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Tageslosung 22.7.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Das ganze Volk, in dessen Mitte du stehst, soll meine Taten sehen. Furcht und Staunen erregend werden die Wunder sein, die ich für euch tun will.
2. Mose 34.10

Mose ist also das zweite Mal auf den Berg geklettert, um wiederum die beiden Tafeln mit den 10 Geboten zu erhalten. Die ersten hatte er vor lauter Wut zerbrochen als er gesehen hatte, dass sein Volk sich einen eigenen Gott gebastelt hatte. Nun kündigt Gott Wunder an, die er für sein Volk tun will. Unter anderem heißt es dann: „Ich werde die Bewohner des Landes, in das ich euch führe, vor euch vertreiben, die Amoriter, Kanaaniter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.“

Und damit ist leider der Boden bereitet für einen schon seit Jahrtausenden währenden Streit. Für viele Juden ist Israel nicht irgendein Land, sondern heiliges von Gott geschenktes Land. Kein Quadratmeter darf an andere abgegeben werde. In unserem Land würde keiner von heiligem deutschen Boden sprechen (von 12 Jahren her abgesehen). Es gehörte Mal den Goten, mal den Franzosen, mal den Preußen und jetzt uns.

Was aber bis heute gut geschehen kann, sind Wunder, die Gott schickt. Manchmal sind es Wunder, die jeder gut sehen und beobachten kann. Für mich ist es bis heute ein Wunder, dass sich die Wiedervereinigung ohne einen Schuss, ohne einen Toten abgespielt hat. Da hatte Gott seine Hand im Spiel. Und es geschehen jeden Tag „private“ Wunder, die nur jemand für sich selbst oder die Familie sieht und erlebt. Für mich war das so als ich meine leibliche Mutter kennengelernt habe, ohne dies zu wollen. Und später dann meinen leiblichen Vater und meine beiden Brüder. Auch da hatte Gott seine Hand im Spiel du wollte das so.  

Guter Vater!

Danke für ein Eingreifen in unsere Welt. Amen.

 

Das Wunder von Lengede

Am 24. Oktober 1963 wird Lengede Schauplatz eines Bergwerks-Unglücks: 29 Menschen verlieren ihr Leben, 89 werden gerettet - die letzten elf am 7. November 1963, was als "Wunder von Lengede" in die Geschichte eingeht.

Donnerstag, 24. Oktober 1963: Die zweite Schicht im niedersächsischen Erzbergwerk Lengede bei Salzgitter nähert sich dem Ende, es ist bald 19.30 Uhr. Bergmann Bernhard Wolter will pünktlich Feierabend machen, um schnell zu seiner fünf Monate alten Tochter und seiner Frau zu kommen. Eigentlich hatte er ohnehin Urlaub nehmen wollen - aber der Gedanke an ein zusätzliches Weihnachtsgeld spornt ihn an, doch noch eine Schicht zu übernehmen. Dem jungen Elektromechaniker Adolf Herbst geht es ähnlich - er soll eine Pumpanlage im Schacht Mathilde installieren und hat sogar eine Extraschicht drangehängt. Kurz vor 20 Uhr hört er auf zu arbeiten, ist erschöpft. Aber er freut sich auf den nächsten Tag, denn er will frei nehmen und seine für den Sonnabend geplante Verlobung vorbereiten.

Doch für die Kumpel kommt alles ganz anders: Kurz vor 20 Uhr bricht der erst kürzlich gebaute Klärteich ein. Fast 500.000 Kubikmeter Schlamm und Wasser fluten die Grube Mathilde. In dem Schacht sind zum Zeitpunkt des Unglücks 129 Arbeiter. Zwei Kumpel können sich über den Hauptschacht retten, 44 über den Materialstollen. 33 werden mit Strickleitern durch ein Wetterbohrloch gezogen. Für Bernhard Wolter, Adolf Herbst und die restlichen Bergleute scheint die Lage jedoch aussichtslos zu sein. Vor ihren Augen reißt das Wasser alles mit, was sich ihm in den Weg stellt: Werkzeug, Holzwagen, Kollegen.

Wolter und Herbst flüchten sich geistesgegenwärtig in einen alten Streckenausbau. Doch auch hierhin kommt das Wasser, sodass die Männer - und mit ihnen 19 andere - von einer Höhle in die nächste klettern, bis sie schließlich über ein schmales Brett in einen Bruchhohlraum gelangen, einen sogenannten Alten Mann. Er ist sechs mal zwei mal drei Meter groß. Der alte Hohlraum ist nicht mehr abgesichert, von oben lösen sich Steine, der Sauerstoff ist knapp, sodass sie sich kaum wach halten können. Hier werden die Männer die nächsten 14 Tage ausharren - lebendig begraben.

Freitag, 25. Oktober: Fast 24 Stunden nach dem Unglück werden gegen 19 Uhr sieben weitere Bergleute, die in 40 Metern Tiefe eingeschlossen waren, gerettet - von Kumpeln, die sich ohne Genehmigung der Grubenleitung noch einmal in den Schacht abgelassen haben, um nach Vermissten zu suchen. Am Sonnabend brüten Rettungskräfte und Techniker wieder über den Tunnelskizzen des Bergwerks. Sie berechnen, dass sich am Ende einzelner Stollen Luftblasen gebildet haben könnten - und dass sich dort möglicherweise Überlebende aufhalten. Die Einsatzleitung beschließt, an verschiedenen Orten zu bohren.

Sonntag, 27. Oktober: Die ersten Klopfzeichen werden aufgefangen - drei Bergleute befinden sich tatsächlich in einer Lufttasche in 79 Metern Tiefe, ein vierter Mann, der bei ihnen war, ist ertrunken. In Lengede sind mittlerweile fast 1.000 Hilfskräfte im Dienst - vom Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk, der Bundeswehr und dem Grenzschutz. Noch nie wurden so viele Rettungsgeräte eingesetzt: Flachbohrer, Großbohrer, Überdruckkammern, Hochleistungskompressoren und die sogenannte Dahlbuschbombe, eine torpedoförmige Rettungskapsel. Fieberhaft wird mit den Bergungsarbeiten begonnen. Doch erst vier Tage später, am 1. November, können die drei geborgen werden. Sie sind erschöpft, aber unversehrt. Ihre Namen: Fritz Leder, Gerhard Hanusch und Emil Pohlei.

Erstmals ist bei einer solchen Rettungsaktion das Fernsehen - NDR und ZDF - live dabei. Bei der Tagesschau in Hamburg haben elf europäische sowie US-amerikanische und kanadische Fernsehanstalten vom Bohrloch abonniert. Insgesamt berichten 449 Journalisten aus aller Welt aus Lengede. 48 Pressekonferenzen werden abgehalten. Millionen Menschen können die Rettungsarbeiten am Fernseher mitverfolgen.

Der NDR hilft mit Scheinwerfern, Mikrofonen und Gegensprechanlagen. Fernsehen und Hörfunk können schneller berichten als die Tageszeitungen. Gerade deren Reporter geraten unter Druck, packende Geschichten liefern zu müssen Doch manche der Journalisten vor Ort schießen über das Ziel hinaus, bedrängen verzweifelte Bergmannsfamilien. Einer versucht, im Zelt der Rettungskräfte an zusätzliche Informationen zu kommen und wird hinausgeprügelt. Die "Bild"-Zeitung gründet eine Sonderredaktion und mietet ein ganzes Gasthaus. Die örtliche Post kassiert in diesen Tagen für ihre Dienstleistungen insgesamt 30.000 Mark Gebühren.

Davon bekommen Bernhard Wolter, Adolf Herbst und die anderen nichts mit. Sie sitzen immer noch im "Alten Mann", in absoluter Dunkelheit, denn ihre Grubenlichter sind längst erloschen. Aber mittlerweile haben sie mehr Sauerstoff, der vermutlich durch eine kaputte Leitung kommt. Immer wieder kommt es zu Steinschlägen, zehn der Kumpel leben nicht mehr, einige sind schwer verletzt. Sie haben Hunger - und vor allem Durst. Der 20-jährige Herbst ist der erste, der von dem Wasser trinkt, das sie umgibt. Wasser, in dem Leichen verwesen. Die anderen fürchten Leichengifte, warten ab, wie es Adolf Herbst ergeht - und trinken dann auch. Sie sind verzweifelt, haben Wahnvorstellungen - doch die Hoffnung auf Rettung erhält sie am Leben. Wolter glaubt, Bohrgeräusche zu hören. Doch über dem "Alten Mann" bohrt niemand, die Geräusche sind eine Illusion.

Über Tage hat der Hüttendirektor sie bereits für tot erklärt, die Trauerfeier ist für den 4. November angesetzt; 500 Mark an die Witwen sind ausbezahlt, damit sie die Beerdigung finanzieren können. Auch die Bergungskolonnen sind bereits abgerückt. Doch einige der Hauer lassen nicht locker, sie hoffen, dass noch Bergleute am Leben sein könnten - im "Alten Mann". Der Grubendirektor glaubt nicht an Wunder, aber er fürchtet den Zorn der Kumpel und den Druck der Medien. Er lässt noch einmal bohren - gegen die eigene Überzeugung, wie er sagt. Doch wo genau der "Alte Mann" unter Tage liegt, zeigen die Karten nicht. An der Stelle, die der Vermessungstechniker für die richtige hält, liegen Schienen, daher wird die Bohrstelle einfach einige Meter weiter in eine andere Richtung verlegt.

Es ist reiner Zufall - und unglaubliches Glück: Am 3. November wird 200 Meter vom gefluteten Hauptschacht entfernt genau der richtige Punkt getroffen. Im "Alten Mann" hören elf Überlebende auf einmal wirkliche Bohrgeräusche, Wasser spritzt über ihre Köpfe. Sie tasten die dunkle Höhle ab, verzweifelt auf der Suche nach etwas, mit dem sie sich bemerkbar machen können. Wolter hat ein Taschenmesser im Schuh, mit steifen Armen versucht er, es schnell herauszuziehen, er klopft wild auf das Metallrohr. Über Tage herrscht Fassungslosigkeit über die Klopfzeichen. Dann riesige Freude. Die Bergungstruppen und die Gerätschaften, die zum Teil schon auf der Autobahn unterwegs sind, werden wieder zurückbeordert, die Familien informiert.

Über ein schmales Rohr - es misst gerade mal 42 Millimeter im Durchmesser - bekommen die elf Eingeschlossenen Kontakt nach oben. Als erstes erhalten sie eine Taschenlampe, dann Tee, Möhrensaft. Wolter, der Sprecher der elf Bergleute, wünscht sich Zigaretten - doch die bekommen sie vorerst nicht. Es dauert noch mehrere Tage, bis sie geborgen werden können. Die Bohrarbeiten müssen behutsam vorgenommen werden, damit die Höhle nicht einstürzt. Es gibt wieder Steinschläge. Sie zertrümmern Bernhard Wolters Rippen.

Über eine Gegensprechanlage können die Eingeschlossenen mit ihren Angehörigen sprechen. Als ihnen gesagt wird, Bundeskanzler Ludwig Erhard wolle mit ihnen reden, fühlen sie sich auf den Arm genommen. Doch der CDU-Politiker ist nach Lengede gekommen und spricht wirklich zu ihnen.

Ich glaube, alle deutschen Herzen sind im Augenblick bei Ihnen, in der Hoffnung, in der Zuversicht, dass Sie wieder das Licht des Tages erblicken werden. Glück auf!

Am 7. November ist es endlich so weit: Einer nach dem anderen kommt über die sogenannte Dahlbuschbombe nach oben. In dieses Rettungsgerät einzusteigen, sei nicht einfach gewesen, erinnert sich Siegfried Ebeling, der ebenfalls zu den Verschütteten zählt, 2010 im Deutschlandfunk: "Ja, man musste schon Praktiken haben. Die haben uns das gezeigt, je nachdem wie sie einsteigen wollen. Wenn sie mit dem rechten Fuß zuerst reingingen, mussten sie mit der rechten Schulter rein und dann sich richtig reindrehen." Bei einigen habe das nicht auf Anhieb geklappt. Deshalb hätten die Rettungssteiger etwas rabiater vorgehen müssen "und denjenigen reingepresst". Er selbst habe bei dem Aufstieg in der Dahlbuschbombe "an gar nichts gedacht. Ich war froh, dass ich nach oben kam und habe meine Familie wiedergesehen. Wegen der Familie habe ich mir ja alle Beine ausgerissen".

Adolf Herbst hat geschwollene Knie und kann nur noch robben. Die Rettungssteiger müssen ihn in die Dahlbuschbombe hineinheben. Als er nach oben kommt, ist er voller Freude. Er dankt Gott, dass er ein zweites Leben bekommen habe. Aber er wundert sich auch über den Ernst und das Mitleid in den Gesichtern seiner Retter. "Mensch, ich bin doch draußen, ist doch toll", sagt der Arbeiter damals zu ihnen.

Die Geretteten werden wegen des für sie grellen Lichts an der Oberfläche mit Sonnenbrillen versorgt. "Da standen Krankenwagen, für jeden ein Krankenwagen. Wir wurden untersucht, die alten Klamotten ausgezogen und etwas Sauberes an und dann sind wir ins Krankenhaus gefahren, jeder einzeln mit einem Krankenwagen, und die Frau war immer dabei", führt Ebeling weiter aus.

In der Öffentlichkeit werden die Geretteten gefeiert wie Helden. Traurige Helden, denn 29 ihrer Kumpel sind gestorben - für sie hat es kein Wunder gegeben.

www.ndr.de/geschichte/chronologie/das-wunder-von-lengede-1963-nach-14-tagen-gerettet,wundervonlengede-ndr-100.html

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Veröffentlicht am21. Juli 2026

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Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

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