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Tageslosung 10.9.2026

© Jens Bielinski-Gärtner
Ein Geduldiger ist besser als ein Starker und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt.
Sprüche 16,32

Heute ging es im Unterricht der vierten Klasse um Heilige. Ich werde mit den SchülerInnen an einer Wallfahrt zur Corneliuskapelle in Neuss-Selikum teilnehmen. Das ist etwas Besonderes. Danach erkläre ich ihnen dann, warum wir Evangelischen keine Heiligen haben. Also fragte ich: Kennt einer von euch einen Heiligen? Antwort von einem Schüler: „Christiano Ronaldo.“ Antwortet eine Schülerin: „Quatsch, ein Heiliger muss was für Menschen tun!“ Später habe ich ihnen die Geschichte einer kleinen Frau aus Albanien erzählt, die sich in Indien um Sterbende gekümmert hat. Unter ihrem richtigen Namen, Anjezë Gonxhe Bojaxhiu, kennen sie wenige. Unter dem Namen Mutter Teresa die ganze Welt. Diese kleine Frau hat mehr Segen auf die Welt gebracht als viele große Staatsmänner und Kriegshelden.

Auch wir schauen oft auf die Großen, die Helden. Da schauen wir gerne auf und sind fasziniert von Herrn Zverev, Frau Merkel, Herrn Messi, Papst Leo XIV, Josua Kimmich, und, und, und … Dabei sind für mich ganz andere die wirklichen Helden dieser Welt: Das Hausaufgabenteam an der Auferstehungskirche, das ehrenamtlich Kindern hilft und für sie kocht. Die Tochter, die ihren Vater nach einem Schlaganfall pflegt. Die Mitarbeiterin im Altenheim, die auf der Demenzstation arbeitet. Die Ärztin im Krankenhaus, die viele Stunden Dienst in der Ambulanz verrichtet.

Jesus von Nazareth, der nun wirklich das größte Zeug zum Helden gehabt hätte, hat diesen Heldenkult immer abgelehnt. Die, die er geheilt hat, bittet er, es nicht zu erzählen. Und seinen Jüngern sagt er: „Wer unter euch groß sein will, der soll der Diener des anderen sein.“ Unser Vorbild.

Guter Vater!

Gib den kleinen Heiligen deine Kraft. Amen.

 

„Der unsichtbare Heilige“

Eines Morgens kam ein Junge zu spät zur Schule. Er hatte schlecht geschlafen, war müde und außerdem hatte er seinen Bus verpasst.

Als er endlich auf dem Schulhof ankam, sah er den Hausmeister. Der kniete neben einem kleinen Jungen, dessen Schnürsenkel aufgegangen waren.

„Warte, ich helfe dir“, sagte der Hausmeister und band geduldig die Schuhe.

Der Junge ging weiter.

In der Pause sah er eine Lehrerin, die allein mit einem Mädchen auf der Bank saß. Das Mädchen hatte Tränen in den Augen.

„Du musst heute nicht alles schaffen“, sagte die Lehrerin. „Ich bin da.“

Der Junge ging weiter.

Auf dem Heimweg sah er einen alten Mann, der seine Einkaufstasche fallen gelassen hatte. Eine Frau blieb stehen, hob die Sachen auf und trug die Tasche bis zur Haustür.

Abends fragte der Junge seine Mutter:

„Mama, gibt es heute eigentlich noch Heilige?“

Die Mutter lächelte.

„Natürlich.“

„Wo kann man die sehen? In der Kirche?“

„Manchmal.“

„Und wo sonst?“

Die Mutter antwortete:

„Vielleicht hast du heute schon drei gesehen.“

Der Junge dachte nach. Dann sagte er:

„Den Hausmeister? Die Lehrerin? Und die Frau mit der Einkaufstasche?“

Die Mutter nickte.

„Heilige sind nicht immer Menschen mit einem Heiligenschein. Manchmal erkennt man sie daran, dass sie sehen, wo jemand Hilfe braucht – und einfach helfen.“

Der Junge wurde still.

Am nächsten Morgen sah er auf dem Schulhof einen Mitschüler allein stehen.

Er ging zu ihm.

„Komm, ich spiel mit dir.“

Und irgendwo im Himmel lächelte vielleicht jemand.

 

Info

Veröffentlicht am9. September 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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