Ist Efraïm denn nicht mein Lieblingssohn, das Kind, das ich über alles liebe?«, sagt der HERR. »Sooft ich seinen Namen erwähne, kommen meine Gedanken nicht mehr von ihm los. Und nun ist mein Innerstes völlig aufgewühlt: Ich muss mich über ihn erbarmen!«
Jeremia 31,20
Ephraim – nennt Gott Israel. Damit spielt er auf den Stammvater Josef an, der bei der Geburt seines Sohnes Ephraim in Ägypten gesagt hat: „Gott hat mich fruchtbar gemacht im Lande meines Elends“. Die Nachkommen Ephraims und die anderen Israeliten durften damals in großer Zahl Ägypten verlassen. Und nun nach der neuen Niederlage werden auch sie Assyrien eines Tages hinter sich lassen. Aber der eigentliche Hoffnungsgrund ist auch genannt: Gottes Inneres, sein Herz lässt Israel nicht los.
Als Eltern kennen wir diese zwiespältigen Gefühle. Manchmal müssen wir unseren Kindern Grenzen setzen. Und wenn sie diese Grenzen überschreiten, dann hat es Konsequenzen. Dabei tun wir dies nicht aus irgendeiner Überlegenheit heraus oder um unsere Kinder zu demütigen, sondern Eltern tun dies aus Liebe heraus. Sie wissen, dass es eine gute Erziehung braucht, damit die Kinder gut durchs Leben kommen.
Genauso ist die Beziehung zwischen Israel und seinem Gott. Israel ist bis heute ein ganz besonderes Kind Gottes. Und wir sind durch Jesus Christus in diese Kindschaft mit hineingenommen. „abba“ nennt Jesus seinen Vater, wörtlich übersetzt bedeutet es „Papa“. Und er erzählt von Gott als dem Vater, der sich seiner Kinder erbarmt. Jeder kennt das Gleichnis vom verlorenen Sohn, über den sich der Vater trotz dessen Fehlverhalten wieder erbarmt.
Es ist einfach ein unverschämtes großes und unverdientes Glück, dass Gott sich so an die Menschen bindet. Selbst sein Innersten fiebert mit den Menschen.
Guter Vater!
Ich stehe sprachlos vor deiner großen Liebe. Amen.
Keine Geschichte unter dieser Nummer
In einer kleinen Stadt gibt es eine Bibliothekarin, die ihren Beruf heiß und innig liebt.
Weit und breit gibt es keine Bücherei, die so gut besucht ist wie ihre. Und Kinder liegen ihr dabei besonders am Herzen. Jeden Dienstag und Donnerstag liest sie eine Stunde vor und regelmäßig sitzen an diesen Tagen 20 bis 30 Kinder in einem Kreis um sie herum und lauschen mit roten Ohren ihrer Stimme.
Eines Tages schenkt Gott der Bibliothekarin eine Idee:
Was wäre, wenn das Vorlesen nicht nur zweimal in der Woche wäre, sondern jeden Tag? Was wäre, wenn du jedem Kind, wann immer es will, eine Geschichte vorlesen könntest?
Sie überlegt … und handelt.
Sie kauft sich einen Rekorder, sucht sich eine schöne Geschichte heraus und nimmt sich selbst beim Vorlesen auf. Anschließend legt sie das Band in ihren Anrufbeantworter. Wenn jetzt ein Kind etwas vorgelesen haben möchte, braucht es nur die Telefonnummer der Bibliothekarin anzurufen.
Jede Woche gibt es eine neue Geschichte.
Und die Kinder lieben diese Telefonnummer. (Die Eltern auch.)
Nur ein Mann, der liebt diese Nummer nicht.
Ganz im Gegenteil.
Immer, wenn er diese Nummer auf der Anzeige seines Telefons sieht, dann spürt er, wie sich sein Magen zusammenzieht und unterdrückter Ärger lässt ihn am ganzen Leib zittern.
Dieser alte Griesgram wohnt allein und zurückgezogen, mit Menschen hat er nicht viel am Hut. Früher klingelte sein Telefon vielleicht einmal im halben Jahr (in den meisten Fällen hatte sich der Anrufer verwählt), jetzt raubt es ihm zwei- bis dreimal am Tag die Ruhe. Im Schnitt! An manchen Abenden geht es ihm mehrmals pro Stunde auf die Nerven.
Warum ist das so?
Nun, seine Telefonnummer unterscheidet sich von der Telefonnummer der Bibliothekarin in nur einer Ziffer. Statt mit einer Drei endet sie mit einer Zwei. Und die Kinder vertippen sich ständig …
Anfangs hat er einfach aufgelegt. Doch diese mysteriösen Kinder-Anrufe hören nicht auf. Warum rufen die ihn alle an? Wollen sie ihn ärgern?
Eines Tages fasst er den Entschluss, dem Spuk auf den Grund zu gehen. Als das Telefon klingelt, reißt er sich zusammen und bringt ein freundliches „Hallo?“ zustande.
„Onkel, liest du mir jetzt eine Geschichte vor?“ hört er die Stimme eines kleinen Mädchens.
Mit einiger Mühe und vielem Nachfragen gelingt es ihm, des Rätsels Lösung für diese Anrufe zu finden: Die Kinder wollen ihn nicht ärgern, sie wählen einfach die falsche Telefonnummer.
„Weißt du was, Kleine? Du bist falsch verbunden! Statt der zwei musst du hinten eine Drei wählen.“
Das kleine Mädchen hört geduldig zu und fragt dann: „Liest du mir jetzt eine Geschichte vor, Onkel?“
„Hör mal, du bist falsch verbunden. Ich kann keine Geschichten vorlesen, du musst die andere Telefonnummer anrufen.“
„Aber kannst du mir nicht eine Geschichte vorlesen?“
Seine Nerven liegen blank. Er legt einfach auf.
Am nächsten Tag ruft das Mädchen wieder an. Er möchte schon auflegen, als ihm einfällt, dass sie dann bestimmt wieder anrufen würde.
Hastig überlegt er, was er tun kann. Er will sie ein für alle Mal loswerden und Ruhe haben.
Das abgegriffene Kinderbuch fällt ihm ein, dass er neulich in der Küchenschublade gesehen hat. Sein Enkel hatte es liegen lassen, als er das letzte Mal bei ihm war. Missmutig muss er daran denken, dass das schon ein paar Jahre her ist.
„Warte kurz! Ich habe eine Geschichte für dich. Wenn ich die vorlese, dann rufst du mich nicht wieder an. Einverstanden?“
„Wie heißt die Geschichte denn?“
Der alte Griesgram eilt in die Küche und kramt das Buch aus der Schublade. „Schweinchen Dick“, denkt er, „na ja, zum Vorlesen wird es wohl reichen …“
So kommt es, dass der alte Griesgram dem Mädchen eine Geschichte von Schweinchen Dick am Telefon vorliest.
Am nächsten Tag ruft sie ihn wieder an.
„Sag mal, hab’ ich dir nicht gesagt …“
Sie fällt ihm ins Wort: „Kannst du mir heute eine richtige Geschichte vorlesen?“
Komisch, dass er gestern Abend auf dem Dachboden noch dieses alte Märchenbuch gefunden hat. Was hat er da eigentlich getan? Er brummelt etwas vor sich hin und nuschelt dann ins Telefon: „Ja, aber dass das nun nicht jeden Tag so geht.“
Es geht zwar nicht jeden Tag so, aber oft …
… und auch weiterhin vertippen Kinder sich und rufen bei ihm an. So kommt es, dass der alte Griesgram nur wenige Wochen später mehrere Kinderbücher zu Hause liegen hat und eines Tages sogar beschließt, selbst einmal in die Bücherei zu gehen.
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