Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.
Psalm 85, 10+11
Wenn Gegensätze zusammenfinden. Was für ein wunderbares Bild zeichnet dieser Psalm! Güte und Treue begegnen sich, Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Was auf den ersten Blick wie Gegensätze erscheinen mag, findet bei Gott zusammen.
Wir erleben oft eine andere Wirklichkeit. Menschen sehnen sich nach Frieden, doch es fehlt an Gerechtigkeit. Wir wünschen uns Ehrlichkeit, aber manchmal fällt es schwer, die Wahrheit auszusprechen. Wir wollen barmherzig sein, doch zugleich möchten wir, dass Recht geschieht.
Gott zeigt uns einen Weg, auf dem diese Dinge nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen. Seine Güte ist keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Unrecht. Seine Wahrheit ist nicht lieblos. Seine Gerechtigkeit dient nicht der Vergeltung, sondern eröffnet Wege zum Frieden.
Der Psalm beginnt mit einer ermutigenden Zusage: Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn ehren. Das bedeutet nicht, dass alle Schwierigkeiten sofort verschwinden. Es bedeutet vielmehr, dass wir in unseren Fragen, Sorgen und Konflikten nicht allein sind. Gott bleibt uns nahe. Er schenkt Orientierung, wenn wir nicht weiterwissen, und Hoffnung, wenn die Welt um uns herum unversöhnlich erscheint.
Vielleicht gibt es auch in unserem Leben einen Menschen, mit dem wir uns versöhnen sollten. Vielleicht müssen wir eine Wahrheit aussprechen, die wir bisher vermieden haben. Vielleicht brauchen wir selbst Vergebung oder sehnen uns danach, dass jemand uns mit Güte begegnet.
Guter Vater!
Danke, dass deine Hilfe nahe ist und du uns nicht allein lässt. Danke für deine Güte, deine Treue und deine Gerechtigkeit. Amen.
Die zerbrochene Tasse
Zwei Nachbarn gerieten eines Tages in Streit. Beim Spielen hatte der Junge des einen Nachbarn eine wertvolle Tasse des anderen zerbrochen. Aus Angst verschwieg er es zunächst. Als die Wahrheit ans Licht kam, war der Besitzer der Tasse sehr enttäuscht.
Der Vater des Jungen sagte zu seinem Sohn: „Du musst die Wahrheit sagen und dich entschuldigen. Auch wenn es schwerfällt.“
Der Junge ging zum Nachbarn und sagte mit gesenktem Kopf: „Es tut mir leid. Ich habe deine Tasse zerbrochen und es zuerst verschwiegen.“
Der Nachbar schwieg einen Moment. Dann antwortete er: „Die Tasse ist zerbrochen, und dein Verschweigen hat mich verletzt. Aber ich schätze deinen Mut, jetzt ehrlich zu sein. Ich vergebe dir.“
Gemeinsam kehrten sie die Scherben auf. Später tranken sie miteinander Kaffee – aus einer anderen Tasse.
Der Junge lächelte. Er hatte verstanden: Ehrlichkeit machte seinen Fehler nicht ungeschehen, aber sie öffnete die Tür zur Versöhnung.