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Predigt über Matthäus 6, 5-15

© Jens Bielinski-Gärtner
Predigt an Rogate über Matthäus 6, 5-15

(10.5.2026; Lichtkirche auf der Laga, Thema: Beten)

 

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen      

 

Liebe Gemeinde!

Heute am Sonntag Rogate geht es um das Beten. Rogate ist ein lateinisches Wort und bedeutet die Aufforderung „Betet!“ oder ach „Bittet!“ Und genau darum, um das Beten soll es heute gehen. In den Händen halte Sie, haltet ihr eine Zeichnung der Künstlerin Käthe Kollwitz. Es trägt den Titel „Die betende Frau“ oder auch „das betende Mädchen“.

(bitte im Internet ansehen!)

 

 

Nun könnte man meinen, das Bild sei halt extra fromm gemalt. Abe das ist man bei Käthe Kollwitz auf der falschen Fährte. Sie zeichnete die Gegenwart so wie sie war. Sie zeichnete die Armut und den Hunger der einfachen Menschen. Sie beschönigte nichts. Und es war eine harte Zeit. Zwei Kriege erlebte sie mit. Ihr Sohn starb im ersten Weltkrieg. Ihr war nicht nach Retusche zumute. Und so bin ich auch davon überzeugt, dass das Bild der betenden Frau nicht beschönigt ist.

 

Es gibt ein Gebet, das bis heute ein besonderes Gebet geblieben ist. Von diesem erzählt unser Predigttext aus dem 6. Kapitel des Matthäusevangeliums. Dort heißt es:

 

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben. 

 

Die Botschaft ist klar und eindeutig: Beten ist keine Show. Beten eignet sich nicht, um sich oder anderen etwas vorzumachen, vorzuspielen. Welchen Sinn könnte es haben, im Gebet zu sagen „Es geht mir gut“, wenn doch das genaue Gegenteil der Fall ist - euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

 

Was aber ist Beten? Was kann das Gebet auch heute noch für eine Bedeutung für uns haben?

 

Beten ist ganz alleine etwas für mich! Wenn ich bete, dann nehme ich mir Zeit für mich selbst. Wenn ich bete, dann bin ich mir selbst wichtig. Wenn ich bete, dann sehe ich auf mich und meine Situation. Ich sehe Vieles, wofür ich danken kann. Ich sehe Vieles, was mir das Leben schwer macht. Wenn ich bete, dann ist es ein Innehalten, eine Reflexion darüber, wie es mir geht. Beten ist ganz alleine etwas für mich!

 

Beten ist ganz alleine etwas für Gott! Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott mich hört. Ich glaube, dass sich Gott über unseren Dank freut. Und er freut sich darüber, dass wir unser Leben mit ihm teilen. Er nimmt auch unsere Klagen und unsere Beschwerden sehr ernst. Beten ist ganz alleine etwas für Gott!

 

Beten ist ganz alleine etwas für die Anderen, den oder die Andere. Ich denke im Gebet an die Menschen, die mein Leben teilen. Ich sehe die Schülerin, die traurig ist, dass der Vater sie nicht zum Wochenende zu sich geholt hat. Ich sehe die alte Frau, die alleine in ihrer Wohnung sitzt, weil sie nicht genug Kraft hat, um in den Gottesdienst zu gehen. Ich sehe die Frau, die mit dem Krebs kämpft. Ich sehe den Mann, der sich neu verliebt hat nach einer langen einsamen Zeit. Sie alle lege ich an Gottes gutes Herz. Beten ist ganz alleine etwas für die Anderen, den oder die Andere.

 

Das alles ist Beten. Abgeben und empfangen. Frei werden und erfüllt werden. Geborgen sein und losgeschickt werden. Beten ist ein Schatz. Und das Beste ist: Es ist umsonst. Ich kann es immer und überall tun. Niemand kann mich daran hindern.

Schon längere Zeit nicht mehr gebetet? Nehmt das Bild von Käthe Kollwitz mit nach Hause, mit dem wunderbaren Text auf der Rückseite. Probiert es aus! Und wenn ihr am Anfang stottert oder ihr euch selber merkwürdig vorkommt – egal. Erschließt euch diesen Schatz des Lebens.

 

Meine Gedanken gehen zu den Worten des Vaterunsers. Wir werden sie nachher gemeinsam sprechen. Sie sind mir seit so vielen Jahren vertraut. Wie viele Vaterunser habe ich wohl schon gesprochen? Manchmal traurig, manchmal froh, manchmal mit einer dringenden Bitte im Gepäck.

Es ist das Gebet Jesu. Es sind seine Worte für mich. In diesen Worten ist er mir nahe. Und das Vaterunser lässt mich sprechen, wenn ich keine anderen Worte finde. Wenn ich wortlos und sprachlos bin, redet es für mich.

 

Manchmal ist das Vaterunser auch ein Notnagel, ein Halt in der Not. Dies möchte ich euch und Ihnen mit einer Geschichte erzählen:

 

Vaterunser

„Mein Vater stirbt! Bitte helfen Sie uns!“ Solche Notrufe sind auch für die Berliner Polizei nicht alltäglich. Der Anrufer sprach nur gebrochen Deutsch und war außer sich. Man konnte ihn kaum verstehen. Kostbare Zeit verstrich, bis die Wohnanschrift der Familie ermittelt werden und ein Funkwagen auf den Weg geschickt werden konnte. Als die drei Streifenbeamten die Wohnung betraten, bot sich ein Schreckensbild: Der Sterbende lag auf dem Sofa, die arabisch-muslimische Familie stand hilflos und in Schockstarre daneben. Der Vater hatte schon lange Herzprobleme, soviel konnten die Polizisten verstehen. Noch waren Feuerwehr und Notarzt mit der entsprechenden medizinischen Ausrüstung unterwegs. Die Verantwortung lag jetzt allein bei ihnen.

Als Erstes mühen sie sich, den leblosen Mann vorsichtig auf den Fußboden umzubetten. Die Familie verlässt derweil den Raum und beginnt im Flur laut zu beten und zu klagen. Im Wohnzimmer beginnt ein Beamter mit der Reanimation. So, wie er es auf dem Lehrgang kurz zuvor gelernt hatte.

Der zweite Beamte nimmt Kontakt auf zu Feuerwehr und Notarzt, die immer noch auf dem Weg sind.  Wenn sie eintreffen, wird er sie sofort einweisen können in die Situation.

Die dritte Beamtin, eine Berufsanfängerin, hat die Aufgabe, sich um die arabische Familie zu kümmern. Das ist schwierig, weil nur der älteste Sohn etwas Deutsch spricht. Außerdem muss sie sicherstellen, dass die Reanimation nicht gestört wird. Aber es ist gar nicht nötig, die Familie darauf hinzuweisen. Sie alle knien auf dem Boden und beten laut auf Arabisch. Auch wenn sie kein Wort versteht, kann die Beamtin mitfühlen: Kummer und Klage brauchen keine Übersetzung.

Auf einmal weiß sie, wo jetzt ihr Platz ist: Nicht an der Tür zum Wohnzimmer, sondern im Kreis der Familie. Sie kniet sich neben die Mutter und beginnt ihrerseits zu beten. Gemeinsam, auf Deutsch und Arabisch wird zu Gott gefleht, er möge alles zum Guten wenden. Halbbewusst drängt das Vaterunser über ihre Lippen, ein Relikt ihres christlichen Elternhauses. Als die arabische Mutter nach ihrer Hand greift, sie drückt und gar nicht mehr loslassen will, bekommt dieses Gebet auf einmal einen neuen Klang. Wenn Gott unser Vater ist, dann sind alle Menschen Gottes Kinder, ob Muslim, Christ oder nicht religiös. Wir alle sind angewiesen auf Gemeinschaft und Hoffnung!

Als sich die Tür zum Wohnzimmer öffnet, schauen sie hoch. Der Beamte nickt. Der Vater lebt und ist wieder bei Bewusstsein. Gott sei Dank. Amen.

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.

 

Info

Veröffentlicht am9. Mai 2026

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Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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