Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.
Jeremia 2,2
Gott vergleicht durch Jeremia das Verhältnis zu seinem Volk mit einer Ehe. Früher, also in der ersten Zeit war Israel treu, als es erwachsen wurde folgte es Gott wie eine liebende Ehefrau. Israel ging mit Vertrauen auf seinen Gott mit in die Wüste, dorthin, wo man eigentlich nicht überleben kann. Doch dann ging Israel fremd, die Liebe zu seinem Gott erlosch. Und schlimmer noch, es suchte sich einen anderen Gott. So heißt es wenige Verse später bei Jeremia: „Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit eingetauscht gegen einen Götzen, der nicht helfen kann!“
Und wie sieht es bei uns selbst aus? In welchem Status der Ehe sind wir angelangt in unserem Verhältnis zu Gott? Ist es das frische Verliebtsein mit den Schmetterlingen im Bauch? Oder ist es das vorsichtige Abtasten und die Neugierde, wenn man sich gerade erst kennengelernt hat? Ist es eine lebendige Beziehung mit Liebe und Kraft? Oder ist Gott für mich so selbstverständlich geworden, wie die Couchgarnitur im Wohnzimmer?
Die Frage nach meiner Beziehung zu Gott ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wir stellen sie uns sehr selten. Und so ist es gerade gut, dass uns die Tagelosung dazu bringt.
Denn mit Gott ist es wie mit jeder anderen Beziehung auch. Beziehungen, ja gute Beziehungen brauchen Arbeit, Einsatz und Erneuerung. Ja, jede Ehe, jede Freundschaft, jedes menschliche Miteinander fußt auf positiven Erfahrungen. Sie sind sozusagen das Fundament. Und doch müssen diese Erfahrungen immer wieder erneuert und bestätigt werden. Und dann bekommt die Beziehung eine neue tiefergehende Kraft.
Guter Vater!
Ich bin dir so dankbar für unsere Beziehung. Amen.
Der Seitensprung als Weckruf für die Beziehung
Das Ehepaar G. war zum Zeitpunkt der Therapie bereits über 20 Jahre verheiratet. Sie hatten 4 Kinder, die alle im Grundschulalter waren. Frau G. war damals Erzieherin und der Mann arbeitete als Bankkaufmann. Das Paar hatte tiefgreifende Probleme und die Beziehung stand auf der Kippe. Herr G. hatte eine Affäre mit einer jüngeren Kollegin. Der Ehemann hat seiner Frau schon vor Therapiebeginn alles gebeichtet, die Affäre bereut und war bereit, alles zu tun, um die Ehe aufrechtzuerhalten. Der Seitensprung als Weckruf für die Beziehung: Herr G. schlug seiner Frau eine Paartherapie vor. Er wollte gemeinsam an ihrer Ehe arbeiten und diese retten. Frau G. war sehr erschüttert, tief verletzt und enttäuscht. Sie wollte erst Bedenkzeit und willigte schließlich ein.
Am Anfang der Eheberatung wurde zunächst gemeinsam mit dem Paar der therapeutische Auftrag geklärt: Möchte sich das Paar sich trennen oder an der Ehe arbeiten? Nachdem der Therapieauftrag – nämlich die Rettung ihrer Ehe – einvernehmlich beschlossen wurde, ging es darum die Ursachen für die Ehekrise zu ergründen. Beide Partner erhielten die Möglichkeit und den Freiraum, die Krise, ihre Ehe sowie die Familiensituation und die Partnerschaft aus ihrer eigenen Perspektive zu beschreiben. Dabei war es wichtig, empfundene Gefühle und Gedanken zu äußern und eigene Bedürfnisse zu formulieren. Herr G. erklärte, dass er die Beziehung zu seiner Frau als distanziert, sachlich und entfremdet empfand. Irgendwann im Laufe ihrer langen Ehe sah Herr G. seine Ehefrau nicht mehr als Geliebte sondern als die Mutter seiner vier Söhne. Auch Frau G. nahm das Gefühl der Entfremdung wahr. Jedoch sprachen weder er noch sie es an.
Trotz großer Enttäuschung und Verletzungen seitens Frau G. war sie bereit, ihrem Mann zu verzeihen, sich für sein Erleben der Partnerschaft zu öffnen und an der gemeinsamen Ehe zu arbeiten.
Das Paar reist gedanklich in die Vergangenheit
Als therapeutische Maßnahme bei Paartherapie Köln im MVZ Köln für Psychotherapie GmbH Odendahl & Kollegen wurde eine gedankliche Reise in die Vergangenheit unternommen.
Wie hat das Paar sich kennengelernt?
Was fanden sie jeweils an dem anderen toll?
Was ist davon geblieben?
Wie kann man das Besondere an dem Partner wiederfinden?
Was hat sie als Paar zusammengeführt?
Diesen und ähnlichen Fragen hat sich das Paar gestellt, gemeinsam nach Antworten gesucht und auf diese Wiese vieles über sich selbst und ihre Partnerschaft wiederentdeckt.
Auch die familiäre Situation wurde im Laufe der Paartherapie beleuchtet und der nicht unerhebliche Einfluss einer Familiengründung auf die Partnerschaft aufgedeckt. Es ist ganz normal, dass man sich als Paar zugunsten der Kinder und Aufbau einer Familie zurücknimmt. Es ist eine große Herausforderung, sich als Paar bei der Familiengründung nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Bei 4 relativ kurz aufeinander folgenden Kindern erscheint diese Aufgabe umso schwerer. Der Zeitraum, in dem sich das Ehepaar G. vor den Kindern an zweiter Stelle gesehen hat, war sehr lang. Sie haben mit viel Engagement und Hingabe an ihrer Familiengründung und erfolgreicher Kindererziehung gearbeitet. Auch diese Errungenschaft lernten sie in der Therapie wertzuschätzen und als Gemeinsamkeit zu betrachten.
Die Affäre war ein Weckruf und eine neue Chance für die Beziehung. Mit großer Bereitschaft und Motivation fand das Paar schließlich zueinander. Sie bauten gemeinsame Rituale auf. Fanden gemeinsame Hobbies. Sie nutzten die Situation für Veränderungen und zogen in eine neue Wohnung, planten Ausflüge und Urlaube und erlebten auch im Alltag immer wieder kleine Inseln der Zweisamkeit. Im Laufe der Zeit fanden sie eine neue gemeinsame Erotik, sodass auch dieses Thema kein Misstrauen mehr schürte.
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