Wer den HERRN fürchtet, hat eine sichere Festung.
Sprüche 14,26
Als Student arbeitete ich als Hilfs-Nachtportier auf der Godesburg in Bonn Bad Godesberg. Dort waren ein Hotel und ein Restaurant in die Ruinen der alten Godesburg gebaut worden. Die Küche z.B. war umgeben von ca. 6 Meter dicken Mauern, die alle noch aus dem Mittelalter stammten. In der Mitte stand noch der Burgfried. Man konnte noch sehr genau erahnen, wieviel Schutz die Burg früher gewährleistet hat.
Das Buch der Sprüche nimmt das Bild einer Festung, sprich einer Burg auf. Unser Satz geht sogar noch weiter „ …, und auch seine Kinder werden beschirmt.“ Gott also gibt nicht nur Schutz für einen selber, sondern auch für das, was einem am allermeisten am Herzen liegt, seine Kinder. Wer von uns würde nicht wirklich alles tun, um seine Kinder zu beschützen?
Und im Mittelalter war es so: bei Gefahr flohen die BewohnerInnen eines Landstrichs in die nahe Burg. Wenn Feinde das Land bedrohten und belagerten, dann war die Burg der letzte Zufluchtsort. So verfügten Burgen meist über eine eigene Wasserversorgung, Vorräte und die Möglichkeit, sich auf viele Weisen zu verteidigen. Manche Belagerung dauerte Monate und Jahre und wurde irgendwann erfolglos abgebrochen.
Gott will für dich, mich und Sie der letzte Zufluchtsort sein. Wenn vieles uns bedroht und uns Angst macht, dann ist Gott für uns eine sichere Burg. Von Gott kann mich niemand wegnehmen. Von Gottes Seite kann mich niemand reißen. Das kann ich nur selbst. So sagt es Paulus mit seinen eigenen Worten: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, nicht Großes oder Kleines, nichts Vergangenes, nichts Gegenwärtiges, nichts Zukünftiges. Nichts hat die Kraft, die Gottes Liebe hat.
Guter Vater!
Ich berge mich in deinem Schutz. Amen.
Der Schutz der Burg
Vor langer Zeit stand auf einem hohen Hügel eine große Burg. Ihre dicken Steinmauern waren so stark, dass sie schon viele Stürme überstanden hatten. Vier hohe Türme ragten in den Himmel, und rund um die Burg verlief ein tiefer Graben. In der Burg lebten der Burgherr, seine Familie, viele Ritter, Handwerker, Händler und Bauern. Sie alle fühlten sich dort sicher.
Eines Morgens ritt ein Bote mit seinem Pferd durch das Burgtor. Er war außer Atem und brachte wichtige Nachrichten. „Eine fremde Armee nähert sich von Osten!“, rief er. Sofort wurde die Burg in Alarmbereitschaft versetzt.
Der Burgherr versammelte alle Bewohner auf dem Burghof. „Wir dürfen keine Angst haben“, sagte er. „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir unsere Burg schützen.“
Die Ritter begannen sofort mit den Vorbereitungen. Sie schärften ihre Schwerter, reparierten ihre Schilde und überprüften ihre Rüstungen. Die Bogenschützen übten auf dem Übungsplatz, damit sie ihre Pfeile besonders genau abschießen konnten.
Auch die Handwerker hatten viel zu tun. Die Schmiede stellten neue Eisenbeschläge für das Burgtor her. Die Zimmerleute verstärkten die Zugbrücke und reparierten beschädigte Holzbalken. Die Steinmetze kontrollierten die Mauern und besserten kleine Risse aus.
Die Bauern brachten Vorräte in die Burg. Säcke voller Getreide, Fässer mit Wasser und Körbe mit Gemüse wurden in den Lagerräumen gestapelt. Niemand wusste, wie lange die Gefahr dauern würde, deshalb musste genügend Nahrung vorhanden sein.
Nach einigen Tagen erschienen die feindlichen Soldaten am Horizont. Ihre Fahnen flatterten im Wind, und das Klirren ihrer Waffen war schon von weitem zu hören. Als sie näher kamen, wurde die Zugbrücke hochgezogen und das schwere Burgtor geschlossen.
Die Angreifer versuchten zunächst, die Burg einzuschüchtern. Doch die Bewohner blieben ruhig. Als die Feinde Leitern an die Mauern stellten, verteidigten die Ritter und Bogenschützen die Burg entschlossen. Die Verteidiger arbeiteten Hand in Hand. Während die Wachen die Mauern sicherten, brachten andere neue Pfeile und Vorräte heran.
Tag für Tag dauerte die Belagerung an. Doch die Burg war gut vorbereitet. Die Vorräte reichten aus, und die Bewohner unterstützten sich gegenseitig. Niemand wurde allein gelassen. Selbst die Kinder halfen, indem sie Wasser zu den Wachen brachten oder kleine Besorgungen erledigten.
Eines Nachts zog ein schweres Gewitter über das Land. Regen und starker Wind erschwerten den Angreifern ihr Lagerleben. Die Verteidiger der Burg blieben dagegen sicher hinter den starken Mauern. Am nächsten Morgen bemerkten die Wachen, dass viele Zelte der feindlichen Armee beschädigt worden waren.
Nach mehreren Wochen verloren die Angreifer schließlich den Mut. Sie hatten erkannt, dass die Burg zu gut geschützt war. Langsam packten sie ihre Sachen zusammen und zogen davon.
Als die letzte feindliche Fahne hinter den Hügeln verschwunden war, brach auf der Burg großer Jubel aus. Die Glocken läuteten, und die Menschen versammelten sich auf dem Burghof. Der Burgherr dankte allen für ihren Einsatz.
„Diese Burg wurde nicht nur durch Stein und Eisen geschützt“, sagte er. „Sie wurde durch Mut, Zusammenhalt und gegenseitige Hilfe verteidigt.“
Die Bewohner waren stolz. Sie hatten gelernt, dass man selbst große Herausforderungen meistern kann, wenn man zusammenhält. Von diesem Tag an lebten sie wieder friedlich auf ihrer Burg und erzählten noch viele Jahre lang die Geschichte von ihrem erfolgreichen Schutz der Burg.