Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40, 30+31
Wir leben in einer Zeit, in der Leistungsfähigkeit hoch geschätzt wird. Viele Menschen versuchen, allen Anforderungen gerecht zu werden: im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde oder im persönlichen Leben. Doch irgendwann stoßen selbst die Stärksten an ihre Grenzen.
Genau das spricht Jesaja aus. Selbst junge Menschen, die voller Energie und Tatkraft sind, werden müde. Diejenigen, die eigentlich Kraft und Ausdauer besitzen, kommen ins Stolpern. Menschliche Stärke hat ihre Grenzen.
Dem stellt Gott eine andere Quelle der Kraft gegenüber: „Die auf den HERRN harren.“ Harren bedeutet mehr als nur warten. Es beschreibt ein vertrauensvolles Ausrichten auf Gott, das feste Wissen: Er wird handeln, auch wenn ich es noch nicht sehe. Wer seine Hoffnung auf Gott setzt, empfängt neue Kraft.
Das Bild des Adlers ist beeindruckend. Ein Adler schlägt nicht ständig hektisch mit den Flügeln. Er nutzt die aufsteigende warme Luft und lässt sich von ihr tragen. So dürfen auch wir lernen, uns von Gottes Kraft tragen zu lassen, statt alles aus eigener Anstrengung bewältigen zu wollen.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge der Verheißung: Zuerst das Auffahren mit Flügeln wie Adler, dann das Laufen und schließlich das Gehen. Oft wünschen wir uns die großen geistlichen Höhenflüge. Doch Gott schenkt Kraft nicht nur für besondere Momente, sondern auch für den Alltag. Die größte Verheißung liegt vielleicht im letzten Satz: „Sie werden wandeln und nicht müde werden.“ Gott gibt Kraft für den nächsten Schritt, für den gewöhnlichen Tag.
Guter Vater!
Ich baue auf deine Kraft. Amen.
Der Adler im Sturm
Ein Mann beobachtete nach einem schweren Gewitter einen Adler. Während die kleineren Vögel Schutz in Bäumen und Sträuchern suchten, flog der Adler dem Sturm entgegen.
Der Mann wunderte sich darüber und fragte einen Naturkundigen: „Warum flieht der Adler nicht vor dem Sturm wie die anderen Vögel?“
Der Naturkundige antwortete: „Weil der Adler weiß, dass über den dunklen Wolken die Sonne scheint. Wenn der Sturm kommt, breitet er seine Flügel aus und nutzt die aufsteigenden Luftströme. Der Sturm, vor dem andere fliehen, trägt ihn höher hinauf.“
Der Mann schaute erneut zum Himmel. Der Adler kämpfte nicht gegen jede Windböe. Er ließ sich von den Kräften tragen, die stärker waren als er selbst.
Da verstand er: Nicht die Abwesenheit des Sturms machte den Adler stark, sondern die Fähigkeit, sich von etwas Größerem tragen zu lassen.