Wenn sich dir die Gelegenheit bietet, etwas zu tun, dann tu es mit vollem Einsatz.
Prediger 9,10
Für sich selbst genommen, könnte dieser Satz einseitig verstanden werden – im Sinne einer tätigen Ethik. So aber ist es gar nicht gemeint. Die Sätze davor heißen: „Darum iss dein Brot und trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! So hat es Gott für die Menschen vorgesehen und so gefällt es ihm. Nimm das Leben als ein Fest: Trag immer frisch gewaschene Kleider und sprenge duftendes Öl auf dein Haar! Genieße jeden Tag mit der Frau, die du liebst, solange das Leben dauert, das Gott dir unter der Sonne geschenkt hat.“ Ich interpretiere die Sätze so: „Tu, das was du tust bewusst und aus ganzem Herzen. Wenn du liebst, liebe, wenn du trinkst, trinke. Nutze deine Zeit.“
Ich bekomme sofort ein schlechtes Gewissen. Wie viel Zeit habe ich schon sinnlos vertändelt. Wie viel Zeit habe ich mit Spielen am Handy verbracht. Was hätte ich in dieser Zeit alles Tolles machen können.
Mir gefällt dieser Aufruf zu einem bewussten Leben. Das bedeutet ja ganz und gar nicht, dass ich immer nur arbeiten muss oder aktiv sein muss. Ich kann auch sehr aktiv beschließen, dass ich jetzt einmal gar nichts tue. Und dann aber die Zeit genießen.
Bewusst leben bedeutet auch, sich ganz in die jeweilige Situation hineinzugeben. Wenn ich mit jemand anderem zusammen bin, dann ist es gut, innerlich nicht schon beim nächsten Termin zu sein, sondern ganz im Hier und Jetzt zu bleiben. Wir laufen gerade heute Gefahr, immer mehrere Sachen gleichzeitig zu tun. Dann aber können wir selbst es gar nicht wirklich wahrnehmen, geschweige denn genießen und wir sind auch für den Anderen nicht der Gewinn, der wir sein könnten.
Guter Vater!
Gib mir die Kraft, bewusst zu leben. Amen.
Geschichte über das Glück
Eines Tages suchte ein Geschäftsmann einen weisen Meister auf.
Getrieben von seinem Erfolg, aber auch von einer inneren Leere, stellte er die Frage, die ihn schon lange beschäftigte:
„Meister, was ist das Geheimnis eines glücklichen Lebens?“
Der Meister lächelte, ließ einen Moment der Stille vergehen und antwortete dann in aller Ruhe:
„Mach jeden Tag einen Menschen glücklich.“
Der Geschäftsmann nickte langsam, seine Gedanken kreisten um diese Worte. Doch bevor er sie ganz verarbeiten konnte, sprach der Meister weiter:
„… selbst wenn dieser Mensch du selbst bist.“
Überrascht schaute der Geschäftsmann auf. Der Meister sah ihm tief in die Augen, seine Stimme wurde noch sanfter:
„Vor allem, wenn dieser Mensch du selbst bist.“
In diesem Moment war der Geschäftsmann sprachlos. Diese Worte – so einfach, so klar – berührten ihn tief.
Er erkannte, dass er in all seinem Streben nach Erfolg das Wichtigste vergessen hatte: sich selbst.
Und an diesem Tag begann er, sein Leben zu verändern. Indem er sich selbst erlaubte, glücklich zu sein, schenkte er auch anderen mehr Freude.
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