Predigt an Jubiläum über 1. Samuel 16
(5.7.2026; Auferstehungskirche, Thema: Schön, dass du da bist)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen
Liebe Gemeinde!
Wir haben gerade eben in der Lesung die Geschichte von Samuel und David gehört. Da wird der Prophet Samuel von Gott beauftragt, einen neuen König zu salben. Und so geht Samuel zu der großen Familie hin, aus der der neue König stammen soll. Ich kann mir gut vorstellen, dass Samuel bestimmt sehr gespannt ist, wer der neue König sein soll. Bestimmt hat er eine Vorstellung davon, wie der neue König am besten wäre.
Und dann geht es Samuel wohl wie uns allen auch. Er lässt sich von der äußeren Erscheinung der möglichen Königskandidaten täuschen. Als der erste Kandidat kommt, groß und stark, da ist sich Samuel sicher: Der wird König. Doch es kommt ganz anders. Der Kleinste und Schmächtigste ist von Gott erwählt worden: David. Und in diesem Zusammenhang lautet die Botschaft Gottes an Samuel „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist. Der Herr aber sieht das Herz an.“ Und der Blick Gottes bewahrheitet sich. David wird zum größten König in der alten Geschichte Israels. Sein Sohn Salomo baut dann den großen Tempel, bis heute der Identifikationspunkt aller Glaubenden.
Gott sieht den Menschen anders an, auf seine ganz eigene Weise. Er sieht nicht das Äußere, er sieht direkt in das Herz. Und vor allem sieht er den Menschen an mit den Augen dessen, der diesen Menschen selbst ins Leben gerufen hat. Niemand kennt den Menschen besser als der, der ihn selber gemacht hat. Und noch etwas ist ganz entscheidend. Gott sieht den Menschen an mit den Augen der Liebe. Es gibt keinen einzigen Menschen auf dieser Welt, den Gott nicht liebt, keinen und keine Einzige, die Gott nicht liebevoll anblickt.
Aber was hat diese alte Geschichte von der Berufung Davids mit uns heute zu tun, mit dem Diakoniewerk Neuss-Süd, dessen Bestehen über 60 Jahre wir heute feiern - mit dem Heinrich-Grüber-Haus, was nun 50 Jahre lang steht?
Es ist dieselbe Sichtweise, mit der Gott David ansieht und mit der er uns heute ansieht. Und diese Art, wie Gott uns ansieht, hat große Konsequenzen für unser eigenes Leben und Handeln.
Nicht nur David wurde von Gott mit Talenten und Möglichkeiten ausgestattet. Gott gibt jeder und jedem von uns Talente und Fähigkeiten mit. Und wie er David mit den Augen der Liebe angesehen hat, so sieht er auch jeden von uns mit den Augen der Liebe an. Und alles wird in diesem einen kleinen Satz zusammengefasst: „Schön, dass du da bist!“
„Schön, dass du da bist!“ Dieser Satz macht etwas mit uns, mit mir mit Ihnen, mit dir. Zuerst macht er mich stark. „Schön, dass du da bist!“ bedeutet für mich: Gott freut sich über mich. Und ich bin einfach okay, so wie ich bin. „Schön, dass du da bist!“ bedeutet Gott vertraut mir, Gott traut mir etwas zu. Und das beflügelt mich, das gibt mir Mut. „Schön, dass du da bist!“ Weil Gott mich mit Liebe ansieht, kann ich mich selbst auch mit den gnädigen Augen der Liebe ansehen. Mit allen Macken und Fehlern, auch mit dem, was ich an mir selbst nicht mag, sagt Gott: „Schön, dass du da bist!“
- Pause –
„Schön, dass du da bist!“ hat aber noch eine ganz andere Konsequenz. Schauen Sie sich, schaut ihr euch bitte einmal um. Guckt einfach mal auf die vielen Menschen, die heute hier sind.
- Pause –
Es gibt in dieser Kirche niemanden, zu dem Gott nicht sagt: „Schön, dass du da bist!“ Alle werden wir mit den Augen der Liebe angesehen. Alle sind wir wertvoll, liebenswert, vor Gott großartig. Das aber heißt für mich: Jeder Mensch hat meinen Respekt, meine Achtung verdient. Jeder hat es verdient, gut von mir behandelt zu werden. Und genau das prägt meine eigene Sicht auf die Menschen. Und es prägt auch meine Art, unsere Art, mit Menschen umzugehen.
Wir haben ja gerade die tollen Beispiele aus dem Heinrich Grüber Haus, aus der Tagespflege, aus der Offenen Ganztagsgrundschule, aus der Kita und dem ambulanten Pflegedienst gehört. Wir haben gehört, wo unsere Mitarbeitenden das erleben und weitergeben „Schön, dass du da bist!“ Wenn Kinder Vertrauen gewinnen - „Schön, dass du da bist!“ Wenn unter Mitarbeitenden das Gefühl entsteht „Wir schaffen das gemeinsam.“ „Schön, dass du da bist!“ Wenn Menschen im Heinrich-Grüber Haus heimisch werden „Schön, dass du da bist!“ Wenn man bei der Pflege mit Freude und Vertrauen begrüßt wird „Schön, dass du da bist!“ Wenn man gemeinsam das Leben feiert. „Schön, dass du da bist!“
Und genauso erlebe ich auch das Werk und unsere Mitarbeitenden. Alle begegnen den Menschen mit Achtung und Respekt. Egal an welchem Fleck sie gerade arbeiten. Vom kleinen Kind bis hin zur 107 alten Margarete Kuczinski werden alle mit Liebe betrachtet und behandelt. Egal, ob es die Arbeit in der Küche ist, als Erzieherin in der Kita, als Hausmeisterteam, als Putzkraft, in der Wäscherei, in der Verwaltung, in der OGS, in der Leitung, am Empfang, im sozialen Dienst, als Krankenschwester, Pfleger, als Gärtner oder wo auch immer. Wir haben 560 Menschen in unserem Werk, die einen wirklich tollen Dienst leisten. „Schön, dass du da bist!“ Das genau bedeutet für mich der Kern der Arbeit der Diakonie. Den Menschen mit Liebe und Achtung, mit den Augen Gottes begegnen.
Das klingt jetzt alles ganz großartig. Augen der Liebe, nette Kollegen, Gemeinschaft, wir schaffen das. Aber das ist ja leider nur ein Teil der Wahrheit. Manches Kind in der OGS kann einen wirklich zur Weißglut treiben. Manche Elternteile werden von den Kindergartenleitungen am liebsten von hinten gesehen. Manche Angehörige von Bewohnern des Altenheims schreiben anonyme Briefe oder werfen mit falschen Anschuldigungen nur so um sich. Wie viele Pflegerinnen mussten sich schon in der häuslichen Pflege mit aufdringlichen Angehörigen rumschlagen. Und manche Kolleginnen und Kollegen sind einfach schrecklich. Und was ist nun mit den „Augen der Liebe“ und mit den „Schön, dass du da bist!“?
Die Augen der Liebe darf ich gerne auch auf mich selber richten. Auch ich selbst bin es wert, dass ich respektvoll und mit Achtung behandelt werde. Das kann und muss ich Anderen so mit Nachdruck sagen können, damit sie es verstehen.
Und schließlich ist unser Gott kein Schönwetter-Gott, sondern gerade dann, wenn wir ihn brauchen, dann ist er für uns da. Das gilt für die Menschen, die uns anvertraut sind. Kraft, damit das kleine Kind Vertrauen finden kann. Kraft, damit der ältere Mensch heimisch werden kann. Kraft, damit die Schule geschafft werden kann. Kraft, damit das Leben bewältigt werden kann.
Und wenn ich selber mal nicht mehr kann? Das kann ich zu Gott gehen und sagen: Ich kann nicht mehr ,ich weiß nicht weiter. Und dann werden wir spüren, was es bedeutet „Schön, dass du da bist!“
Sie alle, ihr alle habt auf dem Platz ein kleines Bild am Eingang bekommen. Und auf diesem Bild ist unübersehbar abgedruckt: „Schön, dass du da bist!“ Nehmt es mit in euren Alltag – an den Arbeitsplatz oder Zuhause. Es soll Sie und euch erinnern an den, in dessen Auftrag wir handeln und an den, der uns selber sagt: „Schön, dass du da bist!“ Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.