Predigt über Offenbarung 1,9-18
(L.S.n.E.; 1.2.2026; Auferstehungskirche, Thema: „Gott ist Sicherheit und Halt in allen unseren Bedrängnissen und Unsicherheiten)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Liebe Gemeinde!
Unser heutiger Predigttext stammt aus der Offenbarung des Johannes. Johannes hat sie um das Jahr 90 nach Christi Geburt geschrieben. Er sendet seinen Brief an sieben Gemeinden. Hintergrund des Briefes ist eine Verfolgung von christlichen Gemeinden. Diese nämlich hatten sich geweigert, den römischen Kaiser Domitian zu verehren. Daraufhin ließ sie der Kaiser verfolgen. Johannes selber wurde auf die kleine Felseninsel Patmos verbannt. Von dort schreibt er nun, um den kleinen bedrängten Gemeinden Mut zuzusprechen. Er schreibt:
Ich Johannes, schreibe euch von der Insel Patmos. Ich bin euer Bruder und teile mit euch die Bedrängnis und die Hoffnung auf Gottes neue Welt und die Standhaftigkeit im Ausharren bei Jesus. Ich bin hierher verbannt worden, weil ich öffentlich verkündet habe, was Gott gesagt hat und wofür Jesus als Zeuge eingetreten ist.
Am Tag des Herrn nahm der Geist Gottes von mir Besitz. Ich hörte hinter mir eine laute Stimme, die wie eine Posaune klang. Sie sagte: „Schreib das, was du siehst, in ein Buch, und schicke es an die sieben Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea.“
Ich wandte mich um und wollte sehen, wer zu mir sprach. Da erblickte ich sieben goldene Leuchter. In ihrer Mitte stand jemand, der wie ein Mensch aussah. Er trug ein langes Gewand und hatte ein breites goldenes Band um die Brust. Sein Kopf und sein Haar strahlte wie weiße Wolle, ja wie Schnee. Seine Augen brannten wie Flammen. Seine Füße glänzten wie gleißendes Gold, das im Schmelzofen glüht, und seine Stimme klang wie die Brandung des Meeres. Er hielt sieben Sterne in seiner rechten Hand und aus seinem Mund kam ein beidseitig geschliffenes scharfes Schwert. Sein Gesicht leuchtete wie die strahlend aufgehende Sonne.
Als ich ihn sah fiel ich wie tot vor seinen Füßen zu Boden. Er legte seine rechte Hand auf mich und sagte: „Hab` keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte. Ich bin der Lebendige! Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit. Ich habe Macht über den Tod und die Totenwelt.
Schreib alles auf, was du siehst, was die Gegenwart und was die Zukunft betrifft.
Zuerst einmal fallen mir die Bilder auf, die Johannes beschreibt. Bilder, die uns heute etwas merkwürdig erscheinen: Ein zweigeschliffenes Schwert, ein Mantel aus leuchtender Wolle, Leuchter, usw. - eine fremde Welt tut sich dort auf für uns.
Und zugleich ist diese Welt für uns fremd, da die Situation der Menschen damals ganz anders ist als unsere. Die kleinen christlichen Gemeinden werden verfolgt. Wir hingegen feiern heute Morgen völlig unbedrängt Gottesdienst. Wir sind als Gemeinde rechtlich abgesichert, brauchen keine Verfolgung zu befürchten. Verträge zwischen Staat und Kirche regeln sogar den Schutz der Gottesdienstzeit. Wenn wir nun im Nigeria oder in Indonesien leben würden, wäre uns der Text vielleicht näher, denn dort werden Christinnen und Christen auch heute noch angegriffen und verfolgt.
Aber so? --- Was kann uns denn der Brief des Johannes heute noch sagen? Welche Bedeutung kann er überhaupt für uns heute haben?
Johannes skizziert Bilder der Stärke und der Kraft. Bilder, die Trost spenden sollen in aller Bedrängnis und aller Not: Das Licht, das die Dunkelheit durchbricht und Orientierung gibt; das Schwert, das Kraft und Macht ausstrahlt entgegen aller Hilflosigkeit; das Gold, das Wichtigkeit und Wertvollsein unterstreicht - bei allem Gefühl von Kleinheit und Machtlosigkeit. Bilder des Trostes gegen alle Unsicherheit und Bedrängnis. Bilder, an denen die Menschen sich festhalten können.
Ich glaube, dass sich die Lebenswirklichkeit der Christen damals und unsere Lebenswirklichkeit hier treffen. Denn Unsicherheit und Bedrängnis kennen wir auch aus unserem Leben - anders zwar als damals. Aber dennoch sind auch wir Unsicherheiten und Bedrängnissen unterworfen, die unser Leben prägen und beeinflussen.
Unsere Welt ist unendlich kompliziert geworden. Es fällt schwer, sie überhaupt noch zu verstehen. Wer kann wirklich in Dimensionen denken, wie sie heutzutage alltäglich geworden sind. Und ich merke auch, wie ich unsicher werde. Wer hat eigentlich das Sagen in unserer Gesellschaft, in unserem Land? Wer lenkt alles? Und worauf können wir uns verlassen? Wem können wir vertrauen? Unseren Politikern, die noch nicht einmal eine funktionierende Regierung hinkriegen? Wem oder was vertrauen wir aber dann?
Und schlimmer noch sind die persönlichen Unsicherheiten und Bedrängnisse. Schlimmer, weil sie unser Leben weit mehr in Beschlag nehmen.
Wie viele Kinder in unserer Gemeinde kommen z.B. aus Familien, die nicht intakt sind. Wo entweder Vater oder Mutter fehlen, wo die Eltern mit Arbeitslosigkeit oder Sucht zu kämpfen haben. In der allerersten Konfigruppe waren dies genau 90 % aller Jugendlichen, die aus solchen Familien kamen. Nur 10 % kamen aus einer unbeschwerten Familiensituation. Wie schwierig ist es da, groß zu werden und ein eigenes Selbstwertgefühl der eigenen Unsicherheit entgegenzustellen.
Und wir Erwachsenen? Sind wir so viel selbstsicherer als die Kinder und Jugendlichen? Ich spüre davon nichts! Viel zu viel belastet auch uns, lässt auch uns unsicher werden: Eine Krankheit, die immer wieder ausbricht und das Leben und die Planungen durcheinander wirft. Die Situation der Tochter, deren Leben so abhängig zu sein scheint von den alten Eltern. Das Leben mit Hartz IV und der tägliche Kampf. Das Loch nach der Pensionierung, das ich mir selber nicht eingestehen will. Der Ehemann, der seine Ehe vernachlässigt. Die Sorge vor dem Angewiesensein auf andere im Alter.
Er, Jesus, legte seine rechte Hand auf Johannes und sagte: „Hab` keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte. Ich bin der Lebendige! Ich habe Macht über den Tod und die Totenwelt.
Versinke nicht in deiner Angst. Geh nicht unter in deinen Sorgen. Ich bin der Erste und der Letzte! --- Ich Gott stehe über allem, das die Kraft hat, dich zu verunsichern oder zu bedrängen. Es gibt nichts, was meine Kraft irritieren oder besiegen kann.
Ich bin der Lebendige! --- In mir Gott hat alles Leben seinen Ursprung und sein Ende. Bevor du geboren wurdest, warst du schon ein Gedanke von mir. Und wenn du einmal sterben solltest wirst du Geborgenheit in meinen Händen finden. Ich bin der Ursprung des Lebens! Und ich achte und schütze das Leben.
Ich habe Macht über den Tod und die Totenwelt! --- Es gibt nichts in allem was existiert, das an meine Macht der Liebe heranreicht. Niemals wirst du schutzlos ausgeliefert sein, denn meine Kraft liegt bei weitem über der Kraft der Bedrängnisse und Sorgen, die dein Leben manchmal schwer werden lassen.
Die Bilder, die Johannes beschreibt, sind uns vielleicht fremd. Aber die Botschaft, die Johannes von Gott empfängt, ist uns alles andere als fremd. Sie will UNS trösten, Mut machen, festhalten. Lass dein Leben nicht nur bestimmt sein von den schwierigen Situationen. Sondern spüre auch die Kraft und den Mut, den ich dir jeden Morgen für deinen Tag schenke. Ich schenke sie dir durch andere Menschen, durch die Gemeinde an der Auferstehungskirche und durch Wege, die du nicht sehen kannst. Aber ich schenke sie dir ganz gewiss. Darauf kannst du dich verlassen und daran kannst du dich festhalten.
Tröstliche und mutmachende Worte. Worte, die wir immer wieder als Zusage Gottes brauchen. Die wir immer wieder hören müssen, um an sie zu glauben und sie anzunehmen.
Es sind auch Worte, die uns Kraft geben im tiefsten Wortsinn protestantisch zu sein. Wenn Gott uns immer wieder Kraft gibt, dann sind wir als Gemeinde auch gefordert, alle diese bedrängenden Missstände in unserem Land laut zu benennen und dagegen anzugehen. Und dann ist es auch unsere Aufgabe wachzurütteln, auch hier in Weckhoven.
Er, Jesus, legte seine rechte Hand auf Johannes und sagte: „Hab` keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte. Ich bin der Lebendige! Ich habe Macht über den Tod und die Totenwelt.
Worte aber auch, die für uns als Gemeinde wichtig sind. Wie wird es sein, in Zukunft, wenn die Bedeutung von Kirche immer mehr nachlässt?
Da ist es auch für uns als Gemeinde wichtig zu hören: „Hab` keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte. Ich bin der Lebendige! Ich Gott werde dafür sorgen, dass es weitergeht, dass es gut weitergeht in eurer Gemeinde.
Gott hilft uns mit unserem Leben. Mit seiner Kraft, seinem Mut, seinem Segen. Dies ist die Botschaft für unser aller Leben. Für ein Leben mit einem Stück mehr an Sicherheit. Amen.
Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.