Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben.
5. Mose 8,10
„Alle guten Gaben, alles was wir haben, kommt, o Herr, von dir. Wir danken dir dafür.“ Das war das Tischgebet, das wir zuhause gesprochen haben. Es war eine schlichte Selbstverständlichkeit, es zu sprechen. Darin kommt zum Ausdruck, dass wir Gott dafür loben, dass wir von ihm mit allem ausgestattet werden, was wir brauchen.
Dabei laufen wir oft Gefahr, die kleinen Dinge des Lebens bei unserem Dank zu vergessen. Oder es sind nicht die kleinen Dinge, sondern die selbstverständlich vorhandenen Dinge, die wir beim Danken vergessen. Essen ist zum Beispiel so eine Selbstverständlichkeit für uns. Selbst wenn ich von wenig Geld leben muss, kann ich mich doch gescheit und gesund ernähren, wenn ich mir Mühe gebe. Unsere Supermärkte quellen über vor Lebensmitteln. Die gigantische Auswahl erschlägt einen geradezu.
Dabei können sich die Alten noch daran erinnern an Zeiten, in denen Lebensmittel knapp waren. Die Folge waren Lebensmittelkarten, der Schwarzmarkt oder einfach Hunger. Sämtliche Grünflächen wurden mit Kartoffeln angebaut. Man war froh, wenn man etwas zu essen hatte.
Und unsere Welt ist zwiegespalten. Auf der einen Seite gibt es fast genauso viele Menschen mit Adipositas wie auf der anderen Seite Hungernde. Und Abermillionen Menschen leiden an einer gravierenden Mangelernährung. In Namibia z.B. sind Gemüse und Obst für viele nicht erschwinglich.
Der Hunger und die Mangelernährung auf dieser Welt sind eine schallende Ohrfeige für Gott, der diese Welt so geschaffen hat, dass alle genug haben könnten.
Guter Vater!
Danke für das Essen und Trinken. Amen.
Hunger nach dem Krieg: Städter betteln
Kriegsende in Bayern: Wer ein eigenes Feld und eigene Tiere hatte, musste keinen Hunger leiden. In den Städten aber herrschte Not
Ein halber Löffel Zucker, ein fingernagelgroßes Stück Fett, ein Bissen Fleisch, zwei Kartoffeln, eine Prise Kaffeeersatz und ein Schluck Magermilch - das war die Tagesration Lebensmittel, die einem Erwachsenen im Nachkriegsjahr 1946 in München zugewiesen wurde. Die Menschen in den Städten litten Hunger, wie man sich angesichts der kargen Ration gut vorstellen kann. "In den Städten wurde Hunger zur Zentralerfahrung der Nachkriegszeit", sagt Thomas Schlemmer, Historiker am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München.
Glücklich konnte sich dagegen schätzen, wer auf dem Land lebte. Nicht nur, dass die Bevölkerungen von den Zerstörungen durch die Bombenangriffe weitgehend verschont worden war. Auch der Hunger blieb den Landbewohnern zumeist erspart, weil sie ihre Felder bestellen konnten, Kühe im Stall stehen hatten und im Wald ausreichend Brennholz fanden. Und Bayern war am Ende des Zweiten Weltkriegs eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region mit einigen wenigen städtisch-industriellen Zentren.
Diese Agrarstruktur sei sicherlich von Vorteil gewesen, sagt Ferdinand Kramer, Inhaber des Lehrstuhls für Bayerische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Andererseits habe Bayern deshalb auch Lebensmittel in andere Besatzungszonen abgeben müssen -um dafür beispielsweise Kohle aus dem Ruhrgebiet zu bekommen. Um den Menschen in den Städten zu helfen, habe es beispielsweise Appelle der Kirchen gegeben, damit die Landwirte Lebensmittel für die Stadtbewohner zur Verfügung stellten.
Hamsterfahrten haben sich bei vielen Zeitzeugen tief ins Gedächtnis gegraben
Im Gedächtnis vieler Zeitzeugen haben sich die Hamsterfahrten in der Nachkriegszeit eingegraben: Die Städter bettelten draußen auf dem Land um Lebensmittel oder machten Tauschgeschäfte. Die Wünsche waren damals durchaus bescheiden. Um "ein Löffelchen Schmalz" hätten die Menschen aus dem etwa 25 Kilometer entfernten Bayreuth gebeten, wenn sie mit Fahrrädern oder auch zu Fuß in die Fränkische Schweiz gekommen seien, erinnert sich eine heute 89 Jahre alte Zeitzeugin aus dem Landkreis Bayreuth.
Insgesamt habe durch diese Zeit die Landwirtschaft in Bayern einen großen Rückhalt erfahren, der lange nachwirkte, sagt Kramer. Den Menschen sei bewusstgeworden: Selbst wer nur eine kleine Fläche hat, kann darauf zumindest für den Eigenbedarf anbauen und hungert nicht.
Besonders schlecht war die Versorgungslage im "Hungerwinter" 1946/47. Ernteausfälle und eine große Kälte machten der Bevölkerung zu schaffen. Doch als sich dann nach der Währungsreform das Wirtschaftswunder ankündigte, waren die Jahre des Hungerns und Frierens auch in den Städten überwunden.
www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/leben-in-bayern/detailansicht-leben-in-bayern/artikel/hunger-nach-dem-krieg-staedter-betteln.html#topPosition