Liebt ihr den HERRN? Dann verabscheut das Böse!
Psalm 97,10
Liebe zu Gott bleibt nie nur ein Gefühl. Sie zeigt sich darin, wie wir leben, denken und entscheiden. Der Psalm macht das deutlich: Wer den Herrn liebt, entwickelt auch eine Abneigung gegen das Böse.
Das klingt zunächst hart. Denn „hassen“ ist ein starkes Wort. Aber hier geht es nicht um Hass gegen Menschen. Es geht um eine klare Haltung gegenüber allem, was zerstört: Lüge, Ungerechtigkeit, Neid, Bitterkeit oder Gleichgültigkeit. Wer Gott liebt, möchte nicht festhalten an dem, was die Beziehung zu ihm und zu anderen vergiftet.
Oft merken wir, wie widersprüchlich unser Herz ist. Wir wollen das Gute — und geraten doch immer wieder in Gedanken, Worte oder Gewohnheiten, die uns davon wegziehen. Gerade dann lädt dieser Vers dazu ein, ehrlich zu werden. Gott sucht keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die sich von ihm verändern lassen.
Die Liebe zu Gott schärft den Blick. Plötzlich wird uns wichtig, was vorher nebensächlich war. Wir fragen nicht mehr nur: „Was ist erlaubt?“ sondern: „Was dient dem Guten? Was ehrt Gott?“ Und dies ist eine ganz andere Perspektive, denn sie bedeutet, den anderen im Blick zu haben. „Was ist erlaubt?“ blickt auf mich selber. „Was dient dem Guten?“ blickt von mir weg, hin auf den oder die Andere.
Das Böse zu hassen bedeutet deshalb auch, das Gute zu lieben: Wahrheit statt Täuschung, Vergebung statt Vergeltung, Hoffnung statt Resignation, Barmherzigkeit statt Härte.
Und genau darin liegt Freiheit. Denn Gott führt nicht in Enge, sondern in ein Leben, das heil macht.
Guter Vater!
Schenke mir Klarheit, das Böse zu erkennen. Amen.
Die zwei Wölfe
Ein alter Mann saß mit seinem Enkel am Feuer. Nach einer langen Weile sagte er:
„In jedem Menschen kämpfen zwei Wölfe miteinander.
Der eine Wolf ist böse: voller Neid, Hass, Lüge, Stolz und Gier.
Der andere Wolf ist gut: voller Liebe, Frieden, Freude, Wahrheit und Güte.“
Der Junge dachte einen Moment nach und fragte dann:
„Und welcher Wolf gewinnt?“
Der alte Mann antwortete ruhig:
„Der, den du fütterst.“