Der HERR aber ist in seinem heiligen Tempel. Werdet still, erweist ihm Ehre, ihr Menschen der ganzen Erde! Habakuk 2,20
„Werdet still.“ Das passt ja so gar nicht in unsere Zeit. Eine Zeit, in der der amerikanische Präsident jeden Tag wieder neu Provokationen raushaut. Irgendwann, so hofft er, werden die Menschen ermüden. Und dann hätte er freies Feld. Die Stille scheint aus der Zeit zu fallen.
Dabei hat die Stille eine wichtige Funktion. Gestern haben wir mit unseren muslimischen Freunden das Fastenbrechen gefeiert. Und wir haben dabei gelernt, dass gerade das Fasten und die Stille zu einem sehr bewussten Leben führen.
Dabei ist die Stille in Gefahr. Letztens war ich bei einem Arzt im Wartezimmer. Alle Leute zückten ihr Handy. Niemand hatte Langeweile. Einige spielten, andere surften in sozialen Medien, wieder andere lasen im Internet. Zur Ruhe kommen, Stille, keine Chance.
Ich glaube, wir selbst müssen für uns heute Zeiten der Stille bewusst suchen. Zeiten, in denen unsere Seele wieder auftanken kann. Zeiten des Durchatmens. Zeiten der Langeweile. Zeiten, in denen unsere Seele baumeln kann.
Denn diese Zeiten der Stille haben einen ganz tiefen Sinn. Einen Sinn, den wir gerade in der Passionszeit besonders erfahren dürfen. Denn in der Passionszeit verzichten wir auf ganz bestimmte Dinge: Alkohol, Fleisch, Süßigkeiten, Handy, und, und, und … Und wir merken dabei, dass es kein Verlust, sondern ein Gewinn ist.
Und so ist auch die Stille ein Gewinn für uns. Sich selbst stärker wahrzunehmen, Zeit und Ruhe für andere zu haben. Zeit und Ruhe für Gott zu haben. Manchmal ist weniger einfach mehr.
Guter Vater!
Ich danke dir für die Zeiten der Stille. Amen.
Die Stille suchen
Besucher kommen zu einem Einsiedler und verbringen einige Zeit bei ihm, um von ihm zu lernen. Der Eremit ist im Gebet versunken, bisweilen geht er zum Brunnen und holt sich frisches Wasser. Sonst ist nur Stille und Schweigen. Abends fragen die Touristen den Einsiedler, wie er die Stille und Einsamkeit ertragen und nutzen kann. Er geht mit den Leuten zum Brunnen, schöpft Wasser, trinkt und bittet die Besucher, in den Brunnen zu schauen. „Was seht ihr?" Sie sehen nichts als einige kleine Wellen. Nach einer ganzen Zeit der Stille und des Schweigens bittet er die Leute, wieder in das Wasser zu schauen. „Was seht ihr jetzt?" - „Wir sehen ganz deutlich unser Gesicht in der still gewordenen Oberfläche des Brunnens." - „Seht ihr, das ist der Nutzen des Schweigens. Alles in uns kommt zur Ruhe und man erkennt sich selber, die Welt, die Geheimnisse des Lebens!"
Es gibt eine Seite mit den alten Losungsandachten:
https://evangelisch-neuss-sued.de/gottesdienste/beten-zuhause