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Tageslosung 20.10.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Sie haben sich Götter von Gold gemacht. Vergib ihnen doch ihre Sünde.
2. Mose 32, 31+32

Der arme Mose. Er war auf den Berg Sinai hinaufgeklettert und hatte dort mit Gott geredet. Das hatte ganz schön lange gedauert. Und dann bekam er noch zwei schwere Steintafeln mit den Geboten mit, die er nach unten schleppen musste. Doch das Volk hatte das gemacht, was man damals im Altertum machte. Es hatte sich einen Gott gebastelt. Man ging nicht nur zu einem Gott. Doppelt genäht hält besser. Blöd nur, dass sie einen Bund mit Gott eingegangen waren, nur ich anzubeten. Also musste der arme Mose wieder rauf auf den Berg und um Gottes Gnade bitten.

Nun, wir basteln uns heute keine Götterkälber mehr, um vor ihnen niederzuknien und sie anzubeten. Aber wir haben vielleicht andere Sicherheiten als uns ganz auf Gott zu verlassen und auf ihn zu bauen. Zum Beispiel unser Geld. Die Vorstellung keines zu haben oder zu wenig zu haben, löst bei vielen Ängste oder Unwohlsein aus. Wer möchte schon gerne im Alter jeden Cent dreimal umdrehen und nur vom Nötigsten leben? Aber kann mir Geld z.B. auch nur ansatzweise eine solche Sicherheit geben, wie Gott es vermag?

Ja, ein gefülltes Bankkonto und eine gute Rente sind für uns beruhigend. Doch wie schnell können alle Schätze verloren gehen. In unserer Familie haben wir einen Geldschein aus der Zeit der Inflation aufgehoben. Wert: Mehrere Milliarden Reichsmark, ein unvorstellbares Vermögen. Mehr als alle Rockefellers auf der Welt zusammen besaßen. Und was war es wert: Ein Brot.

Ich mag hier nicht der Askese das Wort reden. Ich lebe gerne und genieße gerne. Und doch ist es gut, wenn wir uns ab und zu bewusst werden, dass es Gott ist, der unserem Leben Sicherheit gibt.

Guter Vater!

Danke für die Sicherheit, die du mir gibst. Amen.

 

Der Fels im Sturm

Jonas liebte Zahlen, Statistiken und Schlösser. In seiner Wohnung gab es drei Riegel an der Haustür, eine hochmoderne Alarmanlage und in seinem Ordner stapelten sich Policen für jede erdenkliche Lebenslage: Hausrat, Haftpflicht, Berufsunfähigkeit und eine Krankenzusatzversicherung. Für Jonas war die Welt ein unsicherer Ort, und er tat alles, um die Kontrolle zu behalten. Seine größte Angst war das Unvorhersehbare.

Eines Abends zog ein schweres Unwetter über die Stadt. Der Wind peitschte den Regen gegen die dreifach verglasten Fensterscheiben, und das Holz des Dachstuhls ächzte. Jonas saß auf seinem Sofa, die Arme verschränkt, und spürte eine vertraute Enge in der Brust. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen tanzte sein Herz im Hals.

Plötzlich gab es einen lauten Knall. Der Blitz schlug in den Transformator am Straßenende ein. Mit einem Schlag erloschen die Lampen, das Summen des Kühlschranks verstummte, und die LED-Anzeige der Alarmanlage erlosch. Dunkelheit. Totenstille, bis auf das Tosen des Sturms.

Jonas’ Atem ging flach. Er tastete nach seinem Smartphone, doch das Display blieb schwarz – der Akku war leer. In diesem Moment realisierte er, wie brüchig all seine Barrikaden waren. Ein einziger Blitzeinschlag hatte seine gesamte Kontrollwelt lahmgelegt. Die Angst drohte ihn zu erdrücken.

Er erinnerte sich an seine Großmutter. Wenn es früher gewittert hatte, war sie nie panisch geworden. Sie hatte keine Alarmanlage besessen, oft nicht einmal die Haustür abgeschlossen. Sie hatte immer gesagt: „Jonas, die Welt kann dir keine Garantien geben. Aber Gott gibt Sicherheit. Er ist eine feste Burg, die kein Sturm einreißen kann“. Als Kind hatte er das für ein naives Märchen gehalten. Jetzt, in der kalten Dunkelheit, klangen die Worte anders.

Ohne genau zu wissen warum, schloss Jonas die Augen. Er versuchte nicht mehr, das Knacken des Hauses zu analysieren oder zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Dachschadens war. Stattdessen sprach er im Stillen die Worte aus, die er seit seiner Kindheit nicht mehr benutzt hatte: „Gott, wenn du da bist... ich schaffe das gerade nicht allein. Gib mir Halt“.

Es passierte kein Wunder. Das Licht ging nicht wieder an, und der Sturm da draußen heulte unvermindert weiter. Aber etwas im Inneren von Jonas veränderte sich. Ein tiefes, warmes Gefühl der Ruhe breitete sich aus. Der Zwang, alles kontrollieren zu müssen, wich einem Gefühl des Loslassens. Er verstand plötzlich, dass wahre Sicherheit nicht bedeutete, dass keine Stürme kamen – sondern zu wissen, dass man in ihnen nicht allein war.

Als der Morgen graute und die ersten Sonnenstrahlen durch die Jalousien brachen, wachte Jonas auf dem Sofa auf. Er hatte geschlafen. Fest und ruhig. Das Gewitter war abgezogen.

Er stand auf, ging an den Fenstern vorbei, ohne wie sonst als Erstes nach Schäden zu suchen, und öffnete die Haustür. Er atmete die frische, reingewaschene Morgenluft ein. Seine Versicherungen hatte er immer noch, und die Alarmanlage würde er auch wieder einschalten. Aber der unsichtbare Riegel vor seiner Angst war ein anderer geworden. Er lächelte in den Morgen hinein. Er fühlte sich sicher.

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Veröffentlicht am19. Oktober 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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