Predigt am 1.S.n.E. über Matthäus 3, 13-17
(11.1.2026; Auferstehungskirche, Thema: Jesu Taufe und das Leben in der Nachfolge)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.
Liebe Gemeinde!
Der Anfang ist gemacht. Das neue Jahr hat begonnen. Und vielleicht haben Sie, diesen Anfang auch besonders gestaltet: mit guten Wünschen und Vorsätzen für das neue Jahr, mit Schritten zu deren Umsetzung. Ich weiß, dass ich an Silvester davon gesprochen habe, die guten Vorsätze blieben nur bis zum 3. oder 4. Januar. Ich hoffe, Ihre und eure haben länger überlebt.
Der Anfang von einer Sache kann schon entscheidend sein. Die ersten Sätze und der erste Eindruck prägen und bestimmen häufig den weiteren Verlauf eines Gesprächs. Die ersten Stunden am neuen Arbeitsplatz, die ersten Minuten im Unterricht oder auf der Bühne können entscheidend sein. Schaffe ich es, mein Gegenüber zu begeistern? Kommt meine Botschaft rüber? Welchen Eindruck vermittle ich? Ja, mache gehen sogar so weit zu sagen, dass sich innerhalb von wenigen Sekunden entscheidet, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht.
Schauen wir uns den ersten öffentlichen Auftritt Jesu einmal an, wie ihn uns Matthäus erzählt, der die Geschichte Jesu auf seine Weise aufgeschrieben hat:
Um diese Zeit kam Jesus von Galiläa her an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Johannes versuchte, ihn davon abzubringen, und sagte: »Ich müsste von dir getauft werden und du kommst zu mir?« Aber Jesus antwortete: »Zögere nicht, mich zu taufen! Das ist es, was wir jetzt tun müssen. So eröffnen wir den Weg, auf dem der Wille Gottes ohne Abstriche erfüllt wird.« Da gab Johannes nach. Sobald Jesus getauft war, stieg er aus dem Wasser. Da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sagte: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt.«
Jesus hatte am Jordan seinen ersten öffentlichen Auftritt. Er betritt sozusagen zum ersten Mal die Bühne seines Wirkens. Wie er handelt, sagt viel über Jesus, seinen Auftrag und seine Botschaft aus. Jesus startet nicht mit einer spektakulären Regierungsansprache auf einem Berg oder mit einer skandalösen Aufräumaktion im Tempel. Die Visitenkarte, mit der sich Jesus vorstellt, ist keine selbstdarstellende Show. Jesus fängt ganz klein und unten an, Indem er eine große Entscheidung trifft: Er lässt sich taufen.
Er stellt sich damit in die Reihe der Menschen, die es nötig haben, umzukehren, die sich von Gott seine Gnade schenken lassen wollen, die sich selbst als hilfs- und erlösungsbedürftig erkannt haben. Damit setzt Jesus die Linie von Weihnachten fort. Der Gottessohn erweist sich im wahrsten Sinne des Wortes als Heruntergekommener, erst als Krippenkind gebettet auf Stroh, dann getauft mit dem Wasser des Jordans als Zeichen der Reinigung von der Sünde.
So nah kommt der Gottessohn den Menschen mitten hinein ins wahre Leben, ganz, unten, ganz klein und unspektakulär in den Augen der Großen dieser Welt, aber groß und unfassbar für denjenigen, der mit den Augen des Glaubens sieht. So wie Jesus seinen Weg antritt, mag man gespannt sein auf das, was dann noch alles kommt.
Zum Beispiel muss er eines nicht machen, was wir doch so oft gerne tun: Wir vergleichen uns. „Bei mir gehen aber mehr Menschen in den Gottesdienst als bei meiner Kollegin!“ „Ich bin schöner, größer, besser.“ Wir werden von Anfang an darauf getrimmt: Sei gut, ja, sei besser. Das führt später dann dazu, dass das eigene Auto möglichst größer sein muss als das des Nachbarn. „Meins ist aber größer!“ Übrigens eine typisch männliche Domäne. Bei den Frauen heißt es da eher: „Meine Tochter konnte schon mit 14 Monaten laufen.“ „Mein Sohn hat ja das Studium gut abgeschlossen.“ „Ich kann stolz auf meine Kinder sein.“
Johannes der Täufer war damals ein wirklich sehr angesehener Prediger. Seine Predigt der Buße hatte Gewicht in Israel. Er war sozusagen berühmt. Nach menschlichen Maßstäben müsste Jesus jetzt versuchen, ihn zu übertrumpfen. Und ich denke er hätte kein Problem gehabt, ein spektakuläres Wunder geschehen zu lassen. Doch Jesus ordnet sich Johannes unter, bittet ihn, ihn zu taufen.
Johannes, der Jesus taufen soll, kommt ins Schleudern. Den Sohn Gottes zu taufen, das steht mir doch gar nicht zu - so tritt Johannes Jesus gegenüber. Doch Jesus sagt deutlich, dass es um Himmelswillen so sein muss. Es gibt einfach Dinge, die kann man nicht selbst tun, die müssen an einem geschehen, die müssen uns geschenkt werden. Das ist auch bei Jesus so. Um vor Gott gerecht zu werden, um vor ihm bestehen zu können, muss man sich von der Liebe Gottes beschenken lassen. Am Anfang steht nicht das eigene Bemühen, das eigene Verdienst, sondern das Geschenk der Liebe.
Der Himmel öffnet sich, als Jesus getauft wird, und die Liebeserklärung Gottes ist zu hören. Gott bekennt sich zu Jesus und damit zu uns Menschen. Er ist unser Vater und wir dürfen seine Kinder sein - so lautet der Wille Gottes. Und der Geist Gottes, der in Form einer Taube auf Jesus herunterkommt, ist das sichtbare Zeichen, wie Gott wirklich denkt: Friede und Versöhnung sollen zwischen Gott und den Menschen und in dieser Welt sein.
Was aber hat das mit uns heute 2026 hier in der Auferstehungskirche zu tun? Wir wollen heute in der Nachfolge Jesu leben? Und wir leben in einer Welt, die immer verrückter zu sein scheint. Was sollen wir heute tun? Was ist richtig, was ist falsch?
Jesu Taufe war ein weiterer Schritt Gottes auf die Menschen zu. In vielfacher Gestalt begegnet der den Menschen aus Israel, den Menschen auf der Welt, Um dann noch näher zu sein, wird Gott zum Kind in der Person seines Sohnes. Dieser wird getauft und Gott sagt sehr eindeutig: Der gehört zu mir. Den habe ich lieb. Der lebt und handelt in meinem Auftrag. Der ist mir wichtig.
Dadurch ist die Taufe eingesetzt worden. In der eigenen Taufe hat jeder von uns Anteil an diesem großartigen und guten Anfang. Wir erfahren, dass wir der Liebe Gottes sicher sein können. Dieser Anfang ist entscheidend. Er ist das Beste, das uns passieren konnte: dass wir zu Gott gehören, dass wir seine Kinder sind, dass wir seinen Namen tragen. Jetzt ist es an uns, diesen Anfang fortzusetzen und ihn in die Welt weiterzutragen.
Für mich bedeutet dies: Lasst uns Jesus als Vorbild nehmen für unser Leben.
Das erste was mir vor Augen kommt: Jesus hatte eine ganz enge Beziehung zu Gott. Immer wieder heißt es in den Berichten des neuen Testaments, dass er sich in die Stille zurückzog, das Gespräch mit seinem Vater suchte.
Nicht nur Jesus war Gottes Sohn. Durch Gottes Liebe dürfen wir uns Kinder Gottes nennen. Auch wir brauchen die Nähe zu Gott, die intensive Begegnung. Also nehmen wir uns im Gebet, in der Stille Zeit für Gott. Erst, wenn der Kontakt zu Gott da ist, dann kann ich in der Nachfolge Jesu leben.
Ein Zweites: Wenn wir Jesus betrachten, dann sehen wir, dass Jesus nicht in den Kategorien von oben und unten dachte, dass ihm Konkurrenz fremd war. Es ging Jesus immer um den ganz konkreten einzelnen Menschen. Und dabei war es ihm völlig egal, wie groß, wie mächtig, wie stark jemand war.
Versuchen auch wir so zu leben. Lassen wir uns nicht blenden von Macht, Größe, Reichtum oder Einfluss. Versuchen auch wir den Menschen neben uns zu sehen, was er und sie in erster Linie sind: Gottes geliebtes Kind.
Ein Drittes: Wir sind jeden Tag herausgefordert als Christin und Christ zu leben, uns zu fragen, welche Aufgaben uns heute gestellt sind, was richtig ist, zu tun. Was hätte Jesus heute getan? Was sollen wir heute tun?
Für Jesus war völlig klar: Gewalt kann niemals eine Lösung sein, schon gar nicht im Namen Gottes. Also stehen wir auf und sagen deutlich: Eure Gewalt ist falsch. Ihr macht uns Angst und dennoch vertrauen wir darauf, dass Gottes Liebe größer ist als aller Hass. Weil wir aus dieser Liebe leben, lassen wir uns nicht zum Hass verführen. Wir leben mit unseren Nachbarn zusammen, mit den Muslimen und den Muslima in unseren Kindergärten und Schulen. Wir arbeiten gemeinsam in den Betrieben und Werken. Wir kaufen in den gleichen Läden ein. In den Familien gibt es die gleichen Sorgen wie überall. In Jesu Namen werdet ihr keinen Keil zwischen uns und unsere Nachbarn treiben. Wir leben aus einer Liebe, die auch euch meint. Wenn ihr euch dem Hass verschreibt, werdet ihr verlieren!
Ein letztes: Leben in der Nachfolge bedeutete für Jesus ein bewusstes Leben, ein Leben mit Verantwortung. Aber auch ein Leben, in dem ich auf mich selbst achten darf und muss. Leben in der Nachfolge heißt auch: Lerne dich selbst anzunehmen – auch wenn noch so viel dagegen zu sprechen scheint. Nimm dich selbst an, wie Gott dich angenommen hat.
Schließen möchte ich mit einem schönen Gedicht:
Was Gott dir bei der Taufe verspricht
Gott verspricht, dich zu begleiten,
jeden Tag deines Lebens.
So wünschen wir dir nun,
dass du den Begleiter siehst,
wohin dein Weg auch führt.
Gott verspricht, dich zu umgeben,
wo immer du auch bist.
So wünschen wir dir nun,
dass du seine Nähe spürst,
überall auf der Welt.
Gott verspricht, dir einen Engel zu schicken,
der dich behütet auf allen Wegen.
So wünschen wir dir nun,
dass du den Engel erkennst,
in welcher Gestalt er auch kommt.
Gott verspricht, dich bei deinem Namen zu rufen,
denn du bist sein.
So wünschen wir dir nun,
dass du seine Stimme erkennst,
in welcher Sprache er dich auch ruft.
Gott verspricht, dir die Hand zu reichen,
denn er ist dein Tröster.
So wünschen wir dir nun,
dass du seine Hand ergreifen kannst,
denn du bist sein Kind.
Gott verspricht, dir ewigen Frieden zu schenken,
denn er ist Anfang und Ende.
So wünschen wir dir nun,
dass du Frieden findest auf all deinen Wegen.
Wir wünschen dir Gottes reichen Segen! Amen.
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Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.