HERR, ich sehe, dass der Mensch sein Geschick nicht selbst in der Hand hat.
Jeremia 10,23
Wir leben in einer Zeit, in der Selbstbestimmung großgeschrieben wird. Viele Menschen glauben: „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst.“ Planung, Kontrolle und Selbstoptimierung prägen unseren Alltag. Doch Jeremia spricht einen ehrlichen Satz aus, der überraschend aktuell klingt.
Jeremia erkennt: Der Mensch ist nicht der uneingeschränkte Herr seines Lebens. Wir können planen, entscheiden und handeln — und doch erleben wir immer wieder Grenzen. Wege verändern sich plötzlich. Türen schließen sich. Krankheiten, Enttäuschungen oder unerwartete Wendungen machen deutlich: Wir haben nicht alles unter Kontrolle. Das klingt zunächst ernüchternd. Aber in Wahrheit liegt darin auch eine befreiende Botschaft. Er sagt: „Ich muss mein Leben nicht allein tragen.“
Gott kennt unseren Weg besser, als wir selbst es tun. Er sieht weiter. Während wir oft nur den nächsten Schritt erkennen, überblickt er den ganzen Weg. Gerade darin liegt Vertrauen: Nicht ich muss alles lenken — Gott führt.
Das bedeutet nicht, passiv zu werden. Wir dürfen planen, arbeiten und Verantwortung übernehmen. Aber wir tun es im Bewusstsein, dass wir auf Gottes Leitung angewiesen sind. Wahres Vertrauen wächst dort, wo wir Gott nicht nur um seinen Segen für unsere eigenen Pläne bitten, sondern ihn fragen: „Herr, was ist dein Weg für mich?“
Vielleicht gibt es gerade Situationen in unserem Leben, die unsicher sind. Vielleicht fragst wir uns, warum manches anders gekommen ist als gedacht. Jeremia erinnert uns heute daran: Unser Leben entgleitet Gott nicht. Auch Umwege können unter seiner Führung stehen.
Guter Vater!
Bitte hilf mir auf meinem Lebensweg. Amen.
Die Geschichte vom zerbrochenen Krug
Einst lebte ein alter Wasserträger in einem abgelegenen Dorf. Jeden Tag machte er sich auf den Weg zum Fluss, um das kühle, frische Wasser zu holen und es in seinem Haus abzuliefern. Dabei nutzte er zwei große Krüge, die er an einem Stock über seine Schultern trug. Doch einer der Krüge war alt und hatte einen Riss. Während der gesunde Krug das Wasser zuverlässig hielt, verlor der zerbrochene Krug auf dem Weg nach Hause immer einen Teil seines Inhalts.
So kam es, dass der Wasserträger, wenn er sein Haus erreichte, einen vollen und einen halb leeren Krug hatte. Dies ging zwei Jahre lang so – jeden Tag brachte der Wasserträger anderthalb Krüge Wasser nach Hause. Der unvollkommene Krug war beschämt und traurig. Er schämte sich, dass er nicht die volle Leistung bringen konnte. Eines Tages, als sie sich am Fluss befanden, sprach der zerbrochene Krug zu seinem Träger:
„Ich schäme mich so. Jeden Tag verliere ich Wasser, und ich bin nicht in der Lage, Dir die volle Ladung zu bringen, die Du verdienst.“
Der Wasserträger lächelte den Krug liebevoll an und sagte: „Hast Du jemals bemerkt, dass auf Deiner Seite des Weges Blumen wachsen, auf der anderen aber nicht? Ich habe schon immer gewusst, dass Du einen Riss hast. Deshalb habe ich auf Deiner Seite des Weges Blumensamen gestreut, und jeden Tag, während wir den Weg entlang gingen, hast Du sie bewässert. Zwei Jahre lang konnte ich diese schönen Blumen pflücken und mein Haus damit schmücken. Ohne Dich und Deinen Riss hätte es all diese Schönheit nicht gegeben.“
www.sylvia-bieber-coaching.de/die-geschichte-vom-zerbrochenen-krug/?utm_source=chatgpt.com