Ihr habt Jesus Christus als den Herrn angenommen; darum lebt nun auch in der Gemeinschaft mit ihm und nach seiner Art! Seid in ihm verwurzelt und baut euer Leben ganz auf ihn. Bleibt im Glauben fest und lasst euch nicht von dem abbringen, was euch gelehrt worden ist.
Kolosserbrief 2, 6+7
Der Brief richtet sich an die kleine und recht „neue“ Gemeinde in Kolossä. Er tut so als sei er von Paulus geschrieben worden, aber da hat sich wohl einer nur den berühmten Namen ausgeliehen, denn der Brief ist in einem ganz anderen Stil geschrieben.
Wie war denn damals die Situation in den neuen christlichen Gemeinden? Sie waren meist bunt zusammengewürfelt: Juden, andere Gläubige, Sklaven, Herren, alles gemischt. Jeder brachte seine Traditionen mit. Zudem gab es unzählige andere Götter und Tempel. Ein bunter Mischmasch. Und alles das brachte oft eine große Unsicherheit mit, wie man sich denn jetzt nun als neuer Christ als neue Christin verhalten sollte. Da versucht der Kolosserbrief ein wenig zu helfen.
Und dadurch bekommen auch wir gesagt: Bleib in Gott verwurzelt, bleibe fest in deinem Glauben, bau dein Leben auf Gott.
Es tut gut, das ab und zu zu hören. Denn der Alltag ist oft so brechend voll, dass unser Glaube ins Hintertreffen gerät. Eine Aufgabe nach der anderen kommt um die Ecke. Und wenn man gerade gedacht hat, alles sei geschafft, dann werden wir schnell eines Besseren belehrt, wenn wir an das denken, was wir noch nicht geschafft haben.
Der Kolosserbrief sagt: Nimm dir Zeit, Zeit für dich selbst, Zeit zur Ruhe zu kommen, Zeit für dich und Gott. Es braucht Zeiten der Erholung, Zeiten, in denen der Glaube wieder auftanken kann.
Guter Vater!
Bitte gib mir den Mut, mir Zeit zu nehmen. Amen.
Der kleine Regentropfen und die Sonnenpause (Elke Bräunling)
Der kleine Regentropfen war müde. Immer wieder hatte er in diesem Sommer aus den Wolken hinab aufs Land geregnet. Nie war Zeit gewesen, ein bisschen auszuruhen. Kaum war er auf der Erde angekommen und auf einem Blatt oder einer Blüte, einer Erdkrume, einem Stein, in einem Bach oder in einer Pfütze gelandet, kamen sogleich die heißen Sonnenstrahlen, um ihn zurück zur Wolke zu bringen. Dort oben traf er seine Regentropfenkollegen und gemeinsam sprangen sie wieder, Tropfen für Tropfen für Tropfen, vom Himmel, um an einem neuen Erdenplätzchen zu landen. So war er die ganze Zeit unterwegs. Zum Himmel hinauf, zur Erde hinab und wieder von vorne. Wieder und wieder.
„Ich bin müde“, beschwerte sich der kleine Regentropfen bei der Sonne.
„Zum Müdesein ist keine Zeit. Du musst zurück in deine Wolke, damit du aufs Neue regnen kannst“, erwiderten die Sonnenstrahlen. „Es ist Sommer und es gibt viel zu tun. Regen ist wichtig für die Natur, für das Wachsen und Reifen.“
„Immer muss ich arbeiten“, beschwerte sich der kleine Regentropfen. „Ich wünsche mir eine Pause. Für einen Tag nur. Oder zwei. Oder auch drei.“
Er dachte an die Menschen, die er in seinem langen Tropfenleben schon getroffen hatte. Die arbeiteten auch nicht immer. Die hatten Tage mit Arbeit und mit Ausruhen. Manchmal durften sie sich sogar eine oder zwei oder gar drei Wochen ausruhen. Urlaub nannten sie dies. Oder Ferien.
„Wer ausgeruht ist, kann besser arbeiten“, hatte einmal eine Frau zu einem Kind gesagt. Ganz genau hatte der kleine Regentropfen, der für einen kurzen Regenpausenaugenblick auf der Schirmmütze der Frau saß, diese Worte gehört.
„Ein ausgeruhter Regentropfen kann besser regnen“, erklärte er nun dem Sonnenstrahl, der seine heiße Zunge nach ihm ausstreckte. „Hörst du? Ich will auch einmal Ferien haben. Keiner kann immer nur arbeiten und keiner kann auch immer nur regnen. Bitte, schenk mir eine Regenpause!“
„Eine Regenpause?“, fragte der Sonnenstrahl und lachte. „Nichts leichter als das. Wenn der Regen eine Pause macht, müssen wir Sonnenstrahlen strahlen. Und das tun wir auch. Pass auf! Jetzt.“
Und schnell schickte der Sonnenstrahl seine Wärme zu dem kleinen Regentropfen und seinen Kollegen.
Der Regentropfen erschrak. Hatte er Regenpause gesagt?
„Wie dumm ich doch bin!“, rief er. „Halt ein! Es war das falsche Wort. Ich meinte Sonnenpause. Du sollst eine Pause machen und mit deinen Strahlen für eine Weile nicht mehr strahlen, damit ich eine Pause machen kann. Wenn du nämlich eine Regenpause machst, müssen wir Regentropfen doch wieder bloß arbei…“
Der Regentropfen redete und redete, doch es war zu spät. Schon hatte er sich in der Hitze des strahlenden Sonnenstrahls zu Wasserdampf aufgelöst und stieg gemeinsam mit seinen Regentropfenkollegen himmelwärts. Dort wartete schon die große Wolke auf sie.
„Denken“, murmelte der kleine Regentropfen noch. „Man muss immer erst einen Moment über eine Sache nachdenken, bevor man sie ausspricht.“
Und er nahm sich vor, beim nächsten Mal daran zu denken. Vor allem, wenn er unterwegs einen Sonnenstrahl traf.
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