Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
1. Petrus 5,5
Ein Dialog in der Schule: „Wenn ich jemanden schubse und mich dann entschuldige, gilt das?“ „Ja, das gilt.“ „Und wenn ich es direkt noch mal wieder mache?“ „Dann gilt es nicht. Denn: Entschuldigung bedeutet, du versuchst, den gleichen Fehler nicht noch einmal zu machen.“
Ja, Gott schenkt Gnade und Vergebung. Aber es sind keine billige Gnade oder Vergebung, die Gott schenkt. Sie sind direkt verbunden mit dem Verhalten des Menschen. Die billige Gnade bestände daraus, einfach auf Gottes Vergebung zu setzen und sich null um eine Änderung des Verhaltens zu bemühen. Gnade ohne Reue gibt es nicht. Eine erwartete Gnade gibt es nicht. Gott lässt sich nicht hinters Licht führen.
Allerdings heißt dies nun nicht, dass wir keine Fehler wiederholen dürfen. Das menschliche Denken und Handeln ist leider sehr oft davon geprägt, dass wir immer wieder in die gleichen Fallen und Verhaltensmuster zurückfallen. Dies kann passieren, auch wenn wir uns ernsthaft um ein anderes neues Verhalten bemühen. Dann vergibt Gott Fehler auch mehrfach und immer wieder. Denn dann ist es keine billige Gande mehr.
Das übrigens kennen wir auch aus unserem eigenen Leben. Wenn der Nachbar zum 20. Mal ein Ei schnorrt und Stein und Bein schwört, es wiederzugeben, was er allerdings nie tut, dann glauben wir ihm auch längst nicht mehr. Ob er dann das nächste Mal ein Ei bekommt?
Na, welche Fallen und Verhaltensmuster fallen Ihnen / Dir gerade ein? Übrigens auch die kann man ändern, allerdings mit deutlich mehr Aufwand.
Guter Vater!
Hilf mir bitte, dass ich glaubwürdig bleibe. Amen.
Es ist nie zu spät (Elke Bräunling)
Wieder war ein Jahr ins Land gezogen, und sie spürte, dass ihr die Wechsel der Jahreszeiten nicht mehr so leicht fiel wie früher. Ja, selbst jeder Wetterwechsel machte ihr immer mehr zu schaffen. Der Kreislauf! Und auch ein bisschen das angeknackste Nervensystem.
„Die Psyche“, knurrte sie und verzog das Gesicht widerwillig zu einer Grimasse. „Besser, ich nenne das Kind beim Namen.“
Endlich. Diese Freiheit, mit sich selbst und mit ihrer Umgebung offen umzugehen, Schwächen zuzugeben, war auch ein Tribut des Älterwerdens. Wem musste sie sich beweisen? Viel leichter lebte es sich mit der Wahrheit. Und um ganz ehrlich zu sein: diese seelischen Hoch und Tiefs hatten ihr Leben schon immer begleitet. Nur ist es ein Unterschied, jene Empfindlichkeiten mit zusammengebissenen Zähnen zu ertragen und sie anderen gegenüber zu verschweigen – oder sie schlicht zuzulassen.
Im Rückblick musste sie sich, sehr zu ihrer Verwunderung übrigens, eingestehen, dass sie heute viel besser mit sich zurechtkam. Und mitnichten war dies eine Frage des Alters. Eher die der Weisheit.
Eine späte Weisheit? Sie haderte manchmal mit sich. Aber nein. Spät sind Erkenntnisse erst dann, wenn sie das Leben nicht mehr zu verändern vermögen.
„Zu spät?“, murmelte sie und hielt ihr Gesicht den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen. „Jeder Tag, den man mit einem „zu spät“ verbringt, ist ein vergeudeter, ein nicht gelebter Tag. Also …?“
Sie lächelte und öffnete die Tür, die aus der Küche in einen kleinen Hof führte. „Es ist nie zu spät.“
Zu nichts ist es zu spät, auch wenn manche Schritte, dieses „zu spät“ in ein „Es fühlt sich richtig an, so wie es nun ist“ zu verwandeln, zunächst Zweifel, Ängste und Veränderungen bedeuten. Doch wer nicht wagt …
Sie überquerte den Hof und klopfte an die Tür des angrenzenden Hauses, das einmal eine Scheune gewesen war, öffnete sie.
„Lust auf einen Espresso?“, rief sie in die gemütliche, ländlich eingerichtete Wohndiele.
„Immer. Bin gleich da“, antwortete von irgendwoher eine Stimme.
Sie lächelte wieder.
Wie viele Jahre hatte sie diese Szene geträumt und deren Umsetzung in die Realität mit einem „Das geht nicht“ und dem obligatorischen „zu spät“ verworfen? Zu viele. Doch es war noch nicht zu spät, und dieses Wissen fühlte sich gut an …
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