Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was sein ist.
5. Mose 5, 21
Neid ist eine der stärksten Triebfedern unseres Handelns. Das beste Argument für ein neues Auto ist das neue Auto des Nachbarn. Irgendwie werden wir fast dazu erzogen, uns ständig mit anderen zu vergleichen. Eine alte Werbung: „Mein Auto, mein Haus, meine Frau“ wird getoppt durch ein größeres Auto, ein größeres Haus und eine vermeintlich schönere Frau. Der eine ist Sieger, der andere Verlierer.
Vielleicht kann uns dieses letzte Gebot der 10 Gebote andere Dinge beibringen: Zum Beispiel: Es muss nicht immer größer werden. Die Generation unserer Eltern hat angefangen mit VW Käfer, R 4 oder einem Fiat 600. Der nächste Wagen wurde immer ein wenig größer, bis hin zu Mercedes 180, Mazda 626 oder einem R 21. Aber vielleicht muss das gar nicht sein. Es reicht doch, wenn es mich bequem von A nach B bringt.
Ja Herr Infantino, 15 Milliarden Gewinn durch eine Fußball Weltmeisterschaft sind schon viel zu viel. Man muss das schönste Spiel der Welt nicht verkaufen, um noch mehr Geld zu haben.
Ein zweiter Gedanke: Neid verhindert Dankbarkeit. Wenn ich immer nur neidisch auf das blicke, was andere haben, dann vergesse ich dafür zu danken, was ich habe. Denn etwas zu haben ist schlicht nicht selbstverständlich. Namibia hat mich gelehrt, dass Menschen manchmal nicht wissen, wie sie über den Tag kommen sollen.
Ein letztes: Neid verhindert Zufriedenheit. Nicht die Menschen sind die Glücklichsten, die am meisten haben, sondern die, die einfach zufrieden sind, mit dem wie es ihnen geht.
Guter Vater!
Hilf mir bescheiden und demütig zu bleiben. Amen.
Der ist wirklich reich
„Es geht ungerecht auf dieser Welt zu", stöhnt Falk, als er die Zeiger des Weckers auf vier Uhr stellt.
„Du wolltest es so haben", sagt der Vater. „Ich gebe dir zu essen und zu trinken und ausreichend Taschengeld. Wenn du dir aber eine teure Computeranlage kaufen willst, musst du schon selber etwas verdienen. So viel Geld habe ich nicht." „Ich beschwere mich doch gar nicht", murmelt Falk und zieht sich die Bettdecke über die Ohren. In ein paar Stunden wird er aufstehen, um Zeitungen auszutragen. Ungefähr zehn Monate will er diesen Job machen, so lange, bis er das Geld für den geplanten Kauf zusammen hat. Falk schläft bald ein, denn sein Tag war lang und die Nacht wird kurz sein. Es ist noch dunkel, als er das Haus verlässt. Falks Gebiet, das er beliefern muss, ist die Gegend um den Taubersee. Ein Gebiet, das kein Zeitungsbote liebt. In der Innenstadt wird man in einem Hochhaus mit einem Male zehn, manchmal sogar noch mehr Zeitungen los. Aber hier stehen vornehme Villen einzeln und sind umgeben mit großen Grünanlagen. Darum haben die meisten Häuser eine lange Auffahrt, die Falk hinauflaufen muss. Denn bis zur Haustür muss er die Zeitungen bringen, so steht es in seinem Vertrag. Manchmal ärgert er sich, wenn er sie ablegt. Er fragt sich: „Warum ist mein Vater nicht so ein reicher Bonze?"
Seine Familie bewohnt keine Villa, nur eine achtzig Quadratmeter große Hochhauswohnung. Und da hatten sie noch Glück, dass Vater diese durch seinen Betrieb bekommen hat. Als er heute in die Sporenstraße einbiegt, brennt in mehreren Zimmern einer Villa Licht. Auch die Außenlampe ist eingeschaltet.
Falk ist sich sicher, wenn so reiche Leute so früh aufstehen, dann geschieht das nur zu ihrem Vergnügen, sicher nicht, um sich an die Arbeit zu begeben. Er nimmt an, dass diese Familie verreist. Wahrscheinlich müssen sie als Urlauber so zeitig losfahren, um das Flugzeug zu bekommen. Das bringt sie bestimmt auf eine Trauminsel. Vielleicht nach Bali oder Mauritius! Falk stellt sich Sonne, Sand und Palmen vor und träumt davon, bis mittags zu schlafen. Während er sich die Hacken abläuft, wird ein verwöhntes, begütertes Bürschchen dorthin kutschiert. Er muss für einen Computer viele Kilometer zurücklegen, Straße auf und Straße ab eilen.
Grenzenloser Neid steigt in ihm auf. In diesem Augenblick öffnet sich die Haustür. Eine Frau schiebt einen Jungen heraus. Er sitzt im Rollstuhl.