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Tageslosung 19.10.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, dass man aus seinem Munde Weisung suche; denn er ist ein Bote des HERRN Zebaoth.
Maleachi 2,7

Zwei Gedanken gehen mir durch den Kopf.

Ich erinnere mich an eine intensive Diskussion, die ich vor einiger Zet geführt habe. Es ging darum, ob Pfarrerinnen und Pfarrer sich in politische Diskussionen einmischen sollten und ob sie öffentlich ihre Meinung äußern sollten. Mein Gegenüber war der Meinung, dass das nicht zum Aufgabengebiet eines Pfarrers, einer Pfarrerin gehören sollte. Ich dagegen fand es ausgeschlossen, dass man sich als Geistliche(r) nicht äußern sollte. Manchmal gehört es einfach dazu. Ein Beispiel: Vor vielen Jahren kamen immer wieder im Winter Obdachlose zu uns. Bei der Frage, warum sie nicht in eine Unterkunft gingen in der Nacht, lachten sie und sagten: „Pfarrer warst du mal da? Wenn ja würdest du uns verstehen.“ Also fuhr ich in den Derendorfer Weg, in dem damals die Obdachlosenunterkunft untergebracht war. Was ich vorfand, war schlicht menschenunwürdig, dreckig, kaputt, verachtend. Ich hätte dort auch keine einzige Nacht verbringen wollen. Also schrieb ich am nächsten Morgen an alle Fraktionen im Neusser Rat und bat sie, Abhilfe zu schaffen, machte mich sozusagen zum Fürsprecher der Obdachlosen. Eine ganze Zeit später wurde eine neue Einrichtung eingeweiht.

Wenn man bei dem und der Geistlichen Weisung sucht und sie im Auftrag Gottes sprechen und handeln, dann ist es eine absolute Katastrophe, wenn Geistliche an sexuellen Übergriffen und Missbrauch beteiligt sind. Ausgerechnet die, die im Namen Gottes reden und handeln sollen, zerstören junge Seelen für ihr Leben lang. Jedes Mal wenn ich davon höre, bin ich einfach zutiefst beschämt und könnte Rotz und Wasser heulen.

Guter Vater!

Weise mir meinen Weg, Herr. Amen.

 

Studie: Ausmaß des sexuellen Missbrauchs in Kirchen deutlich höher

Das Ausmaß sexuellen Missbrauchs in beiden großen Kirchen in Deutschland ist einer neuen Studie zufolge wahrscheinlich deutlich höher als bislang angenommen.

Es sei von etwa 114.000 Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester und noch einmal so vielen durch Pfarrer und Mitarbeiter in evangelischen Kirchen auszugehen, heißt es in der Untersuchung der Universität Ulm, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte die Tageszeitung "Die Welt" (Dienstag) über die Studie berichtet.

Wissenschaftler um den Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, Jörg Fegert, rechneten 2018 eine repräsentative Umfrage auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland hoch. Dabei kamen sie auf bis zu 30 Mal so hohe Zahlen wie die Missbrauchsstudie der deutschen katholischen Bischöfe.

"Der Skandal ist, wie wir als Kirche mit Betroffenen umgegangen sind"

Ende September hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz ihre in Auftrag gegebene Studie über den tausendfachen Missbrauch von Minderjährigen vorgestellt. Über vier Jahre hatten Wissenschaftler Tausende Personal- und Handakten aus den Archiven der Diözesen untersuchen lassen. Danach erfassten sie zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 Opfer sexuellen Missbrauchs. 1.670 Kleriker sind der Taten beschuldigt. Schon damals schätzten Wissenschaftler die Dunkelziffer wesentlich höher.

In der Studie "Sexuelle Gewalt durch Seelsorger und in kirchlichen Institutionen" (März 2019) heißt es in der Zusammenfassung: "Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren kann schätzungsweise von ca. 114 Tausend Betroffenen ausgegangen werden." Schätzungen zufolge seien "zwischen 28.592 und 228.736 Personen betroffen". Die Studie soll demnächst im renommierten Londoner "Journal of Child Sexual Abuse" erscheinen.

Die Quotenstichprobe für die Studie umfasst laut den Autoren insgesamt 2.516 Personen, von denen 45,5 Prozent männlich und 54,5 Prozent weiblich sind. Das Durchschnittsalter liege bei 48,0 Jahren. Vier Personen (0,16 Prozent) gaben dabei an, in einer Einrichtung der katholischen Kirche missbraucht worden zu sein, ebenso viele in einer Einrichtung der evangelischen.

Im Vergleich mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Freizeitbereich sei die geschätzte Zahl der Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch einen Priester in einer katholischen Einrichtung etwas höher als die geschätzte Zahl der Betroffenen sexuellen Missbrauch durch Musiklehrer (ca. 85.800 Personen) und etwas geringer als die geschätzte Anzahl der Betroffenen sexuellen Missbrauchs im sportlichen Kontext (ca. 200.000 Personen), hieß es in der Studie weiter. Im Vergleich zur geschätzten Anzahl Betroffener im schulischen Kontext (ca. 1.000.000 Personen) seien die Zahlen deutlich geringer.

Die Studie aus Ulm liefere erstmals einen Einblick in das Dunkelfeld, also auch der nicht angezeigten und registrierten Fälle, hieß es weiter. "Damit lässt sich nun das wahre Ausmaß des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in den Kirchen besser einschätzen", sagte Studienleiter Fegert der "Welt". Er hoffe, dass die deutschen Bischöfe bei ihrer bis Donnerstag im niedersächsischen Lingen tagenden Frühjahrsvollversammlung sich "der tatsächlichen Dimension des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger nun endlich stellen". Um einen noch tieferen Einblick zu gewinnen, "wäre es sinnvoll, eine breit angelegte Befragung zum Dunkelfeld am besten zusammen mit der evangelischen Kirche in Auftrag zu geben?, sagte Fegert der Zeitung weiter.

www.evangelisch.de/inhalte/155443/12-03-2019/studie-ausmass-des-sexuellen-missbrauchs-kirchen-deutlich-hoeher

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Veröffentlicht am18. Oktober 2026

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Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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