Navigation überspringen
Startseite
  • Seelsorge & Beratung
    • Telefonseelsorge
    • Notfallseelsorge
    • Krankenhausseelsorge
    • Schutzkonzept gegen Sexualisierte Gewalt
    • Diakonie
  • Lebensschritte
    • Kircheneintritt
    • Taufe
    • Konfirmation
    • Trauung
    • Bestattung
  • Gottesdienste
    • Kalender
  • Gemeindeleben
    • Kalender
    • Kinder & Familien
    • Jugendliche
    • Erwachsene
    • Kirchenmusik
    • Kirchenmusikflyer
  • Evangelisch in Neuss
    • Ev. Kindergärten
    • Ev. Schulen
    • Ev. Religionsunterricht
    • Familienbildungsstätte
    • Erwachsenenbildung
    • Geschichte
    • Neuigkeiten-Archiv
  • Kontakt
    • Ansprechpersonen
  • Gemeinden
    • Evangelisch in Neuss
    • Stadtgemeinde Neuss
    • Kirchengemeinde Neuss-Süd
    • Kirchengemeinde am Norfbach

Predigt über Jesaja 66

© Jens Bielinski-Gärtner
Predigt an Lätare über Jesaja 66, 10-14
(15.3.2026; Auferstehungskirche)

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.      

Liebe Gemeinde!

Irgendwie scheint die Menschheit nicht dazu zu lernen. Die Bilder aus dem Krieg im Iran kommen mir doch sehr bekannt vor. Wer die massiven Zerstörungen sieht der fühlt sich an bekannte Bilder erinnert. Eine zerstörte Stadt sieht überall gleich aus. Teheran sieht genauso aus wie Gaza, Gaza sieht genauso aus wie Kiew, Kiew sieht genauso aus wie Damaskus, Damaskus sieht genauso aus Dresden, Dresden sieht genauso aus wie Jerusalem vor langer Zeit. Krieg hinterlässt Zerstörung, Elend und Not. Aber der Mensch lernt nicht. Nebukadnezar, der babylonische König, Donald Trump Assad, Benjamin Netanjahu und Vladimir Putin – sie alle glaubten und glauben, dass Krieg die Lösung sei. Und das Ergebnis? Zurück bleiben traumatisierte Menschen, zerstörte Städte, hilflose Menschen, völlig am Ende.

587 v. Christus war das alles nicht anders gewesen. Vor 2623 Jahren wurde Jerusalem nach einer Belagerung völlig zerstört. Der israelitische König Zedekia hatte sich völlig wahnsinnig gegen den babylonischen König erhoben. Er hoffte wohl auf den Beistand Ägyptens. Es folgte die Katastrophe. Das Schlimme aber war nicht nur die Zerstörung der Stadt, sondern die Zerstörung des Tempels. Nicht nur Jerusalem war so gut wie ausradiert, auch Gott war weg. Er hatte keinen Wohnsitz mehr. Pure Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und Resignation folgten.

In diese Situation hinein spricht der Prophet Jesaja. Er hatte jahrelang gewarnt. Nun aber spricht er in völlig neuen Tönen zu den verzweifelten Menschen.

10 Freut euch mit der Zionsstadt, jubelt über ihr Glück, ihr alle, die ihr sie liebt und denen ihr Leid zu Herzen geht! 11 Sie wird euch teilgeben an der Fülle ihrer Herrlichkeit; ihr werdet an ihrer Mutterbrust saugen und mit Glück gesättigt werden. 12 Ich, der HERR, verspreche: Ich schenke der Zionsstadt Frieden und Wohlstand; der Reichtum der Völker wird ihr zufließen wie ein nie versiegender Strom. Ihr werdet an ihren Brüsten saugen, ihr werdet euch fühlen wie Kinder, die auf dem Arm getragen und auf den Knien gewiegt werden. 13 Ich werde euch trösten, wie eine Mutter tröstet. Das Glück Jerusalems wird euch glücklich machen. 14 Wenn ihr das erlebt, werdet ihr voll Freude sein; neuer Lebensmut wird in euch erwachen, so wie im Frühling das frische Grün sprosst.« Ja, der HERR zeigt seine rettende Macht an denen, die ihm treu sind; aber seine Feinde bekommen seinen Zorn zu spüren.

Glück, Frieden, Wohlstand, Reichtum – unbekannte Worte. Und dazu das Bild eines säugenden Babys. Beschützt und Geborgen. Mehr Frieden geht nicht. Mehr Geborgenheit geht nicht. Geborgenheit gegen die Verzweiflung, Frieden anstelle von Krieg, Glück anstelle von Vernichtung, Wohlstand und Reichtum anstelle von Armut und Not. Gott sagt: Ich komme, ich bin da, ich habe euch nicht vergessen. Jetzt wird alles anders.

Was aber hat das mit uns zu tun, heute 2026 in Neuss in der Auferstehungskirche?

Bevor ich versuche, auf diese Frage zu antworten, möchte ich Sie und Euch noch einmal 80 Jahre zurückführen in das Jahr 1946. Ich möchte an dieser Stelle Barbara Sieghardt erzählen lassen. Sie war ein Mädchen Ende des Kriegs und sie erzählt von der Situation in Ludwigshafen kurz nach dem Krieg.

Einmal angekommen, musste ich in der mir völlig fremden Trümmerlandschaft den Weg zu meiner Schule suchen, die tatsächlich den Krieg überstanden hatte. Das war mühsam - mehr als zwei Jahre waren seit meinem letzten Schulbesuch vergangen.

Es ging vorbei an vielen Ruinen. Die Trümmer waren inzwischen weggeräumt, aber die Straßen hatten ihr Aussehen stark verändert. Als wir Kinder in der Wittelsbachschule ankamen, stellten wir fest, dass kaum noch Fensterscheiben in den Fenstern waren, stattdessen waren die Fenster mit "Pappendeckeln" verklebt. Die Wände des Klassenzimmers waren beschädigt - die vielen Luftangriffe hatten ihre Spuren hinterlassen. Es war ein großer Raum mit über 50 Kindern.

Da es keine funktionierende Heizung mehr gab, behielten alle ihre Mäntel und Schals an, teilweise auch die Mützen. Der Lehrer war noch der Herr Weyand, den wir in der ersten Klasse gehabt hatten. Aber jetzt sagte er: "Guten Morgen, Kinder", und nicht mehr "Heil Hitler", wie damals.

Mindestens ein Drittel der Schüler waren Flüchtlingskinder aus Schlesien, Ostpreußen und anderen deutschen Ostgebieten. Man hörte das sofort an der Sprache. Nach kürzester Zeit brachten wir Läuse und Flöhe nach Hause, später kam auch noch Krätze dazu, ebenso wie alle möglichen Sorten von Würmern. Kurz: Ich erinnere mich an diese Zeit nur mit großem Schaudern. Es hat Monate gedauert und unangenehmste Therapiemethoden mit sich gebracht, bis wir diese Seuchen alle überstanden hatten.

Als wir die Wohnung betraten, waren wir entsetzt. Fast alle Fenster waren kaputt, die fehlenden Scheiben, durch den Luftdruck zerstört, waren durch Pappe ersetzt und verklebt.

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit in unserer alten Wohnung in der Lisztstraße wollten wir Kinder endlich die Ruine unseres Großelternhauses ansehen.

Eines Tages marschierten wir also mit unserem Vater dorthin. Das Haus war von einer Brandbombe getroffen worden. Das Dachgeschoss, alle Fensterrahmen und Türen, sowie das hölzerne Treppenhaus waren ausgebrannt, der ganze Vorgarten glich einer einzigen Schutthalde. Und dieser entsetzliche Brandgeruch, der dort überall wahrnehmbar war!

Ich brach in Tränen aus, als ich die ganze entsetzliche Wirklichkeit begriff. Wir Kinder fingen an, in den Schuttbergen zu wühlen, ob denn nicht doch irgendetwas von unseren Schätzen in den Trümmern zu finden sei.

Und wirklich - es grenzte fast an ein Wunder - sah ich, als die Sonne plötzlich ein paar Strahlen schickte, dass unter verschiedenen verkohlten Brocken etwas blinkte. Ich wühlte so lange, bis ich das blinkende Etwas in der Hand hielt: Es war eine metallene Zigarettenschachtel, von der Hitze etwas blau verfärbt, aber nicht verformt.

Ich konnte das Schächtelchen öffnen - es befanden sich die schönsten Perlen darin, die meine Großmutter für ihre Bastel- und Stickarbeiten gesammelt hatte! Ich weinte vor Freude, dass wenigstens dieses kleine Andenken an schöne, frühere Zeiten erhalten geblieben war.

Ein kleines Schatzkästchen bringt etwas Trost in das Leben von Barbara Sieghardt. Ein kleines Kästchen, mehr nicht. Aber es hilft, es macht Mut. Es geht etwas Tröstendes Heiles von ihm aus.

Es bleibt immer noch die Frage, was das alles mit uns heute zu tun hat.

Zuallererst hoffe ich, dass wir in Neuss nie wieder so eine Verwüstung selbst erleben. Ich hoffe, dass wir weiterhin in Frieden leben können.

Und doch kennen wir auch Verwüstungen des Lebens, die uns selbst betreffen. Und diese Verwüstungen können in ganz unterschiedlicher Form über uns hereinbrechen: Eine plötzlich auftretende Krankheit, die das Leben beeinträchtigt. Das Gefühl von Sinnlosigkeit, das uns ergreift. Ein Abschied von Menschen, die uns wichtig waren. Eine Depression, die uns völlig gefangen nimmt. Ein Verlassenwerden, mit dem wir nicht gerechnet haben. Unser Leben kennt tausend Fallstricke und Schicksalsschläge. Sie und Ihr, wir haben davon schon einige erlebt.

Und dann? Dann brauchen wir Gottes Zusage: „Ich komme, ich bin da, ich habe dich nicht vergessen. Jetzt wird alles anders.“ Und wir brauchen wie Barbara Sieghardt ein kleines Schätzkästchen, das nur für mich selbst ist. Einen Schatz, der nicht wieder verloren gehen kann.

Wir möchten euch am Ausgang solch ein kleines Schatzkästchen schenken. In diesem kleinen Schatzkästchen sind Trostworte Gottes, zwei oder drei biblische Trostworte. Nehmt dieses Schätzkästchen mit. Bewahrt es gut auf. Und wenn ihr es braucht, dann macht es auf und lasst euch trösten. Denn Gott sagt auch zu dir: „Ich komme, ich bin da, ich habe dich nicht vergessen. Jetzt wird alles anders.“ Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.

Info

Veröffentlicht am14. März 2026

In den Neuigkeiten vonTageslosung

Alle Neuigkeiten

Autor:in

Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

Kommen Sie in Kontakt

Pfarrpersonen,
Beratung, Ämter …

Begleitung in allen Lebensphasen

Taufe, Hochzeit,
Bestattung …

Impressum Datenschutzerklärung © 2026 Evangelischer Gemeindeverband Neuss