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Tageslosung 2.6.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Du bist zu dem Gott Israels gekommen, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.
Ruth 2,12

Welch eine wunderbare Geschichte. Eine Frau zieht mit zwei Söhnen und den ausländischen Schwiegertöchtern zusammen. Die beiden Söhne sterben. Da bietet die Frau mit dem Namen Noomi ihren Schwiegertöchtern an, dass diese wieder in ihre Heimat zurückgehen. Die eine geht, die andere mit Namen Ruth bleibt bei ihr. Die beiden schlagen sich durch bis sich Ruth und ein reicher Bauer verlieben sich und heiraten. Die Frauen sind gerettet.

Zuflucht haben unter den Flügeln. Ich mag dieses Bild aus zweierlei Gründen sehr gerne. Zum einen ist es zumeist die Vogelmutter, die über ihre Jungen wacht. Dass Gott mit einer Mutter verglichen wird – und nicht „nur“ mit einem Vater – finde ich richtig gut.

Zum anderen Ist es ein sehr zärtliches Bild. Sanft schiebt die Vogelmutter ihren Nachwuchs unter das Gefieder, nachdem sie viele Tage lang gebrütet hat. Sie selbst verlässt die Eier und die Küken nicht. Erst wenn sie flügge geworden sind, versorgt sie sich wieder selbst.

Dass Gott mehr ist als Mann oder Frau ist so glaube ich allen klar. Aber gerade die mütterliche Seite Gottes ist oft nicht im Bewusstsein. Und auch die zärtliche Seite verschwindet oft hinter dem drohenden großen und gewaltigen Gott. Dabei brauche ich ganz oft den Gott, an dem ich mich auch ankuscheln kann. Ich brauche die Zärtlichkeit Gottes. In ihr sehe ich die Liebe Gottes und das Interesse Gottes auch für die wirklich kleinen und winzigen Dinge. Und wenn ich mich gerade mal wieder winzig fühle, dann tut es gut zu wissen, dass ich bei Gott nicht verloren gehe. Dann kann ich einfach Gottes Zärtlichkeit genießen und mich in ihr fallen lassen.

Guter Vater!

Danke für deine Liebe zu den Kleinen. Amen.

 

Die warme Hand

Es war ein kalter Novemberabend. Der Regen fiel in feinen Schleiern, und Anna saß allein auf einer Bank im Park. Der Tag war schwer gewesen. Ein Streit mit ihrer Schwester, Sorgen um die Arbeit und die nagende Frage, ob irgendjemand wirklich bemerkte, wie es ihr ging.

Sie zog den Mantel enger um sich und starrte auf die nassen Blätter zu ihren Füßen.

Da setzte sich eine alte Frau neben sie. Sie sagte kein Wort. Einen Moment lang saßen beide schweigend da und hörten dem Regen zu.

Nach einer Weile fragte die Frau: „Schwerer Tag?“

Anna nickte nur.

Die alte Frau lächelte sanft. „Manchmal braucht das Herz keine Antworten. Manchmal braucht es nur jemanden, der bei ihm bleibt.“

Dann nahm sie Annas kalte Hand zwischen ihre beiden warmen Hände. Es war eine kleine Geste, kaum mehr als eine Berührung. Doch in diesem Augenblick spürte Anna, wie etwas in ihr weich wurde. Der Knoten aus Angst und Einsamkeit löste sich nicht vollständig auf, aber er wurde leichter.

Sie saßen noch eine Weile zusammen. Schließlich stand die Frau auf.

„Vergiss nicht“, sagte sie, „Gott kommt oft leise. Nicht immer als Wunder. Manchmal nur als warme Hand zur richtigen Zeit.“

Bevor Anna etwas erwidern konnte, ging die Frau davon.

Auf dem Heimweg dachte Anna über diese Worte nach. Der Regen hatte aufgehört, und zwischen den Wolken zeigte sich ein Streifen Abendhimmel. Sie wusste nicht, wer die Frau gewesen war. Aber sie wusste, was sie erlebt hatte: Mitten in ihrer Traurigkeit hatte sie sich gesehen, gehalten und getröstet gefühlt.

Da verstand sie etwas von Gottes Zärtlichkeit.

Sie ist nicht laut. Sie drängt sich nicht auf. Sie kommt wie eine warme Hand an einem kalten Abend und erinnert uns daran, dass wir niemals allein sind.

 

Info

Veröffentlicht am1. Juni 2026

In den Neuigkeiten vonTageslosung

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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