Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist.
Sacharja 8,23
Gegen Ende des Alten Testaments, also in den jüngeren Schriften und Überarbeitungen, verändert sich die Sicht auf Gott. Es ist nicht mehr „nur“ der Gott Israels, sondern dieser Gott wird zum Gott der Völker. Und so beschreibt der Prophet Sacharja eine Vision, dass zehn verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen einen jüdischen Mann ergreifen und ihm den Satz der Tageslosung sagen. Der Glauben des Menschen erscheint ihnen als attraktiv und ebenso seine Verbindung mit Gott.
Ich erinnere mich an meine Zeit als Jugendlicher. Damals war ich öfter in Taizé, einem ökumenischen Orden im Burgund. Damals lernte ich eine Gruppe junger Christinnen und Christen kennen, die der charismatischen Gemeindeerneuerung angehörten. Sie nahmen ihren Glauben sehr ernst, riefen oft den Heiligen Geist an und praktizierten das freie Gebet. Ich fand das hochspannend und meine eigene Kirchengemeinde dagegen als langweilig. Und so wurde ich Mitglied. Allerdings war die Faszination schnell vorbei als ich anfing, kritische Fragen zu stellen. Das wurde gar nicht gerne gesehen. Und so war ich schnell wieder in meiner Kirchengemeinde.
Aber dass man sich an dem Glauben anderer orientiert, ist etwas völlig Normales und auch etwas Wunderschönes. Denn es passiert schon mal, dass der eigene Glauben eine Durststrecke hat und Zweifel dominieren. Dann ist es super, wenn jemand anderes für uns „mitglaubt“. So können wir uns als Gemeinschaft gegenseitig Kraft geben und füreinander da sein. Das ist einfach auch der riesengroße Vorteil einer Kirchengemeinde. Wir sind viele und können einander durch schwere Zeiten tragen.
Guter Vater!
Danke für den Glauben, den du schenkst. Amen.
Die Sache mit dem Glauben - ungebetener Besuch
Vor kurzem sind wir in ein kleines, beschauliches Dorf gezogen. Gegenüber unserer Wohnung, auf der anderen Straßenseite, steht eine kleine Kirche. In unserer Wohnung stehe ich in einem Zimmer gebückt über einem Umzugskarton. Zwei Finger klopfen vorsichtig gegen den Holztürrahmen. Unerwartet erschrocken richte ich mich auf.
Im Türrahmen ein schlanker langer Mann steht, er trägt eine schwarze Pfarrerkutte, mit dem typisch weisen Halskragen, seine Hände in den Schoss gefaltet, sein Gesicht strahlte eine regelrechte Frömmigkeit aus... Seine Ausstrahlung wirkte auf mich ‘Ich bin euer Schäfer und ihr meine Schafe’ “Grüß Gott" grüßte er sanft. In seiner Pfarrersprache sprach er dann:” Auch wenn sie nicht gläubig sind, können sie gerne zu unserer wöchentlichen Vorlesung in unser Gemeindehaus kommen. In meinem Kopf wiederholte ich ‘Vorlesung’. Hinter ihm tauchte mein Mann sichtlich aufgebracht auf: “Muss man den in die Kirche gehen um Gläubig zu sein? Egal Gott, Allah oder Buddha... Es gibt nur einen Herrgott!” …
Einige Wochen später kamen ein paar Nachbarinnen, mit denen ich mich angefreundet hatte, bei mir vorbei. Sie überredeten mich, zur Vorlesung mitzukommen. Kurz schaute ich meinen Mann an. Er nickte mir zu, und so ging ich mit.
Unterwegs bei dem kurzen Weg zum Gemeindehaus die jungen Frauen total aufgedreht, durcheinander plappern, ich in der Mitte eingehakt, schnappte ich ein paar Wortfetzen auf…” “welches Thema”, “welchen Bibelvers”, “was meinst Du”, “welches Lied?” “Du, bei Paulsen seinen Bauernhof kann man jetzt auch Eier kaufen” kichert verliebt, eine von den jungen Frauen.
Am Gemeindehaus angekommen, sah ich im Gang auf einer Schiefertafel mit geschwungener Handschrift geschrieben ‘Thema Glaube’ es wird in den Saalraum hineingetänzelt. Die Stühle sind schon vorbereitet, hinter den Stühlen stehend bekomme ich mit, wie eine etwas ältere Bauersfrau erklärend schimpft:” Also Ihr wisst doch genau das die vorderen Reihen für die älteren Gemeindemitglieder vorgesehen sind!” dabei verscheuchte sie die Jugendlichen und wies ihnen ihre Plätze zu. Nach kurzer Zeit hat jeder seinen Platz eingenommen. Mein Blick schweift kurz nach hinten, auch mein Mann saß da, in der hinteren Reihe. Kirchenmusik aus den Boxen dringt. Der Pfarrer schreitet zum für den Geistlichen vorbereiteten Pult. Freudig blickte er über seine Gemeindemitglieder hinweg, er erhob seine sanfte Pfarrerstimme und sprach: ”Grüß Gott Herzlich willkommen zu unseren wöchentlichen Vorlesungen. Ich stell mich kurz vor für diejenigen, die mich noch nicht namentlich kennen:” Pfarrer Liebaug. In unserer Gemeinde begrüße ich unseren Neuankömmling Tim, den ich letzten Monat taufte, unsere neuen Nachbarn das Ehepaar Gutberg und unsere Besucher von der Nebengemeinde.” Wie er seinen Satz beendet hatte, drehte er sich um und nahm hinter Ihm liegend das Gesangbuch in seine Hände und wendete sich wieder. ” Heute singen wir unser Eingangslied, danach werde ich einen Vers aus der Bibel vorlesen.” verkündete der Pfarrer. Andächtig, sangen und lauschten die Mitmenschen. Die Bücher wurden wieder zurück auf ihren Platz gelegt. Pfarrer Liebaug hinter seinem Pult, die Arme nach oben ausfaltete, mit seiner anmutigen sanften in geistlicher Pfarrersprache anfing:” Thema Glaube….. Muss man denn Gläubig sein, um in die Kirche zu gehen? Glaube kann man nicht sehen. Der Kranke kann von zuhause aus beten, jeder kann für sich alleine beten. Die Kirche ist für die Gemeinschaft da. Die Macht des Betens ist des Gottes Macht, denn in der Gemeinschaft sind wir stark. Amen”
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