Daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi.
Epheser 2, 12+13
Der Epheserbrief tut zwar so als sei er von Paulus, ist er aber nicht. Er ist in der Zeit von 60-100 nach Christus entstanden. Erst ca. 1920 Jahre nach seiner Entstehung ist er verstanden worden und hat Konsequenzen ausgelöst. Die Verse der Tageslosung stellen die beschnittenen Juden neben die nichtbeschnittenen Christen. Erst durch Christus seien die Christen genauso Gott nahegekommen, wie dies schon vorher bei den Juden der Fall war.
Tatsächlich wurde diese Erkenntnis 1980 (!) in unserer Kirche, der evangelischen Kirche im Rheinland, verstanden und trug Konsequenzen. So formulierte die Synode am 11.1.1980 einen Beschluss „zur Erneuerung des Verhältnisses zwischen Christen und Juden“. Die Erwählung des jüdischen Volkes als Gottes Volk sei geblieben. Juden und Christen sind beide in ihrer Berufung Zeugen Gottes. Logischer Weise bedeutete dieser Beschluss das Ende der Judenmission.
Über Jahrhunderte und Jahrtausende wurden Jüdinnen und Juden als „Gottesmörder“ beschimpft. Und diese angebliche „Tatsache“ diente oft als Rechtfertigung für Verfolgung, Misshandlung und Ermordung der Jüdinnen und Juden. Dabei hätte man nur einen Blick in de Bibel werfen müssen, um zu verstehen, dass wir ihre Geschwister sind.
Erst langsam reift auch das Verständnis dafür, dass wir auch mit unseren muslimischen Nachbarn geschwisterlich verbunden sind. Judentum, Christentum und Islam sind so stark miteinander verwandt, so dass wir viele vergleichbare Glaubensinhalte haben und leben. Idioten und Extremisten kennen sowohl Juden als auch Christen als auch Muslime. Sie sind unser gemeinsamer Gegner.
Guter Vater!
Lehre uns Respekt voreinander zu haben, denn alle sind deine Kinder. Amen.
Die Ringparabel (Gotthold Ephraim Lessing)
Ein Mann besitzt ein Familienerbstück, einen Ring, der die Eigenschaft hat, seinen Träger vor Gott und den Menschen angenehm zu machen, wenn der Besitzer ihn in dieser Zuversicht trägt. Dieser Ring wurde über viele Generationen vom Vater an den Sohn vererbt, den er am meisten liebte. Eines Tages tritt der Fall ein, dass ein Vater drei Söhne hat und keinen von ihnen bevorzugen will. Deshalb lässt er sich exakte Kopien des Ringes herstellen und vererbt jedem seiner Söhne einen dieser Ringe.
Nach dem Tode des Vaters ziehen die Söhne vor Gericht, um klären zu lassen, welcher von den drei Ringen der echte sei. Der Richter ist aber außerstande, das zu ermitteln, da sich die Ringe vollends gleichen. So erinnert er die drei Männer daran, dass der echte Ring die Eigenschaft habe, den Träger bei anderen Menschen beliebt zu machen. Wenn dieser Effekt bei keinem eingetreten sei, dann ist der echte Ring wohl verloren gegangen.
Der Richter gibt den Söhnen den Rat, jeder von ihnen solle daran glauben, dass sein Ring der echte sei. Ihr Vater habe alle drei gleich gern gehabt und es deshalb nicht ertragen können, einen von ihnen zu begünstigen und die beiden anderen zu kränken, so wie es die Tradition eigentlich erfordert hätte. Wenn einer der Ringe der echte sei, dann werde sich dies in der Zukunft an der ihm nachgesagten Wirkung zeigen. Demzufolge sollten sich alle Ringträger bemühen, dass dieser Effekt eintritt.
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