Alle Völker werden kommen und sich vor dir niederwerfen; denn deine gerechten Taten sind nun für alle offenbar geworden.
Offenbarung 15,4
Als dies geschrieben wurde, war die Vorhersage, dass alle Völker zu Gott kommen werden, noch eine reine Utopie. Denn damals war das Christentum nicht mehr als eine junge Sekte, eine Abspaltung von der jüdischen Religion. Erst später als Kaiser Konstantin den christlichen Glauben annahm, nahm die Ausbreitung des Christentums Fahrt auf.
Doch wenn ich heute auf diese Welt sehe, dann entdecke ich, dass das Christentum mit Abstand die größte Weltreligion ist. Und das Christentum nimmt immer noch zu. Während in Europa die Zahlen der ChristInnen abnehmen, nehmen sie z.B. in Asien rasant zu.
Doch der Vers aus dem Buch der Offenbarung geht noch einen Schritt weiter. Er redet nicht nur vom Glauben an sich, sondern er redet von einer Haltung der Demut und des Danks. Nichts anderes ist damit verbunden, wenn es heißt „sie werden sich vor dir niederwerfen“.
Aber hat sich das wirklich erfüllt? Gibt dies z.B. eine Glaubenshaltung wieder, die ich für mich selbst auch bejahen würde? Demut und Dank. Beides setzt voraus, dass ich als Mensch nicht das Maß aller Dinge bin. Beides bedeutet auch, die Kleinheit meiner Kraft und meiner Möglichkeiten zu sehen und zu akzeptieren. Gerade in der heutigen Zeit sind diese Haltungen doch sehr selten geworden. Ich habe eher den Eindruck als würden sich die Menschen heute viel lieber eher auf sich selbst verlassen, als auf Gott zu vertrauen. Und seine eigene Begrenztheit zu sehen und anzuerkennen, ist ein rares Gut.
Und doch stehen uns Dank und Demut gut zu Gesicht. Denn sie geben dem eigenen Leben eine Tiefe.
Guter Vater!
Danke für deine Hilfe. Amen.
Demut und Hochmut
Mir fällt da eine kleine Geschichte ein, die wir einmal in der Schule gelesen haben. Es ist lange her, aber diese Geschichte hat sich mir eingeprägt. Ein Lehrer kommt mit seinem Sohn zu einem Schmied. Der Lehrer, der im Ort in hohem Ansehen stand, war sich seiner höheren Position durchaus bewusst und spielte sie auch aus. Der Sohn des Schmieds war in der Schule nicht eine so große Leuchte. Der Lehrer brachte das auch zur Sprache. Zudem meinte er, sein eigener Sohn, im gleichen Alter, sei doch viel schlauer. „Gut“, sagte der Schmied, „dann wollen wir das einmal prüfen.“ Beide Jungs wurden vor die Tür geschickt. Der Schmied erhitzte ein Stück Eisen nur so viel, dass es sich nicht verfärbte und warf es auf den Boden. Der Sohn des Lehrers wurde hereingerufen. Der Schmied bat ihn, ihm doch das Eisen aufzuheben. Gleich bückte sich der Junge und fasste das heiße Eisen an. Mit einem Aufschrei ließ er es gleich wieder fallen. Nun wurde der Sohn des Schmieds gerufen und bekam dieselbe Aufgabe. Der Junge bückte sich, spuckte auf das Eisen, nahm dann eine Zange und hob es auf. „Und“, fragte der Schmied, „welcher von den beiden Jungen ist schlauer?“
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