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Tageslosung 23.7.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Ich liege gefangen und kann nicht heraus, mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich.
Psalm 88, 9+10

Zu jedem Leben gehören schwere Zeiten hinzu. Zeiten, in denen es uns elend geht. Zeiten, in denen wir nicht glauben, dass sich etwas bessert. Dabei können die Anlässe und Gründe dafür sehr unterschiedlich sein.

Für die einen ist es vielleicht die Situation am Arbeitsplatz. Tagtäglich werden sie konfrontiert mit Kolleginnen und Kollegen, die über sie herziehen. Manche gehen schon mit Bauchschmerzen zur Arbeit.

Ich erinnere mich an eine über 80 jährige Witwe, die mir beim Beerdigungsgespräch bzgl. ihres verstorbenen Manns sagte: „Was bin ich froh, dass dieses Arschloch tot ist.“ Und dann erzählte sie von 40 Jahren, in denen ihr alkoholkranker Mann sie verprügelt hatte.

Ebenso gibt es manche Schüler, die einfach froh sind, dass nun Sommerferien sind. Wenigstens jetzt werden sie nicht von den MitschülerInnen gehänselt und aufgezogen. Sie alle fühlen sich wie gefangen, wie es der Psalmbeter beschreibt. Und es gibt bestimmt noch tausende andere Weisen unter denen Menschen leiden.

Was aber bleibt dann? Es bleibt die Möglichkeit, vor Gott zu klagen. Ein Sprichwort sagt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Wenn ich Gott von meinem Elend erzähle, dann gebe ich in Stück davon ab. Und es bleibt, sich nach anderen Möglichkeiten umzusehen: Die Schule zu wechseln, die toxische Partnerschaft zu verändern. Vielleicht finde ich auch Menschen, mit denen ich mein Leid, z.B. in Selbsthilfegruppen, teilen kann. Niemand sollte auf Dauer gezwungen sein, Elend zu ertragen. Genau das kann ach nicht im Sine unseres Gottes sein, der uns für ein freies Leben geschaffen hat.

Guter Vater!

Herr, gib mir Kraft, wenn alles aussichtslos erscheint. Amen.

 

Der letzte Laib Brot

Als die Bäckerei schloss, blieb Karl noch einen Moment vor dem Schaufenster stehen. Früher hatte er hier jeden Morgen Brötchen für seine Familie gekauft. Heute betrachtete er nur die Krümel auf dem Boden hinter der Scheibe.

Seit Monaten hatte er keine Arbeit mehr. Seine Wohnung war gekündigt, seine Freunde hatten sich nach und nach abgewandt. Nicht aus Bosheit – sie wussten einfach nicht mehr, was sie sagen sollten.

An diesem kalten Abend saß Karl auf einer Parkbank. Sein Magen knurrte. Neben ihm ließ ein kleiner Junge versehentlich ein Stück Brot fallen. Karl hob es auf. Einen Augenblick kämpfte er mit sich selbst. Dann gab er es dem Jungen zurück.

„Danke“, sagte der Junge lächelnd.

Karl nickte nur. Das Lächeln des Kindes wärmte ihn mehr als das Brot seinen Hunger hätte stillen können.

In dieser Nacht schlief Karl unter einer Brücke. Der Hunger blieb. Die Kälte blieb. Das Elend blieb.

Doch irgendwo in einer Welt, die ihn längst vergessen hatte, erinnerte ihn dieses eine Lächeln daran, dass auch im tiefsten menschlichen Elend ein Funken Würde überleben kann.

Info

Veröffentlicht am22. Juli 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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