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Predigt über 1.Petrus 2, 21b-25

© Jens Bielinski-Gärtner
Predigt an Misericordias Domini über 1.Petrus 2, 21b-25

(19.4.2026; Auferstehungskirche, Thema: Mein Glaube verändert sich)

 

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen      

 

Liebe Gemeinde!

Man kann es schon fast nicht mehr hören. Jeder Tag bringt neue Berichte über Gewalt und Terror, über Ungerechtigkeiten in dieser Welt. Da bekriegen sich auch im 21. Jahrhundert Staaten. Da versuchen viele Reiche sich noch reicher zu machen ohne Rücksicht auf die Moral oder anderes.

Was bleibt übrig? Viele beschädigte Seelen, Menschen, die ihren Glauben verlieren. So sagte mir eine Frau in der letzten Woche: „Herr Thamm, woran soll ich denn noch glauben?“

 

Glaube, der zu zerbrechen droht. Da fühle ich mit. Der Schmerz und die Zweifel gehen mir nahe, genauso wie das Leiden in der Welt. Was bisher galt, gerät ins Schwimmen. Der gute Hirte wird zum Trugbild. Kann ich angesichts dieser Welt noch an einen guten Gott glauben? Wo ist denn der gute Hirte, der angeblich über mir wacht, der auf mich aufpasst?

 

Das Leitbild dieses Sonntags: Der gute Hirte. Eine Idylle tritt mir vor Augen: Hirten, die unter Bäumen lieblich Flöte spielen und mit den Hirtinnen schäkern. Ein beliebtes Motiv der Künstler und Dichter. Die Wirklichkeit aber sah anders aus: Ihr Alltag im kargen Land Palästinas war hart und rau. Neben die ständige Sorge um Wasser und Weide traten die Gefahren für die Herde: Krankheit, Diebstahl, Raubtiere.

 

Der gute Hirte. Das Bild hat dennoch einen guten Klang in meinen Ohren. In meinen Kindertagen war mir eines der liebsten Gleichnisse Jesu das von dem kleinen Schaf, das verloren ging und für das der gute Hirte seine anderen 99 zurücklässt, um dieses eine zu suchen. Grenzenloses Gottvertrauen hat diese Geschichte als Kind in mir geweckt. Genauso wie mein Nachtgebet: "Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen, als Jesus allein." Wenn sich dann nach dem abendlichen Gute-Nacht-Ritual die Kinderzimmertür hinter meinen Eltern schloss, schlief ich ein in dem wunderbaren Gefühl, dass Jesus, den ich mir immer als netten kleinen Jungen vorstellte, in meinem Herzen wohnt und dass der liebe Gott von oben aus dem Sternenhimmel auf alle Menschen, auch auf mich kleinen Jungen, liebevoll herabschaut.

 

Kinder können unbekümmert glauben und sich in der Liebe und Fürsorge Gottes bergen. Da ist noch kein Zweifel, keine Frage, kein kritisches Nachdenken, keine schwierige Situation, die den Glauben infrage stellt: Gott ist für mich da. Ich bin meinen Eltern dankbar für diese ersten prägenden Erfahrungen mit einem lieben Gott, die mich mein Leben lang bis heute tragen konnten.

 

Aber mein Kinderglaube ist dann mit mir auch in die Pubertät gekommen. Pubertät heißt auch: Ich stelle alles infrage, vor allem Traditionen und Autoritäten. Dann kommen auch die Kirche und der Glaube auf den Prüfstand. An vieles konnte ich in dieser Zeit nicht mehr glauben, nicht an die Kirche, nicht an die Bibel, manchmal vielleicht sogar nicht einmal mehr an die Existenz Gottes. Was mich und meinen Glauben durch diese Zeit hindurch trug, war die Gemeinschaft der Glaubenden, fühlbar und erlebbar in der Jugendarbeit meiner Kirchengemeinde. Hier fand ich die Geborgenheit und das Angenommensein, die Jugendliche so sehr suchen, aber oft so wenig finden, weil sie sich von aller Welt unverstanden fühlen.

 

Der Wandel vom Kinderglauben zu einem erwachsenen Glauben war noch im Gange, als ich mein Theologiestudium begann. Da erlebte ich, wie Glaube und Vernunft zusammenkamen, wie Bibel und Glaube mit wissenschaftlichen, historisch-kritischen Methoden betrachtet wurden. Für viele Bekannte eine echte Anfechtung, für mich hingegen die Rettung meines Glaubens, weil ich spürte: Ich kann glauben - und dabei ein ganz modern denkender Mensch sein und bleiben.

 

Ja, der Glaube an den guten Hirten, wie er mir in Kindertagen mit auf den Weg gegeben wurde, hat durchgetragen, trotz aller Wandlungen, die er genommen hat. Es kann aber auch anders kommen, wenn ich an die Frau und das Gespräch mit ihr denke, deren Glaube wohl im Moment so auf dem Prüfstand steht, dass noch nicht klar ist, wie es ausgeht

 

Ich denke an Momente zurück, in denen auch mein Glaube erschüttert wurde. Das erste tote Kind, für das ich eine Trauerfeier zu halten hatte. Meine Fassungslosigkeit, meine Sprachlosigkeit, meine Ratlosigkeit: Wie kann Gott das zulassen? Was soll ich den Eltern und den Trauernden sagen? Wie kann ich ihnen helfen? Reifungsprozesse meines Glaubens - unter Schmerzen vollzogen, vielleicht auch mit Narben, die auf der Seele zurückbleiben.

 

Auch die frühe Kirche um das Jahr 90 nach Christus machte solche schmerzlichen Reifungsprozesse durch. Indirekt legt davon der erste Petrusbrief Zeugnis ab, aus dem ich jetzt lese:

Ihr wisst doch: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt. Ihr wisst: »Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.« Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen.

Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden! Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgekehrt und folgt dem Hirten, der euch leitet und schützt.

 

Um das Jahr 90 nach Christus ist die frühe Kirche fast schon so etwas wie eine Weltkirche. Die Saat, die die Apostel ausgesät hatten, indem sie der Sendung Jesu folgend in alle Welt gegangen waren, war aufgegangen: Viele Heiden hatten sich zum christlichen Glauben bekehrt. Überall waren christliche Gemeinden entstanden. So schreibt der uns unbekannte Verfasser des Briefes - der dem Jünger Petrus wohl nur zugeschrieben wurde - nicht nur an eine einzelne Gemeinde, sondern an eine Kirchenregion: Kleinasien auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Das urchristliche kirchliche Leben hatte begonnen, Formen anzunehmen und Traditionen zu bilden. Die christliche Gemeinde war auf dem Weg zur weltweiten Kirche.

 

Aber während sich die Gemeinden in der Welt einrichteten - fast möchte man sagen: es sich gemütlich machten - bricht die Wirklichkeit unbarmherzig herein. Es ist schwer, sich in der Welt der Heiden zu bewegen, immer wieder abzuwägen, wo man mitmachen kann, wo man sich aber als guter Christ abzugrenzen hat. Kleinasien hatte in den 90er Jahren unter den verschärften Verfolgungen von Juden durch Kaiser Domitian besonders zu leiden. Möglicherweise waren davon auch Christen betroffen.

 

Der Briefschreiber weiß: Ein Leben ohne Leid gibt es nicht. Und das gilt auch für das Leben eines Christen.

 

Kinder aber sollen behütet aufwachsen. Sie sollen an das Gute im Menschen glauben, sie brauchen das Fundament eines Urvertrauens, das ihnen hilft, auch schwere Erfahrungen, die ihnen früher oder später im Leben begegnen werden, zu verarbeiten und daran zu wachsen. Behütet aufwachsen heißt für mich: Kinder sollen auch beschützt werden vor all dem Schrecklichen, das vor allem die modernen Medien den Menschen in geballter Wucht zumuten. Es ist Aufgabe von Eltern und Erziehenden, Kinder dieser Seite des Lebens nur behutsam, gewissermaßen dosiert und immer altersgerecht auszusetzen.

 

Die Gefahr dabei ist die Überbehütung. Es gibt Menschen, die ihren Kinderglauben nie ablegen. Unter der Hand verwandelt er sich in einen Wohlfühlglauben, der von Gott beansprucht, dass immer alles gut wird. Aber so ein Glaube trägt nicht, wenn es darauf ankommt. An Leid und Schmerz ist er zum Scheitern verurteilt.

 

Der Glaube an den guten Hirten ist jedoch kein Kinderglaube. Er vermag zu tragen. Sein eindrücklichstes Zeugnis ist der 23. Psalm. Ich bin vielen begegnet, denen gerade dieser Psalm der wichtigste geblieben ist. Obwohl - oder gerade weil - sie viel Schweres in ihrem Leben erleiden mussten. Aber der 23. Psalm verschweigt ja nicht die finsteren Täler des Lebens. Auch der 1. Petrusbrief stellt das Leid neben das Bild vom guten Hirten. Der gute Hirte ist Christus, der selbst gelitten hat. Er steht nicht unverwundbar über allem, was Menschen erleiden, sondern erleidet es selbst. Er bleibt dabei, gerade wenn es schwer wird. Er geht den Verirrten nach und begibt sich dabei selbst in Todesgefahr. Ja, er steigt sogar hinab ins Reich des Todes, um die Toten zurück ins Leben zu holen.

 

Ich weiß: Ein Leben ohne Leid gibt es nicht. Und ich glaube: Ein Leben ohne die Erfahrung von Leid ist kein erfülltes Leben. Wer Leiden kennt, kennt auch Lebenslust und Lebenstiefe. Zum Leben in Fülle gehören Freude wie Leid. Was soll ich mit einem Hirten, der mir wie ein Superheld den Weg durch alle Gefahren bahnt, sodass ich unberührt bleibe vom Leid - von eigenem Leid wie auch dem der anderen? Was soll ich mit einem Hirten, der mir vorgaukelt, alles sei in bester Ordnung, alles wird gut?

 

In allem Leid, das mir nicht erspart bleibt, wünsche ich mir einen Hirten meiner Seele an meiner Seite, einen, der mich in die Tiefe führt, in die Tiefe meines Lebens, meiner Seele. Einen, dem ich grenzenlos vertrauen kann. Einen, der mit mir hinabsteigt in die finsteren Täler meines Lebens, und mit dem zusammen ich dann wieder aufsteige ans Licht. Einen, von dem das Lied (EG 209,4) singt: "Sie nennen ihn den Herren Christ, der durch den Tod gegangen ist; er will durch Leid und Freuden mich geleiten. Ich möcht, dass er auch mit mir geht."

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.

 

Info

Veröffentlicht am18. April 2026

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Presbyteriumseinführung 2024

Pfarrer Dirk Thamm

Ev. Kirchengemeinde Neuss-Süd

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