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Predigt über 5. Mose 7, 6-12

© Jens Bielinski-Gärtner
Predigt am 6.S.n.Tr. über Deuteronomium 7, 6-12

(12.7.2026, Auferstehungskirche, Thema: „Die Liebe Gottes“)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Liebe Gemeinde!
Die Liebe ist etwas Wunderschönes. Ohne die Liebe wäre unsere Welt nicht lebensfähig. Ohne die Liebe wäre die Welt so kalt, dass wir erfrieren würden.

Ohne Liebe würde keiner heute Morgen hier sitzen. Wenn unsere Eltern sich nicht geliebt hätten, dann wären wir nicht da! Und auch wenn sie uns nicht geliebt hätten, dann wäret wir jetzt nicht so, wie wir sind.

 

Dabei gibt es viele unterschiedliche Formen von Liebe. Die erotische Liebe zweier eigenständiger Partner, die zärtliche Liebe, das erste Verliebtsein mit den Schmetterlingen im Bauch.

Es gibt die Liebe der Eltern zu ihren. Es gibt die Liebe der Kinder zu den Eltern – auch wenn Kinder und Eltern auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass diese Liebe manchmal sehr strapaziert wird.

Wir merken, die Liebe ist für unser Leben so wichtig wie das Atmen. Ohne Liebe würden wir verkümmern wie Blumen ohne Wasser.  

 

Und die Liebe wächst mit der Erfahrung. Wenn ich wirklich erfahre, dass ich mich auf jemanden verlassen kann, wächst die Liebe Stück für Stück und wird tragfähiger. Das haben nicht nur die Erwachsenen, sondern auch Kinder und Jugendliche schon erfahren, denn schließlich ist deren Weg mit den Eltern, den Großeltern und den geliebten Geschwistern ja auch schon recht lang.

 

Und wenn die Erfahrung der Liebe lang und intensiv genug war, dann wird der oder die andere ein Teil von einem selbst. Wir sprechen dann manchmal von der „besseren Hälfte“. Menschen wachsen dann zusammen. Und in der Vergangenheit haben wir schon oft gemerkt, wie schwer es dann fällt Abschied zu nehmen.

 

Auch unser Predigttext spricht von der Liebe. Für jeden Sonntag im Jahr ist ein bestimmter Text aus der Bibel vorgeschlagen. Für heute ist es ein Stück aus dem 5. Buch Mose, aus dem alten Teil der Bibel, dem Alten Testament. Dort wird berichtet von der Liebe Gottes zu seinem Volk Israel.

 

Denn ihr seid ein Volk, das ausschließlich dem HERRN gehört. Der HERR, euer Gott, hat euch unter allen Völkern der Erde ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht.

Das tat er nicht etwa, weil ihr größer seid als die anderen Völker - ihr seid vielmehr das kleinste unter ihnen! Nein, er tat es einzig deshalb, weil er euch liebte und das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hatte. Nur deshalb hat er euch herausgeholt aus dem Land, in dem ihr Sklaven wart; nur deshalb hat er euch mit seiner starken Hand aus der Gewalt des Pharaos befreit.

Er wollte euch zeigen, dass er allein der wahre Gott ist und dass er Wort hält. Er steht zu seinem Bund und erweist seine Liebe bis in die tausendste Generation an denen, die ihn lieben und seine Gebote befolgen.

Aber alle, die sich ihm widersetzen, bestraft er auf der Stelle und vernichtet sie. Er wird nicht zögern, sondern jeden auf der Stelle vernichten, der ihn missachtet.

Darum haltet euch stets an seine Weisung, an die Gebote und Rechtsbestimmungen, die ich euch heute verkünde!

Wenn ihr dem HERRN, eurem Gott, treu bleibt und auf seine Gebote hört und sie befolgt, wird auch er treu sein und zu den Zusagen stehen, die er euren Vorfahren gegeben hat.

 

Wir hören von der Liebe Gottes. Und zwar ist es eine besondere Liebe. Es ist die Liebe Gottes zu seinem Volk Israel. Damals wie heute ist es kleines Volk. Damals wie heute besteht Gottes Liebe zu diesem Volk noch. Eine lange Geschichte verbindet beide miteinander. Auch davon berichtet unser Predigttext.

Es ist die Geschichte, die ihr und die Sie teilweise bestimmt kennen. Die Geschichte des Volkes Israels, das gezwungen wurde, in Ägypten Städte und Pyramiden zu bauen. Ein Volk, das vom ägyptischen Pharao in Gefangenschaft gehalten wurde. Das dann unter der Führung von Mose flüchtete und mit Gottes Hilfe viele Jahre lang in der Wüste überlebte. Und schließlich erreichte es das Land, das Gott ihm versprochen hatte: Kanaan. Dieses Land nennen wir heute Israel und Palästina und Gottes Volk wohnt immer noch dort. Die Geschichte der Liebe zwischen Gott und Israel währt nun viele Jahrtausende. Und es ist eine intensive tragende Liebe daraus geworden.

 

Und als dann der Sohn Gottes, Jesus, auftrat, wurde klar, dass diese Liebe Gottes auch alle anderen Menschen umschließt. Denn Jesus hat allen von der Liebe Gottes erzählt.

 

Ist die Liebe Gottes heute für uns überhaupt noch wichtig?

Bringt mir die Liebe Gottes überhaupt etwas?

 

Ja. Ich erfahre für mich persönlich immer wieder die Liebe Gottes. Ich erfahre sie in der Begegnung mit Menschen, die mich erfüllt. So wird mir die Begleitung von vielen Kranken und Sterbenden immer in lebendiger Erinnerung bleiben. Oft konnten wir die Nähe und die Liebe Gottes mit Händen greifen. Es war die Liebe Gottes, die Menschen hat friedlich sterben lassen.

 

Ich erfahre sie in der Kraft und dem Mut, die er mir schenkt. Manchmal habe ich echt die Nase voll. Und dann möchte ich am liebsten nichts und niemanden mehr sehen. Und doch bekomme ich immer wieder neue Kraft und neuen Mut.

 

Gerade in den letzten Wochen und Monaten habe ich oft Liebe gesehen und Liebe erfahren. Es ist absolut irre, was Menschen sich alles haben einfallen lassen, um andere zu unterstützen, ihnen zu helfen. Als ein Beispiel von so vielen mag ich die Betreuung von Kindern hier an der Auferstehungskirche nennen. Seit Jahren hat Christina Herrmann zusammen mit anderen Helferinnen den Kindern geholfen, die durch Corona ins Hintertreffen geraten sind. So haben die Kinder Liebe erfahren dürfen. Liebe, die weitergegeben wurde.

 

An vielen Stellen meines Lebens habe ich die Liebe Gottes erfahren. Nicht so, dass ich jeden Tag etwas dümmlich grinsend und 10 Zentimeter über dem Boden schwebend durch die Gegend laufe. Es ist eher wie ein festes Fundament, auf dem ich stehe. Vielleicht vergleichbar für Jugendliche wie der beste Freund, die beste Freundin, auf die man sich verlassen kann. Von dem oder der man weiß: Die hauen mich nicht in die Pfanne. Da gibt es jemanden, der mich verlässlich mag. Und das ist was sehr Wichtiges.

 

Ich hoffe darauf, dass wir gemeinsam lernen, in der Liebe Gottes zu leben. Und dass wir dabei die Liebe zu uns selbst und zu anderen entdecken.

 

Aufhören möchte ich mit einer Geschichte, die den Titel trägt „Ulrich Herbst“:

 

„Hört mal zu", ruft Tina vom Tisch herüber. „Hier steht was Komi­sches in der Zeitung: Vor dem Schwesternheim in der Altstadt hat ein Schuhkarton gestanden. Darin hat ein kleiner Junge gelegen. Die Schwestern haben ihn aufgenommen und ihm einen Namen gegeben. Herbst heißt er, Ulrich Herbst. Weil gestern Herbstanfang war“ Krischi findet das nicht spaßig. Er weiß genau, dass kleine Kinder nicht im Schuhkarton auf die Welt kommen und dann bei den Leuten vor der Haustür stehen. Er ist Vaters Kind und Mutters Kind und Tinas und Thomas' Bruder, auch wenn die manchmal blöd sind. Aber wer ist Ulrich Herbst? Warum hat der nicht Vater und Mutter? Krischi gefällt das nicht. Es ist nicht in Ordnung, denkt er, warum gibt es das? Wenn ihm das nun passiert wäre — man kann das gar nicht weiter denken — das Zimmer wird ihm plötzlich zu eng, und er läuft in die Küche und sucht Mutti. Vielleicht holt sie das fremde Kind hierher oder bringt es seiner eigenen Mutter zurück, dieser merk­würdigen Frau, die ein Kind verschenkt wie eine Puppe. Krischi fragt und fragt, aber Mutti muss ja selber erst darüber nach­denken. Vielleicht hat die Frau Angst gehabt? Und nicht genug Kraft? Kraft! Das ist auch so ein Wort! Sein Freund Michael hat viel Kraft, der haut alle um. Braucht man Kraft für ein kleines Kind? Und nicht genug Liebe. — Aber warum, will Krischi wissen. — Weil man sie selbst nicht genug lieb gehabt hat, die Frau? Ja, das versteht er schon besser. Wenn man nicht lieb gehabt wird, kann man auch andere nicht lieb haben. Das geht dann immer so wei­ter. Dann kann Ulrich Herbst andere auch wieder nicht lieb haben. Die Schwestern, die müssten das schaffen. Irgendjemand muss doch auf­hören damit, die Liebe muss wieder von vorn anfangen. Kann sie das? Ja, sagt Mutter, das kann sie. Amen.

 

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

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Veröffentlicht am11. Juli 2026

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Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

02131 470134

dirk.thamm@ekir.de

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