsen und nimmt die Zügel in die Hand. Die Fahrt beginnt.
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