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Tageslosung 2.9.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Er sagt zu euch: »Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an!«
Sacharja 2,12

Mir fallen dabei sofort zwei Redewendungen ein: „Jemanden wie seinen Augapfel hüten“ Das bedeutet: Jemanden oder etwas besonders sorgfältig beschützen. Und das zweite: „Der Augapfel des Vaters / der Mutter sein.“ Das bedeutet: Das besonders geliebte oder bevorzugte Kind zu sein. Der Augapfel steht hier für etwas, dass sehr wertvoll ist. So muss das Auge als empfindliches Organ besonders geschützt werden. Gott also erklärt durch den Propheten Sacharja seinem Volk: „Du, Israel, bist für mich sehr wertvoll.“ Durch Jesus Christus geschieht dann etwas ganz Wichtiges, etwas Neues. Israel bleibt der Augapfel Gottes. Aber andere Völker und Menschen, ja alle Völker und Menschen werden mit hineingenommen.

Wann hat Ihnen oder Dir jemand zuletzt gesagt, dass Du für ihn oder sie, dass Sie für ihn oder sie wichtig sind, wertvoll sind? Das gehört zu den wenigen Sternstunden des Lebens. Wenn uns das jemand sagt, dann blühen wir auf, werden mindestens 10 cm innerlich größer. Eltern sagen das den Kindern und umgekehrt. Freundinnen und Freunde sagen es einander. Und jedes Mal ist es etwas Besonderes.

Heute ist so ein besonderer Moment. Gott sagt: „Du bist mein Augapfel. Genau du bist wertvoll für mich. Ich passe genau auf dich auf!“ Ich finde das klingt einfach nur schön. Da wird nicht relativiert (ich mag das allermeiste an dir) und es wird auch nichts erwartet (dadurch, dass du das für mich getan hast, bist du für mich …). Es wird mir und dir und Ihnen einfach so geschenkt. Es wird uns geschenkt, damit wir mit diesem Rückenwind gut leben können, das Leben gestalten können, mit Mut und Kraft.  

Guter Vater!

Du beschenkst mich immer wieder ganz reich. Danke. Amen.

 

Der Augapfel

Mara saß allein auf der Bank vor dem alten Gemeindehaus. Seit Wochen fühlte sie sich übersehen. In der Schule machten sich einige Mitschüler über sie lustig. Wenn sie den Klassenraum betrat, senkte sie den Blick. In den Pausen stellte sie sich abseits. Sie wollte nur noch möglichst wenig auffallen.

Eines Tages fand sie auf dem Heimweg einen verletzten Vogel. Vorsichtig nahm sie ihn in ihre Hände und brachte ihn zu einem Tierarzt. „Schön, dass du den Vogel hierhergebracht hast. So hast du ihm sehr geholfen.“ „Ich habe ihn doch nur aufgehoben.“ „Du hast dich um ihn gekümmert.“

Als Mara hinausging las sie ein Schild an der Wand im Wartezimmer. Alle Tiere und Menschen sind Gottes geliebte Wesen. Auch du und dein Tier! So wertvoll sieht Gott mich? dachte sich Maja.

Am nächsten Morgen geschah wieder das Gleiche. Als Mara das Klassenzimmer betrat, rief jemand: „Na, da kommt ja wieder unser Mauerblümchen!“

Früher hätte Mara geschwiegen und sich auf ihren Platz gesetzt. Diesmal blieb sie stehen.

Ihr Herz klopfte heftig. Aber sie hob den Kopf und sagte ruhig:

„Das ist nicht in Ordnung.“

Für einen Moment war es still.

Mara setzte sich. Ihre Hände zitterten noch. Aber sie merkte: Sie hatte sich nicht versteckt.

In der Pause sah sie, wie ein neues Mädchen allein am Rand des Schulhofs stand. Mara kannte dieses Gefühl nur zu gut. Sie ging zu ihr.

„Willst du mit mir kommen?“, fragte sie.

Das Mädchen lächelte erleichtert.

Von diesem Tag an veränderte sich Mara Schritt für Schritt. Sie ging nicht mehr jedem Blick aus dem Weg. Wenn jemand sie verletzte, sagte sie etwas oder holte Hilfe. Sie erzählte ihrer Lehrerin, was in der Klasse geschah, und sprach auch mit ihren Eltern darüber.

Und sie begann, andere wahrzunehmen, die ebenfalls allein waren.

Die Hänseleien hörten nicht sofort auf. Aber Mara hatte aufgehört, sich selbst für wertlos zu halten.

Wenn sie Angst bekam, erinnerte sie sich an den Spruch im Wartezimmer des Tierarztes:

Alle Tiere und Menschen sind Gottes geliebte Wesen. Auch du und dein Tier!

Und genau deshalb konnte Mara nun auch anfangen, anderen zu zeigen, dass sie ebenfalls nicht vergessen und nicht wertlos sind.

Info

Veröffentlicht am1. September 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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