Ach HERR, du mächtiger Gott, vernichte doch nicht dein Volk, dein Eigentum, das du in deiner großen Macht aus dem Sklavendienst befreit und mit starker Hand aus Ägypten herausgeführt hast!
5. Mose 9,26
Mose ist nun ein ausgesprochen mutiger, schlauer und geschickter Mann. Anders hätte er dieses widerspenstige Volk Israel auch nicht durch die Wüste bekommen. Dauernd waren sie am Meckern. Dauernd beklagten sie sich. Alles schlimm, aber nichts im Gegensatz zu dem, was dann folgte. Die Israeliten bastelten sich aus Gold einen eigenen Gott, ein goldenes Kalb. Dieses beteten sie an. Nun hat Gott die Nase voll. Er beschließt, sein Volk zu vernichten.
Jetzt ist Mose klar: Es geht ums Ganze. Und er ist geschickt und schlau. 40 Tage lang betet er zu Gott. Unter anderem erinnert er diesen daran, dass Abraham, Isaak und Jakob immer treu waren. Und er lockt die Eitelkeit Gottes, indem er sagt: „Du willst doch wohl nicht, dass die Ägypter sagen, dass du nicht mal dein Volk durch die Wüste bringen kannst!“ Auf jeden Fall hat Mose Erfolg. Gott rückt von seinem Vernichtungsplan ab.
Man kann mit Gott verhandeln. Dabei gibt es wohl Dinge, die eher zum Schmunzeln sind, aber auch wirklich wichtige Sachen. „Wenn ich Morgen in Mathe eine vier schreibe ...“ bringt uns eher zum Schmunzeln. Dagegen würde uns ein Satz wie „Nimm doch mich Gott, ich bin alt, nimm nicht meinen Sohn …“ uns stark betreffen.
Das Gute aber ist: Wir können mit Gott verhandeln. Wir können ihn bitten, flehen, meckern, toben, schreien, flüstern, denken, anklagen – alles das hält Gott aus. Gott will eine lebendige Beziehung zu uns Menschen und dann gehört das genau dazu. Ich brauche mich dabei nicht zu verstecken, sondern kann genau das sagen, was ich gerade denke und fühle.
Guter Vater!
Danke, dass du mich hörst. Amen.
Verhandeln mit Gott (Franz Brunner)
Ist’s eine Marotte, bewährtes Erfolgsrezept oder lediglich sinnbefreiter Zeitvertreib, egal, ich hab’s immer so gemacht. Auf schwierige Gespräche oder solche, die mir unangenehm waren, habe ich mich stets vorbereitet. Meist sogar in lauten Selbstgesprächen, weshalb ich es vorzog, diese im tiefen Wald bei einem Spaziergang oder am Ufer eines laut rauschenden Flusses zu führen, um so einer Zwangseinweisung in eine Heilanstalt zu entgehen. In meiner Heimatstadt ist vom Spaziergang bis zur Einweisung alles möglich, sie ist da unberechenbar wie ich selbst ebenfalls bin.
Selten ging’s dabei um wirklich viel, und genauso selten fand die erlösende Aussprache dann auch wirklich statt. Oft war der vorangegangene Konflikt gar keiner oder nicht bedeutend genug, dass es zu einem verbalen Duell kam. Einerlei, ich wollte darauf vorbereitet sein, denn es hätte ja durchaus sein können, dass ….
Meine Vorsicht zieht allerdings weitere Kreise. Ob es diesen einen Gott oder einen anderen gibt oder nicht, ob ich um meinen Einlass ins Paradies oder um eine allfällige Wiedergeburt verhandeln muss oder nicht, ich möchte für jeden Fall vorbereitet sein. Was weiß er denn, der Schöpfer, was weiß er wirklich von mir? Sollte er tatsächlich am himmlischen Beobachtungsposten sitzen und eine Liste über meine Verfehlungen führen? Oder ist er so fair, auch meine seltenen Pluspunkte wohlwollend zu registrieren?
Ich gehe zunächst einmal vom Worst-Case-Szenario aus: Es gibt irgendeinen Gott, er weiß alles und ist hauptsächlich auf meine Missetaten fixiert. Und davon gibt’s leider mehr als mir lieb wäre, ich war da wenig vorausschauend. Also eine schwierige Verhandlungssituation, die besondere Raffinesse meinerseits verlangt.
Ich gestalte die Vorbereitung meist als Rollenspiel und übernehme schlauerweise beide Rollen, die göttliche wie auch die irdische. Zum einen, weil ich mich ja am besten kenne, und zum anderen, weil ich keine Zeugen dabeihaben will, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere und hemmungslos mein tiefstes Inneres ausschütte.
Gestern z. B., da habe ich wieder gebeichtet. Nichts wirklich Großes, aber nachdem auch steter Tropfen den Stein höhlt, habe ich gestanden: Nach fast 4 Wochen Enthaltsamkeit gelüstet mich nach Weizenbier und Schokolade, wobei ich ersterem Verlangen widerstehen konnte, bei der Schokolade hat der innere Schweinehund nach zähem Ringen gesiegt.
Wussten Sie, dass es Swedy, diese kleinen grünen mit Erdnusscreme gefüllten Riegel, neuerdings sogar als Schokolade in Rippen gibt? Statt 20 Gramm je Riegel gibt’s jetzt satte 88 Gramm je Tafel, ein großer (Kalorien)Gewinn, der natürlich nicht umsonst zu kriegen ist.
Der Vorteil: Wenn ich zu Hause beichte, ein Swedy vernascht zu haben, sieht meine Beichtstelle in Unkenntnis des Marktes den kleinen Riegel vor sich. Sie ist dann voll des Lobes über meine Bescheidenheit, ich hingegen gehe ziehe mich still zurück, um mir vom lieben Gott die Absolution zu holen.
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