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Tageslosung 22.10.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.
Psalm 100,3

Der 100. Psalm ist wohl der kürzeste Psalm mit gerade einmal 5 Versen. Und doch ist er eindringlich in dem, was er sagt. Er fordert nämlich dazu auf, Gott zu loben. Und den Grund dafür benennt er in der Tageslosung: Nicht wir haben uns Gott ausgesucht, sondern er hat sich uns ausgesucht. Und damit ist es ganz anders als sonst im Altertum. Je nach Anlass suchte man sich die passenden Götter aus. Für die Liebe ging man in den Tempel des Amor. Wenn eine Schiffsreise bevorstand besuchte man vorsichtshalber Poseidon.

Der Psalm 100 aber beschreibt den umgekehrten Weg. Gott suchte sich seine Menschen aus. Und genau das soll die Menschen zum Lob bringen.

Für mich ist dadurch noch einmal deutlich, dass Gottes Zuwendung zu uns schlicht ein Geschenk ist. Wir haben sie uns nicht verdient. Und sie ist alles andere als selbstverständlich. Aber, müssen wir dann darum zittern, dass Gott seine Wahl einmal bereuen wird und sich neue Gläubige sucht?

Das hat ja Gott schon einmal gemacht. Irgendwann hatte er so die Nase vom Menschen voll, dass er genug hatte. Also ließ er es regnen und es hörte nicht mehr auf. Alle Menschen und Tiere starben, bis auf die, die in der Arche waren. Doch danach gab Gott ein Versprechen: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Gut, dass wir dieses Versprechen haben. Denn im Moment könnte es gut sein, das Gott sich wieder über die Menschen ärgert.

Guter Vater!

Danke für deine Wahl. Amen.

 

Ärger im Paradies (Angie Pfeiffer)

Ich glaube der Boss hatte neulich einen rabenschwarzen Tag. Er war schon länger nicht gut drauf, vielleicht gab es oben Probleme. Davon kriegt man hier unten nicht so viel mit. Jedenfalls finde ich es nicht gut was er getan hat. Alles wegen eines verschrumpelten Apfels.

Das nächste Mal schmeißt er wahrscheinlich alle Vögel raus, wegen Lärmbelästigung!

Warum hat der Boss überhaupt so komische Regeln aufgestellt? Von allen Früchten durften sie essen, warum also sollten es die Früchte von dem einen Baum nicht sein. Die Äpfel sahen nicht einmal besonders lecker aus. Doch kann ich nicht viel dazu sagen, denn ich esse keine vegetarische Kost.

Eva war jedenfalls eine gute Freundin, wir hatten viel Spaß miteinander. Wir haben uns oft getroffen, wenn sie mit ihrer Liste unterwegs war. Sie hat immer genau das gesammelt, was auf der Liste stand. Manchmal fand ich das etwas anstrengend und ziemlich überorganisiert, aber was soll’s. Jedenfalls haben wir uns jedes Mal super gut unterhalten. Manchmal haben wir gerastet, wenn sie ihre Liste abgearbeitet hatte. Doch zum Nachmittag hin ist sie nervös geworden. Dann kam Adam von der Jagd und sie haben zum Abend gekocht. Was die Menschen doch für ein Theater machen. Wenn mir was Leckeres über den Weg läuft, dann schlucke ich es einfach runter. Anschließend lege ich mich gemütlich hin und verdaue.

Eva und ich hatten vor dem Rauswurf eine nette Unterhaltung. Es ging um Apfelkuchen. Sie wollte säuerliche Äpfel verbacken. Da wies ich sie darauf hin, dass die kleinen, verschrumpelten Äpfel an dem einzelnen Baum, der so ziemlich in der Mitte wächst, sehr sauer aussehen. Erst wollte sie nichts davon wissen, weil Adam gesagt hatte, dass der Boss gesagt hatte, dass der Baum verboten sei. Ich erklärte ihr, dass Adam sich bestimmt verhört hätte. Warum sollten die Äpfel von dem einen Baum tabu sein, wenn sie doch alle anderen Äpfel essen durften. Der Boss meinte sicher, dass diese kleinen Dinger nicht besonders lecker sind, wenn man sie roh isst. Wahrscheinlich sind es Kochäpfel. Das überzeugte sie. Die Gute ist ein wenig schlicht, erwähnte ich das?

So hat sie sich erst einmal einen Apfel abgepflückt, zum Probieren. In dem Moment ist Adam vorbeigekommen. Er hatte ein Wildschwein über der Schulter und mir lief das Wasser im Mund zusammen. Ich schlug vor, ihn abbeißen zu lassen, als zweites Urteil, wegen der Säuerlichkeit. Ich hoffte, dass er vielleicht das Schwein ablegen würde, dann hätte ich die Gelegenheit gehabt ... Doch leider behielt er sein Essen über der Schulter, grinste mich gutmütig an. Eva reichte ihm den Apfel, er biss tüchtig hinein und verzog den Mund. Die Frucht muss verdammt sauer gewesen sein. Ich glaube er hatte gar nicht mitgekriegt, dass es sich um eine Frucht vom verbotenen Baum handelte. Kaum hatte er runtergeschluckt, haben beide angefangen, sich ganz komisch anzugucken. Als würden sie zum ersten Mal bemerken, dass sie nichts anhatten außer ihrem mickerigen Fell.

Adam hielt sich das Wildschwein vorne vor, Eva hatte bloß ihre Hände, um sich zu bedecken. Gleichzeitig wurde es ziemlich windig. Die Äste der Bäume peitschten hin und her, so als würden sie wütend drohen.

Weil ich ja nur eine arm- und beinlose Schlange bin, habe ich mich vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Kaum war ich im Unterholz, so hörte ich, wie der Boss durch den Urwald brach. Was der für ein Gezeter gemacht hat, wegen des einen mickerigen Apfels! Ich glaube er ist ein Choleriker, so wie er geschrien hat.

Nun sind Adam und Eva weg und seitdem ist es total langweilig hier. Ich glaube, ich werde mich auf den Weg machen. Irgendwo muss doch der verflixte Ausgang aus diesem langweiligen Paradies sein.

www.e-stories.de/view-kurzgeschichten.phtml?56649

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Veröffentlicht am21. Oktober 2026

In den Neuigkeiten vonTageslosung

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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